Konzerte,  Metal & Rock

Amaranth – Anette Olzon im Backstage (Bericht)

Nightwish gelten als größte Symphonic-Metal-Band der Welt und spielen auch sonst im absoluten Olymp der Metal-Bands. Besonders machen sie auch die Phasen durch ihre drei Sängerinnen aus: Tarja Turunen, Anette Olzon und Floor Jansen. Die gern übersehene Zeit der zweiten Sängerin, Anette Olzon, ist dabei die kommerziell aufbauendste und erfolgreichste, die die Band erst auf das Level katapultiert hat, auf dem sie heute noch spielt. Nun, rund 15 Jahre nach dem Release des letzten Albums „Imaginaerum“, hat sich Anette Olzon wieder auf die Bühne gewagt und bringt die Lieder der beiden Alben, die sie mit der finnischen Metal-Band gemacht hat, zum Besten. Am 19. August 2026 spielt sie in der Backstage Halle.

Leider scheint sich die frohe Kunde über die Bühnenrückkehr der schwedischen Sängerin nicht so recht verbreitet zu haben: Die Backstage Halle ist noch recht luftig gefüllt, als Vorband Symfobia gegen 19:25 Uhr den Abend eröffnen. Das mag an Mittwoch, an August, an Werbung, an vielerlei Gründen liegen – die Musiker*innen lassen sich nicht davon abhalten, mit ordentlich Lust und Freude loszulegen. Die slowakische Symphonic-Metal-Band startet mit brechender Lautstärke und einem Katalog aus wirklich intensiven, eingängigen Songs, die nach und nach immer mehr zu gefallen wissen. Stücke wie „Bury It“ oder „Liar“ führen zu reichlich Applaus, besonders Frontfrau Hana Zaujecová kann mit ihrer grandiosen Stimme vollends überzeugen. Nach rund 40 Minuten verlässt das sechsköpfige Bandgespann wieder die Bühne.

Gegen 20:40 Uhr startet das epische Intro, welches die Sängerin ankündigt, auf die Nightwish-Fans so lange live warten mussten: Anette Olzon. Mit „7 Days To The Wolves“ und „Storytime“ lässt sie sich mit ihrer vierköpfigen Band nicht lumpen und feuert gleich zwei waschechte Hits für den Einstieg dem Publikum entgegen. Dieses nimmt die Songs begeistert auf und kommt, trotz nicht ausverkaufter Location, auf eine beachtliche Lautstärke. Die Band selbst kämpft sich tapfer und meist zielsicher durch die teils recht schwierigen Nightwish-Songs, lediglich am Schlagzeug gibt es manchmal Taktschwierigkeiten und bei einigen Songs ist die Gitarre deutlich zu leise. Abgesehen davon, glänzen vor allem Bassist und Zweitsänger Filipe Duarte und Keyboarder Vithor Moraes an ihren Instrumenten.

Über alledem schwebt Anette Olzon, die als pure Frohnatur schon ab der ersten Sekunde an das gesamte Publikum um den Finger gewickelt hat. Mit sichtbarer Freude erzählt sie von den idyllischen Off-Days der letzten Tage, ihre Rückkehr auf die Bühne nach rund 15 Jahren und ihrem Leben als Krankenpflegerin und Mutter. Gesanglich hat sie allerdings nichts verlernt, das wird schnell klar, als sie sich auch mit 55 Jahren gekonnt und sicher durch die teils extrem hohen Songs singt. Absolutes Highlight: „Meadows Of Heaven“, den sie selbst auch besonders gern mag und ihre Gospel-Vergangenheit repräsentiert. Ansonsten bietet der Abend eine schöne Möglichkeit, lange nicht mehr oder noch nie live gehörte Songs endlich zu erleben und auch ein wenig in die Nostalgie der späten 2000er-Jahre zu verfallen. Olzon und ihrer Band gelingt in jedem Fall eine wundervolle musikalische Reise, die mit dem Bombastwerk „The Poet And The Pendulum“ und dem mitreißenden „Last Ride Of The Day“ nach rund 95 Minuten ein Ende findet. Chapeau!

Setlist: 7 Days To The Wolves / Storytime / Ghost River / Bye Bye Beautiful / Amaranth / Rest Calm / Last Of The Wilds / Turn Loose The Mermaids / Meadows Of Heaven / SaharaZugaben: Scaretale / The Poet And The Pendulum / Last Ride Of The Day

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