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Alles brennt – 6euroneunzig in der Roten Sonne (Bericht)

Pünktlich um 20 Uhr betreten 6euroneunzig am 10.04. die Bühne der Roten Sonne, und damit die kleinste Venue ihrer aktuellen Tour. Dass der Club deutlich intimer ist als viele andere Stops, merkt man allerdings kaum. Die Stimmung im Raum ist vom ersten Moment an da, dicht und erwartungsvoll, als hätte sich das Publikum genau für diesen Abend eingeschworen. 

Nina und Kat, die beiden Gesichter von 6euroneunzig verschwenden keine Zeit mit großem Aufbau: Schon früh machen sie einen kurzen Abstecher in die Menge, holen sich die Energie direkt aus dem Publikum und lassen die Distanz zwischen Bühne und Dancefloor verschwinden. Der Frauenanteil ist hoch, die Altersstruktur überraschend gemischt, insgesamt stehen mehr Männer im Raum, als man vielleicht erwartet hätte. Trotzdem ist schnell klar, wer hier den Ton angibt: In der Mitte des Clubs bildet sich ein FLINTA*-Moshpit, begleitet von deutlichen Ansagen gegen Faschismus und Antifeminismus. Die Welt heilt ein Stück weit an diesem Abend.

Foto: Ben Otto Hoffmann

Musikalisch steht der Abend im Zeichen ihres aktuellen Albums „Fotzen an die Macht“. Das Material wirkt live genauso kompromisslos wie auf Platte: roh, tanzbar und politisch aufgeladen. Während frühere Releases wie Slutalarm noch stärker mit ironischer Party-Attitüde gespielt haben, wirkt das neue Material deutlich geschlossener und dringlicher. Die Tracks funktionieren im Club als kollektives Ventil: wütend, hedonistisch und gleichzeitig erstaunlich klar in ihrer Haltung.

Allerdings läuft technisch nicht alles rund. Im Laufe des Konzerts versagt die Soundtechnik nahezu komplett: Die In-Ear-Monitore fallen aus, der Bühnenmix bricht zeitweise weg. Was für manche Acts zum Abbruch führen würde, wird von 6euroneunzig bemerkenswert souverän überspielt. Fast das gesamte Set spielen sie ohne In-Ears weiter, orientieren sich sichtbar aneinander und an der Crowd. Dass der Abend trotzdem nicht auseinanderfällt, liegt an ihrer Bühnenroutine und an einem Publikum, das jede Lücke mit Energie füllt.

Immer wieder entstehen kleine Fan-Momente und spontane Mitmachaktionen, die den Abend eher wie eine kollektive Eskalation als wie ein klassisches Konzert wirken lassen. Es entstehen gemeinsame Tanzchoeros, mehrfach werden Fans auf die Bühne geholt und mit Merchadise belohnt. So wird das Konzert in der Roten Sonne weniger zur perfekt durchinszenierten Show als zu etwas Rohem, Unmittelbarem. Zwischen technischen Ausfällen, spontanen Crowd-Momenten und politisch klaren Ansagen entsteht ein Abend, der sich eher wie ein gemeinsamer Ausnahmezustand anfühlt als wie ein klassischer Tourstopp.

Setlist: Fotzen an die Macht / Nackt für dich / Böses Mädchen / Hexe / Slutalarm / Swarovski / Sommer, Sex, Strippen / Scheiße am Schuh / Sommer Strand Meer / Stalker Alert / Queen / Hoe Hoe Hoe / BWL Justus / Wenn ich will / Pussypop / Zur Party / Tittentraining / Halts Maul / No Rizz no fun / Alles brennt

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