Nie Allein – KAFFKIEZ im Zenith (Bericht)
Für KAFFKIEZ ist der Auftritt am Dienstagabend im Zenith mehr als nur ein weiterer Tourstopp. Die Band steht an diesem Abend auf einer Bühne, vor der sie selbst als Jugendliche im Publikum standen – und das vor ausverkaufter Halle. Entsprechend aufgeheizt wirkt die Stimmung schon vor Konzertbeginn: Im Publikum wird lautstark zu den aufgelegten Songs mitgesungen, während Voract Ella Stern zwar wohlwollend, aber deutlich verhaltener aufgenommen wird.
Als die Fünf schließlich die Bühne betreten, wird schnell klar, worauf dieser Abend hinausläuft: Gemeinschaft, Energie und möglichst viele Momente, die sich kollektiv feiern lassen. Das Bühnenbild ist nicht ausgefallen, aber effektiv: jalousienartige Quader und große Bandbanner strukturieren die Bühne, während der Sound leider das erfüllt, was viele Konzerte im Zenith begleitet: solide Lautstärke, aber eher mittelmäßige Klangqualität.

Musikalisch bewegt sich der Abend genau in dem Spannungsfeld, das auch ihr aktuelles Album prägt. Mit ihrem dritten Studioalbum „WIR“ hat die Band einen Punkt erreicht, an dem aus jugendlichem Aufbruch eine klare Identität geworden ist. Die Songs wirken fokussierter, homogener und klar auf Live-Momente ausgelegt. Überraschungen gibt es weniger, dafür viele Refrains, die sofort kollektiv funktionieren.
Das zeigt sich früh im Konzert. Schon nach wenigen Songs fordert die Band die Menge gestikulierend dazu auf, Kreise zu öffnen. Moshpit-Ansagen, die bei Indie-Pop zunächst definitiv überdimensioniert wirken, aber dennoch funktionieren. Spätestens beim Lichtermeer zu „Zum ersten Mal Nice“ wird deutlich, wie sehr diese Songs auf gemeinsames Erleben ausgelegt sind.
Inhaltlich passt das gut zum Konzept von „WIR“. Statt introspektiver Einzelgeschichten setzt die Band zunehmend auf Texte über Freundschaft, Zusammenhalt und das Bedürfnis nach Verbindung: Themen, die im Livekontext besonders gut greifen. Manchmal wirkt die Performance dabei fast so glatt wie die Produktion der Platte: Viele der Songs klingen auch live sehr ähnlich, ein bisschen mehr Variation oder spontane Energie würde dem Konzert stellenweise gut tun.

Dennoch entstehen immer wieder Momente, die zeigen, warum die Band gerade so viele Menschen erreicht. Als das Konzert kurz unterbrochen wird, weil Frontsänger Johannes Eisner die Sanitäter auf ein Problem im Publikum aufmerksam macht, reagiert die Halle sofort aufmerksam. Es ist einer dieser Augenblicke, der deutlich macht: In der Indie-Bubble wird tatsächlich noch aufeinander aufgepasst.
Musikalische Höhepunkte folgen dicht aufeinander. Für „Sommer mit dir“ und „Galaxis“ verlässt die Band die Bühne und spielt inklusive Piano mitten im Publikum, der Moment kreiert auch emotionale Verbindung zum hinteren Teil des Publikums. Eine schöne Geste, die für Nähe sorgt. Spätestens bei „Nie allein“ gibt es dann endgültig kein Halten mehr. Die gesamte Halle singt, tanzt und lacht, während KAFFKIEZ die Dynamik des Songs voll auskosten und zwischen Euphorie und emotionalem Pathos wechseln.
Gegen Ende des Abends wird außerdem auf eine Spendenmöglichkeit für ein Kinderhospiz hingewiesen – ein weiterer Moment, der gut zur Botschaft des Albums passt: Gemeinschaft nicht nur zu besingen, sondern auch praktisch zu leben. Am Ende bleibt ein Konzert, das vielleicht weniger Überraschungen und emotionale Spitzen bietet als andere Shows dieser Größenordnung, dafür aber genau das liefert, was die Band ausmacht: einen Soundtrack für kollektive Leichtigkeit. Irgendwo zwischen sich gleichenden Texten über Sommer und Freundschaften findet die Band ihren Platz – mitten in einer Community, die genau dieses Gefühl sucht und an diesem Abend im Zenith auch bekommt.

Setlist: Die Sonne scheint / Du bist Schuld / 4000 Grad / Zum ersten Mal Nice / Vorhang Auf / Mut / Himmelblau / Benz / Mitte 20 / Du sagst / In Nächten wie diesen / Hast du noch Zeit / Sommer mit dir / Galaxis / Keine Stadt / Capri Sonne / Frei / Nie Allein / Scheissegal / Alles nur gelogen / Halb so schön wie du
Bericht & Fotos: Josefina Gerstner


