Konzerte,  Metal & Rock

Behelit – Slaughter To Prevail im Zenith (Bericht)

Lange Zeit standen Thy Art Is Murder unangefochten an der Spitzenposition des Deathcore, doch in den vergangenen Jahren ist – neben Lorna Shore – vor allem eine Band nach oben geschossen: Slaughter To Prevail. Die gebürtigen Russen sind zwar schon seit einiger Zeit unterwegs, doch erst ihr Album „Kostolom“ aus dem Jahr 2021 hat sie auf den Radar der Metal-Fans befördert, was nicht zuletzt an der extravaganten Persona ihres Frontmanns Alex Terrible liegt. 2025 folgte mit „Grizzly“ ein neues Werk, das nun auf ausführlicher Europa-Tour vorgestellt wird. Am 6. Februar 2026 spielen sie im ausverkauften Zenith München.

Während sie bei ihrem letzten München-Auftritt im Backstage Werk noch gänzlich ohne Support aufgetreten sind, wie wir berichteten, sind dieses Mal gleich zwei Großkaliber aus dem Genre dabei: Suicide Silence und Dying Fetus. Besonders Letztere haben den Deathcore geprägt wie kaum eine andere Band, aus ihr ist Suicide Silence Mitte der 2000er-Jahre erst entstanden. Während Dying Fetus als Trio zwangsläufig wenig Bewegung auf der Bühne vollbringen, rasen Suicide Silence wie eine frisch gegründete Band voller Energie umher. Besonders Sänger Eddie Hermida, der vor zwölf Jahren für den verunglückten Mitch Lucker übernommen hat, screamt sich beachtlich durch das rund 35-minütige Set und gewinnt das Publikum mit sympathischen Ansagen für sich. Die Menge reagiert dementsprechend: Bei „Disengage“ gibt es eine riesige Wall Of Death.

Setlist Suicide Silence: Unanswered / Wake Up / Fuck Everything / Love Me To Death / Disengage / You Only Live Once / No Pity For A Coward

Setlist Dying Fetus: In The Trenches / Unbridled Fury / Wrong One To Fuck With / Into The Cesspool / Grotesque Impalement / Kill Your Mother, Rape Your Dog / Praise The Lord (Opium of The Masses)

Slaughter To Prevail

Als der Vorhang zu Slaughter To Prevail gegen 21:25 Uhr fällt, ist die Stimmung noch einmal eine ordentliche Schippe bewegungsfreudiger. Dazu trägt auch die Setlist bei: „Bonebreaker“, „Banditos“ und „Russian Grizzly In America“ sorgen für Geschwindigkeit, Härte und Rastlosigkeit gleich zu Beginn. Ihren aufblasbaren Grizzly, der bei manchen Konzerten hinter dem Schlagzeug zu sehen gewesen ist, haben sie in München zwar nicht dabei, dafür aber eine sehr ausgedehnte Feuershow, die schon ab dem zweiten Lied aus allen Rohren feuert. Gespart haben die fünf Musiker hier an der Produktion wahrlich nicht, ihre letzte Headliner-Tour vor einer über zweijährigen Pause soll Wirkung entfalten. Vielleicht erklärt das auch die Songauswahl, die etwas gediegenere Stücke wie „1984“ – ihre deutliche Positionierung gegen den Ukraine-Krieg, weswegen sie 2022 nach Amerika umsiedeln mussten – ausklammert und stattdessen ausschließlich auf 70 Minuten Brachialität und Wucht setzt. Das erfüllt zwar seinen Zweck, wirkt auf die Dauer aber etwas ermüdend.

Zwischen all dem Feuer grunzt und schreit sich Alex Terrible durch die Lieder der letzten zwei Alben und geizt nicht mit Posen, die seine Muskeln oder Tattoos in Szene setzen. Manchmal wird es etwas zu viel der zur Schau gestellten Männlichkeit, da lenkt irgendwann auch der zehnte Feuerrausch-Breakdown nicht mehr von ab. So verliert sich die sonst handwerklich astreine Performance manchmal in Selbstdarstellung. Terrible macht zwar ein paar Ansagen und bedankt sich bei den Fans, aber wirklich überspringen mag der Sympathie-Funke an diesem Abend nicht. Nicht unerhebliche Teile des Publikums sind allerdings ohnehin so stark alkoholisiert, dass sie davon nicht mehr allzu viel mitbekommen dürften. Schlussendlich geht der Abend mit „Demolisher“ zu Ende und liefert ziemlich genau das, was man erwarten konnte – einschließlich aller positiven und negativen Aspekte.

Setlist: Bonebreaker / Banditos / Russian Grizzly In America / Viking / Imdead / Babayka / Bratva / Baba Yaga / Koschei / Conflict / Kid Of Darkness / BehelitZugabe: Demolisher

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