Indie & Alternative,  Konzerte

Nachteule – Mehnersmoos im Zenith (Bericht)

MM: Deutsche Beatles. So ist die Selbstbezeichnung von Mehnersmoos, selbstredend völlig ironiefrei zu verstehen, und mit dieser Energie sind sie in ihre „Tour de Arsch“ gestartet, die in Zürich beginnt und einen Tag später am Freitag, 30. Oktober 2026 im Münchner Zenith Halt macht. Wem das noch nicht reicht, kann am Folgetag, den sagenumwobenem Halloween-Datum, gleich noch eine zweite Runde einlegen, der erste Abend jedenfalls is restlos ausverkauft. Im Zusammenhang steht damit auch ihr erst Anfang Oktober erschienenes Album „saufen“, das vierte an der Zahl, welches mit Singles wie „Nachteule“ und „Ausländer“ bereits ordentliche Hits für den MM-Katalog erzielen konnte.

Für diese und natürlich viele mehr Lieder kommen knapp 6000 Zuschauer*innen ins Zenith, die – nach kurzem Support von MP Freshly – um etwa 20:50 Uhr die Bühne entern und das „Intro“ ihres neuesten Studio-Albums anstimmen, gefolgt von „Wahnsinn“, was relativ schnell die Richtung des Abends untermauert: Vollgas. Mehnersmoos sind in ihrem Mix aus beatlastigen Rap und rockigen Hymnen eine wilde Mixtur, lediglich ihre schräg-überzeichneten Lyrics, vorrangig mit Fokus auf Bier, Geschlechtsorgane und Arbeitslosigkeit, bleiben über die Genre-Mixe gleich und sind es letztendlich auch, die die Massen seit Jahren größer werden lassen. Auf Festival-Zeltplätzen schallen sie spätestens seit ihrem Hit „3 Uhr Nachts“ am laufenden Band umher, seit einigen Jahren dürfen sie genau dieses Lied, aber auch nicht minder erfolgreichen Nachfolger „Bir“ und „3 Bier“ auf den riesigen Bühnen selbst spielen, immer mit einer Menschenmenge, die fast Headliner-Potenzial hat. Erst dieses Jahr bei Rock im Park haben sie am letzten Festivaltag die Hauptbühne um 13 Uhr eröffnet, dennoch war der Platz packend voll – bei der Nachfolge-Band blieb lediglich ein kaum nennenswerter Bruchteil.

MM bei Rock im Park 2026; © Josefina Gerstner

Nun also ihr eigenes Konzert, zudem ein Freitagabend – die Sauflust ist riesig und dementsprechend angetrunken, aber auch feierwütig das Publikum. Das ist beizeiten etwas anstrengend, aber was genau hat man denn bei einem Mehnersmoos-Konzert genau erwartet? Die Setlist umfasst annähernd alle Songs von „saufen“, ein kleines Best-Of der vorrangigen Alben, ein paar angespielte Cover und nicht zuletzt der erst vor wenigen Tagen veröffentlichte „Mein Engel, die etwas über 1-minütige Persiflage an emotionalen Homemade-Rap der 2000er-Jahre. An sich könnte das auch alles reichlich schiefgehen, tut es aber nicht. Das liegt vor allem an Tobi & Fred, dem rappenden und singenden Duo, welches das Projekt Mehnersmoos lediglich zum Spaß angefangen haben und eigentlich aus der Metal- und Rockszene kommen. Der musikalische Unterbau zeigt sich in Taktgefühl, das Wissen um eine starke Live-Band und eine mächtige Bühnen-Professionalität, die andere Rapper, welche ihre Texte leider etwas zu wörtlich nehmen, auf der Bühne nicht bringen können. Ein Blick auf die Texte zeigt auch: Hier sind keine Stümper am Werk, sondern clevere Texter, die den Saufgesängen auch noch reichlich gehaltvollen Unterbau hinzufügen. Vielleicht macht sie das ja genau aus: Da ist eine zweite Ebene. Wenn man sie sucht, hat man seine große Freude am Zuhören. Sucht man sie nicht, kann man trotzdem zu Saufliedern feiern. Das Publikum mag doch eher im Bereich der zweiten Variante sein – und das ist völlig fein. Nach rund 110 Minuten dürften in jedem Fall alle Mehnersmoos-Fans befriedigt zurückgelassen worden sein.

Setlist: Intro / Wahnsinn / Hurensohn / Freiwild / Wachmann / Schande für die Menschheit / Haus mit nem Zimmer / Danke / Hätt ich gewusst / 3 Bier / Nachteule / Blue Man Group / Saufen ist die geilste Sau / 20 CM / Ausländer / Alles was wir brauchen / Diewo / Bir – Zugaben: Mein Engel / Hey John / Cover-Medley / Bester Freund / 3 Uhr Nachts

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