Konzerte,  Metal & Rock

Golden Ring – Eric Clapton in der Olympiahalle (Bericht)

Er zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Gitarristen der vergangenen Jahrzehnte: Eric Clapton. Der britische Gitarrist kann auf zahlreiche Bandprojekte, Supergroups, unsterbliche Kompositionen und einen spielerischen Einfluss nachfolgender Gitarrenspieler-Generationen zurückblicken: Ein riesengroßes Vermächtnis. Zu Ehren seiner Diskografie und der Tatsache, dass er mit 81 Jahren weiterhin fit genug ist, die Welt zu bereisen, geht er auf eine seiner seltenen Tourneen und besucht am Sonntag, 17. Mai 2026, die Olympiahalle München.

Nachdem Andy Fairweather Low & The Low Riders den Abend gitarrenlastig und rockig eröffnen, verdunkelt sich die Halle erneut gegen 20:45 Uhr für den Mainact. Rund zwei Minuten bleibt die Bühne leer, das Licht aus und die Anspannung in der vollbestuhlten Halle enorm, bevor die ersten Bandmitglieder und kurz darauf Eric Clapton selbst das Podest betreten. Schnell springt das Publikum auf, schenkt dem Musiker Vorschusslorbeeren und Standing Ovations für sein Lebenswerk, bevor sich alle wieder setzen – und sitzen bleiben. „Badge“ seiner ehemaligen Band Cream, gemeinsam geschrieben mit Beatles-Viertel George Harrison, eröffnet das rund 100-minütige Konzert und die – wie zu erwarten – solistische Blues- und Gitarrenschlacht.

© George Chin

Dabei beschränkt sich Clapton auf das Wesentliche: Starke Mitmusiker, große Screens für die Arena und ansonsten lediglich die Musik. Große Show, Effekthascherei, selbst eine Lichtshow sucht man lange, stattdessen gibt es reichlich Soli von Clapton und seiner siebenköpfigen Band aus Drums, Gitarre, Bass, Orgel, Piano und Backgroundgesang. Schon zu Beginn, aber besonders bei „Old Love“ und „Little Queen Of Spades“ gegen Ende des Konzerts bauschen sich die Lieder auf, gelangen zu ordentlichen Lauflängen und nicht minder beeindruckenden virtuosen Talentbekundungen an Saiten- und Tasteninstrumenten. Honoriert wird das mit reichlich Applaus des allerdings doch sehr gemächlichen Publikums.

Was im Vergleich zur letzten Tour deutlich ausgebaut wurde, ist der Akustik-Teil, den Clapton sitzend an der Akustik-Gitarre verbringt und, nach reiner Solo-Einlage, auch mit seiner Band unplugged musiziert. In diesen Block fallen die zwei vielleicht größten Hits des Musikers: „Layla“ und „Tears In Heaven“. Ganz friedlich verlief es aber nicht: Während „Layla“ schien es zu einer Auseinandersetzung in den oberen Sitzrängen zu kommen, laute Kraftausdrücke tönen durch die Olympiahalle und überdecken den sanften akustischen Klang der Musiker. Aber gut, Ausschreitungen ist Clapton von sich gewohnt, denkt man da an rassistische Äußerungen seinerseits bereits in den 1970er-Jahren, aber nicht weniger seine Schwurbler-Hymne „Stand And Deliver“ in der Coronazeit, in welcher er Corona-Schutzmaßnahmen mit der Sklaverei verglich. Ein Clapton-Konzert unbeschwert zu besuchen, das funktioniert nur mit einer sehr starken rosaroten Brille.

Setzt man sich über all diese Fauxpas seiner Karriere hinweg, bekommt man einen legendären Musiker, der auch Ü80 noch spielerisch, aber auch stimmlich zu überzeugen weiß. Natürlich, die ganz hohen Töne mögen nicht mehr ganz so druckvoll kommen, aber besonders Stücke wie „Tears In Heaven“ oder das mitreißende „Cocaine“ sind schon so mit ihm verbunden, dass sie sich über die Alterserscheinungen des Musikers hinwegsetzen. Gegen 22:25 Uhr verabschieden er und seine Band sich, die Zugabe „Before You Accuse Me“ schließt einen virtuosen, knappen, hochpreisigen, aber fraglos gelungenen Konzertabend, der vielleicht auch Eric Claptons letztes Konzert in München hätte sein können.

Setlist: Badge / Key To The Highway / I’m Your Hoochie Coochie Man / I Shot The Sheriff / Kind Hearted Woman Blues / Nobody Knows You When You’re Down And Out / Golden Ring / Layla / Tears In Heaven / Old Love / Crossroads / Little Queen Of Spades / CocaineZugabe: Before You Accuse Me

Bericht: Ludwig Stadler

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