Auf turbulenter Zeitreise – „Zurück in die Zukunft – Das Musical“ in Hamburg (Bericht)
Mit der Veröffentlichung von „Zurück in die Zukunft“ im Jahr 1985 wurde fraglos eines der größten Kino-Franchises geboren. Zwei Fortsetzungen folgten in den nächsten Jahren, in die Popkultur ist die Geschichte rund um Marty McFly und Doc Brown unlängst eingegangen. Besonders auf solche IPs wirft immer wieder der Musical-Markt sein Auge, so auch dieses Mal: „Zurück in die Zukunft – Das Musical“ feierte kurz vor Pandemieausbruch 2020 Uraufführung in Manchester, bevor es von 2023 bis 2025 am Broadway in New York zu sehen war. Nun kommt die deutschsprachige Erstaufführung des Werks in das Stage Operettenhaus nach Hamburg. Premiere war am Sonntag, 22. März 2026.
Das Erlebnis beginnt schon vor dem eigentlichen Start im Saal: Futuristisch mit etlichen Pixel-Leuchtstäben ausgestattet, blinkt und funkelt schon alles reichlich im Voraus. Dass besonders die technischen Fertigkeiten eine außergewöhnliche Hauptrolle spielen könnten, erschließt sich recht schnell: Trotz des gemütlichen Anfangs mit kleinen Pyro-Effekten und ersten Songs gerät das Publikum und auch das Bühnengeschehen erst so richtig in Wallung, als der DeLorean auf der Bühne erscheint. Rund 450.000€ soll das Prachtstück auf der Bühne gekostet haben: Kein Wunder, bedenkt man, was das Auto im Laufe des Stücks alles leisten wird. Tatsächlich in die Zukunft fliegen wird er wohl aber nicht können.

In der Geschichte dagegen fliegt Marty vom Jahr 1985 ins Jahr 1955 und stolpert in die altbekannte Filmhandlung. Zum einen trifft er seine Eltern, verhindert versehentlich ihr erstes Kennenlernen und muss dieses Dilemma geradebiegen, zum anderen versucht er mit einer 30 Jahre jüngeren Version von Doc Brown und den beschränkteren Mitteln im Jahr 1955 irgendwie wieder zurückzukommen. Dazwischen reichlich Nebenhandlung: Rüpel Biff mit konsequenten Wortfehlern, der dauerpöbelnde Schulleiter und dann noch Bürgermeister Goldie Wilson, in 1955 noch ein Hilfsjunge mit großen Träumen. Langweilig wird es über die gesamte Laufzeit von knapp drei Stunden (inkl. Pause) in jedem Fall nicht.
Einen großen Anteil daran nimmt definitiv der Mittel- und Strahlpunkt des Musicals: Jan Kersjes als Doc Brown. Ähnlich wie im Film ist der Charakter ein humoristisches Feuerwerk und dementsprechend völlig überzeichnet spielt er den verschrobenen Entwickler, dem mit „Ein Hoch auf alle Träumer“ die wahrscheinlich schönste Ballade des Stücks zu Teil wird. Ob bei einer eskalativen Tanzsequenz zu Beginn des 2. Akts oder mit fast schon väterlich-unpassenden Ratschlägen – Kersjes mimt die Rolle grandios und wird zum Publikumsliebling. Dem kann Raphael Gross als Marty McFly nicht ganz das Wasser reichen: Zwar ist er sympathisch und charismatisch, den Loser zu Beginn nimmt man ihm aber nicht unbedingt ab und auch gesanglich ist er in den poppigen Musicalsongs deutlich besser aufgehoben als in den späteren Rock’n’Roll-Songs, die er nicht ganz ausfüllen kann. Hierzu gesellen sich Sandra Leitner als gesanglich starke Mutter Lorraine und der komödiantisch grandiose Terence van der Loo als Vater George. Besonderes Highlight: Hope Maine als Goldie Wilson mit einer intensiven, kräften Gesangsstimme.

Eigentlicher Hauptdarsteller: Die Technik. Wirklich alle Fertigkeiten der Licht-, Ton- und digitalen Technik werden eingesetzt, imposant zusammengefügt und sorgen immer wieder für Begeisterung und Erstaunen, was auf einer Bühne im Jahr 2026 alles möglich ist. Besonders der DeLorean darf tricktechnisch ordentlich aufführen und zum Ende hin völlig abheben – im wahrsten Sinne des Wortes. Das macht reichlich Freude beim Zusehen und wird über die gesamte Laufzeit nie langweilig. Blass dagegen bleibt die Musik. Gerade für ein Musical fehlen die obligatorischen, eindringlichen Ohrwürmer, die Songs bleiben nicht wirklich im Ohr. Zwar klingt es gut, angenehm und gefällig, doch schon beim Verlassen des Theaters hat man die Lieder wieder vergessen. Zum Glück kompensieren genug andere Faktoren das Problem, sodass es am Ende weniger stark ins Gewicht fällt.
Schlussendlich bleibt eine gelungene Bühnenadaption eines Filmklassikers, der mit technisch überragender Umsetzung, fetzigen Choreografien, einem bestens aufgelegten Cast und ordentlich Spieltempo überzeugt und unterhält. Auch wenn die Musik nicht die ganz großen Musicalhits beinhaltet, ist ein kurzweiliger und eindrucksvoller Musicalbesuch bei „Zurück in die Zukunft – Das Musical“ garantiert.
Bericht: Ludwig Stadler


