Blitz – Helene Fischer in der Allianz Arena (Bericht)
Geht es um die Frage, welche nationalen Künstler*innen ein so großes Renommee haben, dass sie eine gesamte Stadion-Tour füllen können, sind die Antworten an einer Hand abzuzählen. Ganz oben steht aber fraglos: Helene Fischer. Die Sängerin und Schlagerikone dominiert seit über einem Jahrzehnt den Konzert- und Musikmarkt in Deutschland wie niemand anderes, mehr als deutlich wird das in ihrer aktuellen Stadiontour zum 20. Jubiläum: 15 Konzerte, über 750.000 Besucher*innen und ein Meilenstein in ihrer Karriere. Tourabschluss feiert sie in ihrer Wahl-Heimat München: Die Allianz Arena am 17. Juli 2026 ist ausverkauft.

Das angekündigte und befürchtete Unwetter bleibt aus, lediglich gegen 20 Uhr gibt es einen kurzen Regenschauer, der die Stimmung aber nicht vermiest. Eine weibliche DJ legt die halbe Stunde vor Showbeginn allerlei Klassiker der letzten zwei Jahrzehnte auf, untermalt von einer Kamera, die immer wieder das lächelnde und begeisterte Publikum zeigt. Kurz nach 20:30 Uhr stoppt die Musik und die Lichter auf der Bühne beginnen zu glitzern: Showstart. Um ein imposantes Opening ist Helene Fischer nicht verlegen, sie kommt über das komplette Stadion hinweg schwebend auf die Bühne zugeflogen, bevor sie „Jetzt oder nie“ anstimmt und gemeinsam mit ihrer zwölfköpfigen Band und den zahlreichen Tänzerinnen und Tänzern ihre rund 150-minütige Zeitreise beginnt.
Ein wenig hat der ganze Abend etwas von der deutschen Version einer Eras-Tour: Helene hat im Land das Standing einer Taylor Swift, die Bühne im 360°-Format ist absolut gewaltig, sprengt mit zwei langen Stegen und sogar einer Bespielung auf der Konstruktion und auf herausfahrbaren Seitenstegen jegliche Dimension. Dazu kommen immer wieder kleine Elemente wie ein Thron bei „Flieger“, eine Tafelrunde zum Hit-Medley (welches als Tourabschluss-Gag mit Crew-Mitgliedern besetzt ist, die Helene zum Jägermeister-Trinken bewegen) und nicht zuletzt eine irrsinnige Bandbreite an Musik, die in den vergangenen 20 Jahren entstanden ist. Die Produktion ist immens und steht internationalen Stadion-Großprojekten in nichts nach – und das wohlgemerkt bei einer vorrangig nationalen Künstlerin. Hier gilt es schlichtweg den Hut zu ziehen, denn an Schau- und Showwerten mangelt es wahrlich nicht.

Dass es zusätzlich Feuer, Luftsäulen und Pyro gibt, ist angesichts der Größenordnung fast schon keiner Erwähnung mehr wert. Interessanter sind die Wege, die Helene Fischer geht, um tatsächlich alle Seiten des Stadions so nah wie möglich zu bespielen: Seitenwechsel, Stege, schlussendlich sogar ein Flug durch das Studium zum neuen Song „Meiner Seite“, der in einem akrobatischen Duett mit ihrem Mann Thomas endet. Dennoch nimmt sich die Sängerin Zeit, Schilder zu lesen, mit den ersten Reihen zu kommunizieren und sogar zwei kleine Mädels, zwei Antonias, auf die Bühne zu holen und mit ihnen „Heute Nacht“ zu singen. Heimliches Highlight zudem gleich zu Beginn: Florian Silbereisen ist zu Gast und singt das Duett „Schau mal herein“, welches letztes Jahr zum TikTok-Hit wurde, gemeinsam mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Ein schöner Moment und zudem ein würdiger Abschied dieser Jubiläumstour, die besonders für deutsche Verhältnisse alle Produktionsgrenzen gesprengt hat. Man darf auf den nächsten Schritt der Sängerin gespannt sein!

Setlist: Jetzt oder nie / Unser Tag / Genau dieses Gefühl / Flieger / Feuer am Horizont / Hundert Prozent / Mitten im Paradies / Die Hölle morgen früh / Von hier bis unendlich / Ich will immer wieder… dieses Fieber spür’n / Schau mal herein / Mit keinem Andern / Havana / Marathon / Nur mit Dir / Vamos a Marte / Liebe ist ein Tanz / Das Karussell in meinem Bauch / Fehlerfrei / Warum / Null auf 100 / Und morgen früh küss ich dich wach / Spiele / Rausch / Wir zwei / Regenbogenfarben / Wir werden eins / Atemlos durch die Nacht / Meiner Seite / Blitz / Herzbeben / Achterbahn – Zugaben: Heute Nacht / Phänomen


