Indie & Alternative,  Konzerte

Seven Devils – Florence + the Machine in der Olympiahalle (Bericht)

Seit Jahren stehen Florence Welch und ihre Musik für Popmusik, die die Genregrenzen sprengt und immer mehr Musik-Liebhaber*innen anzieht. Angefangen im Indie mit ihrem Durchbruchsalbum „Lungs“, ist es ihr gelungen, sich niemals zu wiederholen und einige waschechte Hits wie „Spectrum“ und „Shake It Out“ zu schreiben. Mit ihrem neuesten Album „Everybody Scream“ begibt sich die Britin in die Welt der Mystik und Hexen. Das Konzert von Florence + the Machine am 4. März 2026 in der Olympiahalle München war in rasender Geschwindigkeit ausverkauft.

Vielleicht führen auch ihre raren Tourneen und ihre Zusammenarbeit mit Taylor Swift zum nochmals gestiegenen Interesse, zuletzt war sie 2019 in München zu Gast. Die Menge wartet in jedem Fall gespannt und geduldig, spendet dem Auftritt von Paris Paloma im Vorprogramm zurecht reichlich Applaus und wartet dann, ummantelt von undefinierbaren Geräuschen und Sounds, auf den Beginn. Gegen 20:45 Uhr verdunkelt sich die Halle, der lange Steg, der in die Halle ragt, wird vom Vorhang freigegeben und aus den Nebelschwaden empor steigt Florence Welch, die sogleich mit dem Titelsong „Everybody Scream“ druckvoll in den Abend startet.

© Lillie Eiger

Relativ schnell wird klar, mit welch einem visuellen Gesamtkonzept die gesamte Show geplant wurde: Jeder Lichteffekt, jede Nebelschwade, jeder Kameraeinsatz ist kalkuliert und genauso, wie es der jeweilige Song gerade benötigt. Besonders die Arbeit von Creative Director Molly Hawkins und Production & Lighting Designer Stu Dingley ist zielsicher und sehr wirkungsvoll, über die knapp zwei Stunden hat der gesamte Auftritt eine schier perfekte Dramaturgie und schafft es oft, mit relativ kleinen Mitteln eine packende Atmosphäre zu erschaffen.

All das ummantelt aber lediglich das musikalische Fundament aus der fünfköpfigen Band, dem vierköpfigen Witch Choir und allen voran Florence Welch. Ihre Live-Stimme ist glasklar, durchdringend und in jedem Moment zielsicher, die Ansagen oft verspielt, fast schon unsicher, aber sobald sie den Steg entlangrennt oder lediglich die Hände langsam nach oben gleiten lässt, um das Publikum der Olympiahalle anzustacheln, wird klar, wie eindringlich ihre Präsenz wirkt. Kaum eine Künstlerin hat scheinbar mühelos eine so intensive Crowd Control. Dass Welch unlängst in die A-Liga der Popstars aufgestiegen ist, dürfte unbestritten sein und beweist sie mit gefühlter Leichtigkeit in der Olympiahalle. Manchmal nutzt sie auch eine kleine B-Stage direkt am Ende ihres Stegs, bevor sie beim letzten regulären Song „Sympathy Magic“ im Publikum die linke Seite entlang der Bühne entlangschreitet, nur um bei ihrer ersten Zugabe „One Of The Greats“ auf der rechten Seite des Publikums das gleiche zu tun.

© Lillie Eiger

Dass es mit „Dog Days Are Over“ noch den – relativ handylosen! – Mitmachpart gibt, bei dem die fast gesamte Halle springt, ist lediglich ein Bonus eines perfekt konzipierten und noch stärker umgesetzten Konzerts. Spannenderweise bleiben gerade die ruhigen, aber intensiven Songs wie „Seven Devils“ besonders in Erinnerung. Fans sagen manchmal, durchaus mit etwas Pathos, dass es einer Segnung gleichkomme, Florence + the Machine live zu erleben. Nach ihrem Konzert in München versteht man diese Aussage ein bisschen besser.

Setlist: Everybody Scream / Witch Dance / Shake It Out / Seven Devils / Big God / Daffodil / Which Witch / Cosmic Love / Spectrum / Never Let Me Go / Hunger / Buckle / King / The Old Religon / Howl / Heaven Is Here / Sympathy MagicZugaben: One Of The Greats / Dog Days Are Over / Free / And Love

Bericht: Ludwig Stadler

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner