Indie & Alternative,  Konzerte

All die schönen Worte – Kraftklub in der Olympiahalle (Bericht)

Als Kraftklub im Jahr 2012 ihr Album „Mit K“ veröffentlichten, haben sie gewissermaßen eine Renaissance des deutschsprachigen Indie-Rocks eingeleitet. Mit rotziger Attitüde, unbändigem Spielwillen und humorvoll-mitreißenden Texten hat sich die Band aus Chemnitz Stück für Stück an die Spitze gespielt. Mittlerweile ist ihre Musik den rockigen Anfängen entwachsen, stattdessen liegt der Fokus auf kurze, poppige Songs, die im Kern aber immer noch die Energie der Anfangstage haben sollen. „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ ist ihr im November 2025 erschienenes, mittlerweile fünftes Album. Dazu geht es erstmals auf Arena-Tour, die in beachtlicher Geschwindigkeit den Großteil der Tickets verkauft hat, so auch am 6. März 2026 in der Olympiahalle München.

© CAPADOL / Lih Tsan

Von Kraftklub-Sänger Felix Kummer persönlich wird die Supportband des Abends angesagt: lovehead. Das Trio aus Österreich hat sich rotzigem Indie-Rock mit eingängigen Refrains verschrieben und bietet tanzbare und freudige Songs. Die drei Musikerinnen waren erst vor kurzem im Ampere und haben eine ausgedehnte Club-Tour hinter sich, den Sprung in die Arena scheinen sie aber unaufgeregt hinzubekommen. Bei den Ansagen wirken sie manchmal noch etwas verloren, aber eine so große Masse an Menschen als Vorband mitzunehmen, ist ein schwieriges Unterfangen. Am Ende unterhalten sie Münchner*innen rund 30 Minuten bestens und enden mit ihrem kleinen viralen Hit „erdnussallergie“.

Setlist: rote ampeln / fanta lustig / veränder mich / sex am See / denkst du an mich? / lieder für mich / anthony / Sommerwind / erdnussallergie

Kraftklub beginnen ihren Auftritt mit einem großen visuellen Auftakt: Während die gesamte Bühne mit einer grauen, betonartigen Wand hinterlegt ist, kommt davor langsamen Schrittes ein Gitterkonstrukt mit Leuchtschild herunter. Darauf steht, passend zum Albumcover und -titel: Kraftklub – Sterben in Karl-Marx-Stadt. Gerade in völliger Dunkelheit und den grellen roten Zeichen kommt dieser Beginn mächtig – umso bedauerlicher, dass die Band das musikalisch nicht auch so wählt. Stattdessen startet man mit einem Trio aus dem neuen Album „Malboro Mann“, „Ein letztes Mal“ und „All die schönen Worte“, das erst kaum Energie gibt und beim dritten Song auch noch mächtig Geschwindigkeit herausnimmt. Visualisierung und Musik stehen im Konflikt.

© CAPADOL

Zum Glück sammeln sich Kraftklub ab dem vierten Song „Ich will nicht nach Berlin“ und die Stimmung in der Olympiahalle steigt auf ein Vielfaches – und bricht nicht mehr ab. Bis zum Ende erklingen Chöre zu „Kippenautomat“, einem der stärksten Live-Nummern des neuen Albums, welcher sich als neuer Liebling etablieren könnte. Das feuert wiederum auch die fünfköpfige Gruppe aus Chemnitz an, die sich mit mehr Elan durch ihre etwas zu ruhig geratene Setlist spielen. Ob sie den Sprung in die Arenen wirklich wagen sollen, das habe auch die Band überlegt, erklärt Kummer in einer Ansage, aber diese Sorge ist wahrlich unbegründet: Nebst einer wirklich schwer beeindruckenden Lichtshow feuert die Band all ihre Möglichkeiten von B-Stage bis Glücksrad ab. Über zwei Stunden spielen sie am Ende, als sie mit „Songs für Liam“ und nochmal einer kleinen Runde „Kippenautomat“ den Abend beenden. Die Show und das Bühnengeschehen stehen mittlerweile im Kontrast zur gespielten Musik von Kraftklub, aber zumindest an diesem Abend in München konnte das überwunden werden – besonders dank des überbordend lauten und tanzfreudigen Publikums.

Setlist: Malboro Mann / Ein letztes Mal / All die schönen Worte / Ich will nicht nach Berlin / Fahr mit mir (4×4) / Kippenautomat / So rechts / Unsterblich sein / Halts Maul und spiel / 500 K / Since U Been Gone (Kelly Clarkson cover) / Wie ich / Zeit aus dem Fenster / Kein Liebeslied / Schief in jedem Chor / Chemie Chemie Ya / Blaues Licht / Fallen in Liebe / Schüsse in die Luft / RandaleZugaben: Wenn ich tot bin, fang ich wieder an / Ein Song reicht / Songs für Liam

Bericht: Ludwig Stadler

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