Konzerte,  Pop & Crossover

Rocket – Robbie Williams im Olympiastadion (Bericht)

„What a time to be alive” singt Robbie Williams in seinem neuen Song „Rocket” energisch und kraftvoll. Verständlicherweise, denn der britische Popstar hat einiges zu feiern: seinen Kinofilm „Better Man“, eine erfolgreiche Netflix-Doku und den Release seines anstehenden Albums „Britpop“ – das erste seit 2017. Schon im Vorfeld gibt es eine ausgedehnte Stadium-Tour durch Europa, deren Karten fast komplett vergriffen sind und die Relevanz der Hits von Williams noch einmal deutlich untermauert. Auch sein Konzert am Samstag, 26. Juli 2025, im Olympiastadion München ist restlos ausverkauft.

Was die Vorfreude dann doch ein wenig trübt, ist das Wetter: Regen. Den gesamten Tag. Aber die rund 70.000 Fans sind tapfer, kommen dennoch früh und gut ausgestattet zu einem der letzten Konzerte im Olympiastadion vor dessen Renovierung. Überbrückt wird die Wartezeit auch vom Support The Lottery Winners. Die britische Indie-Rock-Band hat vergangenes Jahr bereits Nickelback supportet und darf nun die Publika in den Stadien bespielen. Mit Erfolg, spenden die Münchner*innen den vier Musiker*innen doch reichlich Applaus und tragen sie durch ihr rund 45-minütiges Set.

Angenehm kurz gestaltet sich die Umbaupause, denn bereits um 20:40 Uhr ertönt das Intro und Robbie Williams hebt zum Start ab. Wortwörtlich, denn mit seiner Bühnenkonstruktion schwebt er passend zu „Rocket“ nach oben, nur um dann runterzuspringen und, frisch gelandet, zu „Let Me Entertain You“ anzusetzen. Was für ein Opening! Williams, das betont er gleich zu Beginn in einer seiner vielen Ansagen, will die Menge unterhalten, er möchte der „King of Entertainment“ sein. Eine große Herausforderung, der er sich stellt – und die er in seinem rund 135-minütigen Konzert mehr als erfüllt.

Denn wie eine abwechslungsreiche, mitreißende und eindrucksvolle Show geht, das weiß der Brite absolut und zieht alle Register: Cover-Medleys, ein Gag-Feuerwerk, einige Background-Tänzerinnen, ein Gespräch mit seinem KI-generierten 17-jährigen Ich, reichlich Spitzen gegen Coldplay und eine grandiose Live-Band, die zusätzlich mit einem fantastischen Live-Sound gesegnet ist. Dazu kommt die vielleicht wichtigste Zutat des Abends: Eine Vielzahl an Hits aus Williams knapp 30-jähriger Karriere. Selbst wenn man die etwas hohe Dichte an Cover-Songs durchaus kritisieren kann, spielt er abzüglich einiger Medleys immer noch 15 eigene Songs in voller Länge. Und wie! Seine Stimme glänzt, die Töne sitzen und die körperliche Verfassung ist herausragend. Trotz einer Erkältung: Der Sänger ist in Topform!

Und doch steht da ein reflektierter, geläuterter Robbie, der zwar immer wieder mit einem überhöhten Egoismus spielt („Am I Coldplay-big in Germany? I think I am!“), aber schlussendlich längst in seiner selbstironischen Phase gelandet ist. Angenehm ehrlich ist er mittlerweile auf der Bühne, schwärmt von Frau und Kindern („They didn’t save the popstar, they saved the person“), erzählt von seinen erkrankten Eltern und dass er gelernt hat, den Moment zu genießen und nicht mehr nur ängstlich nach vorne zu sehen. Was schnell zu einem privilegierten Monolog hätte werden können, geht bei ihm dank Charisma, Charme und Humor direkt ins Herz. Es ist schlichtweg eindrucksvoll, dass Robbie Williams mit 51 Jahren sein wohl bisher bestes Konzert in München gespielt hat – und das mit bereits einigen starken Auftritten im Rücken. Da wird man schnell wehmütig, als es mit den Zugaben „Feel“ und „Angels“ zu Ende geht. „Angels“, scherzt Williams, sei ja „sowas wie die Nationalhymne des Oktoberfests“. Ganz unrecht hat er damit sicher nicht – dort wird man sein Lied garantiert nicht nur einmal wieder hören. Chapeau für einen großen Abend!

Setlist: Rocket / Let Me Entertain You / Cover-Medley / Monsoon / Rock DJ / Love My Life / Strong / The Road To Mandalay / Supreme / Relight My Fire (Dan Hartman cover) / Something Beautiful / Millennium / Theme From New York, New York (John Kander cover) / Spies / Kids / Cover-Medley / She’s The One (World Party cover) / My Way (Claude François cover)Zugaben: Feel / Angels

Bericht: Ludwig Stadler

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