infinite source – Deftones im Zenith (Bericht)
NuMetal ist in der Stadt! Dass Bands wie Limp Bizkit, Linkin Park und Papa Roach einen nostalgischen Revival-Trend feiern, ist bereits seit einigen Jahren zu beobachten. In diese Runde reihen sich Deftones ebenso ein. Die Alternative Rocker haben um die Jahrtausendwende den Sound geprägt wie sonst nur wenige Bands. Interessanterweise entwickelten sich rund um einige ihrer älteren Songs große TikTok-Trends, was nicht nur zur verstärkten Popularität, sondern auch zur Verjüngung des Publikums führt. So ist ihr Konzert am 3. Februar 2026 im Zenith München restlos ausverkauft, die Schlange vor der Halle geht weit über den Block hinaus.
Das führt dazu, dass zahlreiche Besucher*innen die erste Vorband Drug Church verpassen, die um 19:30 Uhr den Abend eröffnet haben. Zum zweiten Act Denzel Curry um 20:20 Uhr sind aber alle anwesend und aufgewärmt. Einen klassischen Rapper als Support einzuladen, der zwar crossoveraffin ist, sich aber den traditionellen Beats verschreibt, ist eine ungewöhnliche Wahl. Doch schon als zweiten Song präsentiert er gemeinsam mit seinem DJ den Song „Hit The Floor“, der sich an Drowning Pools „Bodies“ anlehnt und das skeptische Publikum zu großen Teilen abholt. Mit einer unendlichen Bühnenenergie und zielsicheren Rap-Skills rast der Rapper durch sein Set und überzeugt fast schon altmodisch mit seiner messerscharfen Performance. Wer hier Playback oder Autotune erwartet hat, wartet lange: Denzel Curry kommt mit purem Talent. Nach rund 45 Minuten verlässt er mit einem „Bulls On Parade“-Cover von Rage Against The Machine die Bühne. Chapeau!

Bis Deftones schlussendlich starten werden, vergeht noch einige Zeit, erst gegen 21:35 Uhr verdunkelt sich das Zenith und die Musiker betreten ohne jegliches Intro die Bühne. „Be Quiet And Drive (Far Away)“ vom Erfolgsalbum „Around The Fur“ soll den Abend eröffnen – die Energie im Publikum und auf der Bühne ist sofort sichtbar. Besonders Frontmann Chino Moreno sprintet und hüpft auf der Bühne umher, sichtlich in gesanglicher und körperlicher Bestform. Die Schreie sitzen, die Töne auch, lediglich beim Timing ist Moreno etwas holprig, die Passagen kommen gerne mal verzögert zur Musik. Das Publikum stört das aber wenig.
Was allerdings sehr stört, ist der furchtbare Sound. Besonders, da Deftones eine beachtliche Produktion mit riesiger Leinwand, Podesten und ausgefallener Lichtshow mitgebracht haben, fragt man sich, wieso man nun an der Anzahl der Boxen spart. Lediglich zwei frontale Boxentürme sind aufgehängt, weder seitlich noch weiter hinten ist irgendwas zu finden. Das führt gerade in einer akustisch schwierigen Halle dazu, dass der Klang an fast allen Orten matschig, wenig definierbar oder schwammig klingt. Morenos Gesang wirkt an manchen Positionen so, als wäre das Mikro eher eine Blechbüchse. Das wird einer Band wie Deftones, die das erste Mal seit neun Jahren wieder in München gastiert, wahrlich nicht gerecht und ist furchtbar anstrengend zu hören. Trotz eines kurzen Stopps und medizinischen Zwischenfalls bei „Genesis“ bringen die Amerikaner den Konzertabend aber noch erfolgreich zu Ende und spielen im Zugabenblock ihren TikTok-Hit „Cherry Waves“, ebenso wie den nostalgischen NuMetal-Klassiker „My Own Summer (Shove It)“. Das Gefühl, dass Denzel Curry den Deftones an diesem Konzertabend den Rang abgespielt hat, bleibt.
Setlist: Be Quiet And Drive (Far Away) / locked club / ecdysis / Diamond Eyes / Rocket Skates / Digital Bath / souvenir / my mind is a mountain / Lhabia / Rosemary / cut hands / infinite source / Sextape / Hole In The Earth / Change (In The House Of Flies) / Genesis / milk of the madonna – Zugaben: Cherry Waves / My Own Summer (Shove It) / 7 Words
Bericht: Ludwig Stadler


