Film

Moralische Dilemmata – „The Drama“ in der Filmkritik

Was hat bereits diese Meldung für ein Aufsehen verursacht: Zendaya und Robert Pattinson spielen gemeinsam in einem A24-Film. Das Filmstudio, welches für hochwertige, künstlerisch anspruchsvolle Werke mit starker Besetzung steht, hat schon eine beachtliche Fanschar, in Kombination mit zwei erfolgreichen Jungschauspieler*innen, die sich in einen Vor-Rosenkrieg stürzen, wird es noch einmal spannender. „The Drama“ von Kristoffer Borgli ist witzig, dramatisch, böse, schmerzhaft, erfrischend und vor allem: hard to watch.

© Leonine Studios

Dabei ist das fraglos als Kompliment zu verstehen, denn Borgli stürzt sich bereits in der Anfangsszene – das Kennenlernen von Emma (Zendaya) und Charlie (Robert Pattinson) – in eine etwas unangenehmere Situation. Gerade diese Unangepasstheit lässt die beiden zu einem liebevollen Paar werden, das sich wunderbar ergänzt. Doch beim Hochzeits-Testessen mit den Trauzeugen teilt Emma eine Information mit den Beteiligten, die schwer lastet – und fortlaufend zum größeren Dilemma wird. Charlie macht aus einem Elefanten schließlich immer mehr einen Blauwal, was zwangsläufig an der Hochzeit eskalieren muss…

Der Trailer tut gut, genau dieses Geheimnis von Emma nicht zu verraten, denn damit bleibt das relevanteste Hauptthema, um das sich dieser Film schlussendlich dreht, bis zum Ansehen eine fehlende Information. Wie man selbst mit einer schwerwiegenden Information umgeht, die man kaum ertragen oder einordnen kann, ist allerdings der spannende Grundgedanke, auf den sich der rund 100-minütige Film stützt. Immer wieder unfreiwillig komisch, mit extremen Fremdscham-Momenten versehen und mit tiefschwarzem Humor kann „The Drama“ wunderbar unterhalten, aber ist zu keinem Moment leichtfüßig. Fast schon belastend wird die Thematik manchmal, wenngleich Borgli und Arseni Khachaturan mit einer grandiosen Kameraarbeit immer wieder genug Abwechslung, kreative Einfälle und absurde Situationen einwerfen, die die harte Thematik entschärfen.

© Leonine Studios

Das handwerklich gelungene Skript wird noch einmal deutlich gesteigert von der grandiosen Schauspielleistung von Pattinson und Zendaya. Während letztere vor allem innerlich mit Konflikten kämpft und darin die volle Bandbreite ihrer Mimik ausspielen musste, wird es bei Pattinson deutlich körperlicher: Sein Umgang mit der Situation wird zunehmend drastischer, verzweifelter und übergriffiger. Die Zerrissenheit stellen beide so grandios und eindringlich dar, dass die Nebencharaktere, deren Verhalten teilweise so drastisch ist, dass auch diese kaum Sympathieträger sind, fast nebensächlich werden.

„The Drama“ ist intensiv, unerwartet und geht tief. Wer mit starken Nerven ins Kino schreitet und sich vor riesigen, moralischen Dilemmata nicht scheut, bekommt ein schauspielerisch grandioses Filmtheater mit absurd-kreativen Ideen. Große Empfehlung!

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