Es war nicht alles schlecht – Die Prinzen im Circus Krone (Bericht)
35 Jahre Die Prinzen! Was für eine beachtlich lange Karriere, auf die das Vokalensemble zurückblicken kann. Und nicht nur das, ihre großen Hits der 1990er-Jahre und 2000er-Jahre, wie „Alles nur geklaut“, „Deutschland“, „Millionär“ oder „(Du musst ein) Schwein sein“ sind auch im Jahr 2026 immer noch präsent und allgegenwärtig. Nun gut, vielleicht nicht mehr ganz so intensiv bei jüngeren Generationen, aber zumindest erfreuen sich ihre Konzerte weiterhin großer Beliebtheit: Ihr Gastspiel am Donnerstag, 28. Mai 2026, im Circus Krone München ist ausverkauft.
Besonderheit dieser Tour ist der Zusatz „Symphonica“: Gemeinsam mit dem Orchester der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach spielen Die Prinzen eine ausgedehnte Werkschau ihrer Karriere. Das sowieso sehr stimmreiche Arrangement der Gruppe, üblicherweise nur von wenigen Musikern hinterlegt, fügt sich in ein mächtiges Klangbild, das die ausgefeilten und poppigen Melodien noch einmal ummantelt. Diese Hoffnung bestätigt sich, nach einer wunderbaren Ouvertüre, bereits beim ersten Lied „Krone der Schöpfung“: Laut und kräftig, aber nicht völlig überwältigend schallt die Kombination aus Orchester, Band und Gesang aus den Boxen. Der mehrstimmige Gesang der Gruppe, gepaart mit den sehr melodiefeinen, gar symphonischen Kompositionen, erweist sich als perfekte Symbiose.

Im Fokus: Die beiden Frontsänger Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel, welche abwechselnd den Lead-Gesang übernehmen, während Wolfgang Lenk, Jens Sembdner und Henri Schmidt für die mehrstimmige Basis und die klangliche Tiefe der Songs sorgen. Mit „Wo bin ich, wenn ich schlafe“ hat Sembdner zwar auch einen eindrucksvollen solistischen Moment, anderweitig bleibt es aber bei den zwei Frontmännern. Gesanglich sind beide immer noch erstklassig: Zwar hat sich die Stimme von Krumbiegel im Laufe der Jahre etwas tiefer entwickelt, weshalb die eine oder andere Höhe der ganz alten Lieder etwas umschifft wird, die Stimme von Künzel dagegen klingt wie am ersten Tag. Mit geschlossenen Augen vergisst man schnell, dass es gar nicht mehr Anfang der 1990er-Jahre ist, sondern dort bereits Männer in ihren 60ern musizieren.
An Moderation, Anekdoten, Ansagen und spontanen Sticheleien mangelt es über den rund dreistündigen Abend nicht, sogar ein Zwischenruf eines Mädchens, das gerne ein Selfie mit Künzel hätte, wird sympathisch in die Show eingebunden. Es wirkt gar überraschend, dass ein Ensemble, das 35 Jahre nach ihrer Gründung auf einem so hohen musikalischen Niveau agiert, nun die bevorstehende Auflösung bekanntgegeben hat. 2027 geht es auf ausgedehnte Abschiedstour, bevor das Projekt Die Prinzen zu Ende geht. Vielleicht macht gerade diese Info den Abend im Circus Krone nur noch einmal wertvoller, denn ab der ersten Sekunde, aber ganz besonders im Hitgewitter gegen Ende des Konzerts steht das gesamte Publikum, singt, klatscht, lacht und freut sich. Chapeau!
Setlist Akt I: Prinzen-Ouvertüre / Krone der Schöpfung / Mann im Mond / Millionär / Königin / Wo bin ich, wenn ich schlafe / Blaue Augen / Ich will dich haben / Immer auf mich zählen (Alpaka Song) / Es war nicht alles schlecht / Geliebte Zukunft / Der Mann im Mond ist ein Mädchen / Dürfen darf man alles / Überall / Ganz oben
Setlist Akt II: Suleimann / Alles mit’m Mund / Vergammelte Speisen / Abgehau’n / Gabi und Klaus / Dumme Ideen / Leben strengt an / Küssen verboten / Deutschland / Bombe / (Du musst ein) Schwein sein / Alles nur geklaut – Zugaben: Wer ist der Typ / Mein Fahrrad / Ich schenk dir die Welt
Bericht: Ludwig Stadler


