Of Darkness – Year of the Goat im Backstage Club (Bericht)
Nach einem besinnlichen Osterfest ist es einmal wieder Zeit für das Okkulte. Die schwedische Band Year of the Goat passt nicht wirklich in eine Schublade und zeichnet sich durch ihre Vielfalt aus, ohne ihren „signature Sound“ zu verlieren. Sie verbinden traditionellen melodischen Heavy Metal mit Adult Oriented Rock, kurz AOR, und einer ordentlichen Prise Okkult, verpackt in eine siebenköpfige Band mit gleich fünf potentiellen Vokalisten. Am 7. April 2026 ist die Band erstmals seit neun Jahren wieder in der Landeshauptstadt zu sehen, wie schon letztes Mal im Backstage Club.
An der Halle angekommen zeigt sich schnell die Vielfalt, für die das Backstage so bekannt ist. Vor dem Eingang ein Spendenstand für die Ukraine, wahrscheinlich in Verbindung mit dem ukrainischen Konzert am gleichen Abend in der Halle, zeitgleich werden die letzten Vorbereitungen für das Champions League Public Viewing zwischen Real Madrid und dem FC Bayern getroffen und aus der Boombox des Essenstands schallt lautstark ein regelrechtes Best-of des gerade in London abgesagten Kanye West.
Pünktlich um 20:00 Uhr startet der Abend mit der deutschstämmigen AOR/Heavy Metal Band Firmament. Die Band passt musikalisch hervorragend in das heutige Programm, leider ist aber der Sound an der Grenze zu unterirdisch. Während die Gitarren schön harmonieren und sich in die Rhythmussektion einbetten, ist der Gesang fast schon störend laut im Vergleich, leider auch nicht 100% optimal getroffen. Die „denglischen“ Ansagen zwischen den Songs sind am Ende auch nicht zwingend hilfreich. Was „Scorpions“ ausstrahlen soll, kommt eher rüber wie „The Boss Hoss“. Das Material und die instrumentale Umsetzung geben aber viel Hoffnung für die Zukunft.

Etwa 21:10 Uhr starten dann Year of the Goat in ihr Programm, auf der überschaubaren Bühne im Backstage Club wird es zu siebt sichtbar kuschelig. Gespielt wird ein Set größtenteils bestehend aus ihrem neuen Album und karriereumfassenden Nadelstichen in die anderen Epochen der Band. Gerade von ihrem 2019er Album Novis Orbis Terrarum Ordinis hatten sich wahrscheinlich einige Fans etwas mehr Material als nur einen Song im Set erhofft, nachdem die zugehörige Tour durch die Pandemie ersatzlos gestrichen wurde. Der Auftritt der Band wirkt routiniert, aber auch hier ist der Sound alles andere als optimal. Gerade bei einer Band mit drei Gitarren und Keyboard, sowie fünf individuellen Gesangsstimmen, die sich teilweise die Songs aufteilen, ist ein klarer, definierter Sound wichtig, heute aber verschwimmen die filigranen Gitarren ineinander und das Keyboard ist außer für die „Orgelpassagen“ teils kaum hörbar.
Zwar wirkt der Gesang besser integriert als im Vorprogramm, aber auch mit spürbaren Lautstärkeschwankungen nach jeder längeren Instrumentalpassage oder Sängerwechsel. Schade, wenn die vielen miteinander harmonierenden Melodien eher ineinander verschwimmen und matschen. Nach gerade einmal einer Stunde ist auch schon Schluss. Die Bayern-Fans im Publikum dürften sich freuen, denn sie sehen so noch fast die gesamte zweite Halbzeit des simultan laufenden Topspiels, aber für eine Headliner-Tour ist das für europäische Verhältnisse schlicht zu wenig. An Material mangelt es nicht, das Publikum ist ebenfalls für einen Dienstag nach den Feiertagen sehr gut aufgelegt, aber die Zugabe-Rufe werden nicht erwidert.
Setlist: The Power Of Eve / Trivia Goddess / Of Darkness / Mét Agwe / Kiss Of A Serpent / King Of Damnation / For The King / Avaritia / The Key And The Gate / Alucarda / Riders Of Vultures / Spirits Of Fire
War es ein schlechtes Konzert? Nein, auf keinen Fall. Wäre hier eventuell mehr drin gewesen? Absolut! Auch eine gut eingespielte Band und tolle Songs können die heute leider schlechte Mischpultakrobatik und fehlende Spielzeit nicht ganz ausgleichen. Hoffentlich gibt es nächstes Mal etwas mehr.


