Geralt Of Rivia – The Witcher in Concert in der Olympiahalle (Bericht)
Kaum ein Konzertformat gewinnt derzeit so an Fahrt wie Orchester-Tourneen mit popkulturellem Hintergrund. Harry Potter und Herr der Ringe sind seit Jahren in ausverkauften Hallen unterwegs und mittlerweile springen immer mehr Franchises auf den Zug auf. So sind mittlerweile neben Filmproduktionen auch Anime- und Videospielsoundtracks mit orchestraler Untermalung auf Tour. Eines dieser Projekte ist The Witcher, allerdings nicht etwa mit Bezug zur Fan-Meinung spaltenden Netflix Serie, sondern ganz bewusst mit Fokus auf dem Spiel The Witcher 3: Wild Hunt, das vor etwa 10 Jahren auf den Markt gekommen ist und als eines der beliebtesten Videospiele aller Zeiten gilt. Am Mittwoch, 12. November 2025 gastiert die Produktion in der Olympiahalle München.
Die Olympiahalle wirkt auf den ersten Blick etwas groß angesetzt für eine Produktion, die trotz internationalem Erfolg des Franchise eher als Nischenthema kategorisiert wird. Dementsprechend überrascht wirken einige Fans kurz vor Beginn darüber, dass die (hinten abgehängte) Halle doch gut gefüllt wirkt. Mit leichter Verzögerung und kurzer Vorstellung der verschiedenen mitwirkenden Musiker und Organisatoren beginnt das Ensemble mit einem Speed-Run durch The Witcher 3. Zu Beginn wurde darum gebeten, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen und die Show nicht wie eine übliche Orchesterproduktion zu behandeln, was der erste Indikator dafür ist, dass das Konzert heute etwas informeller ablaufen wird.
Chronologisch werden essenzielle Teile des Soundtracks auf eindrucksvolle Weise musikalisch dargeboten und sind mit drei großen Videoscreens untermalt. Wo sich Fans der Reihe direkt in verschiedene Gefühlslagen zurückversetzt fühlen, ist auch für mit der Spielereihe weniger bewanderte Fans viel geboten. Mit einer unüblichen Besetzung für Orchester aus mittelalterlichen Instrumenten, herausstechenden Gesangselementen und sogar E-Gitarre und Schlagzeug zeigt sich bereits früh ein weiteres Alleinstellungsmerkmal. Die Videobegleitung beschränkt sich auf Ausschnitte aus dem Spiel und hätte nach zehn Jahren vielleicht eine kleine grafische Aufbereitung vertragen können, der Stimmung tut dies jedoch keinen Abbruch. Nach etwa einer Stunde gibt es eine leicht verlängerte Intermission.

Das mit den in der Klassik üblichen Gongschlägen vor Wiederbeginn des Konzertes muss die Olympiahalle noch üben, diese kamen völlig wahllos und in keiner Relation zum zweiten Teil der Veranstaltung. Entsprechend überpünktlich sitzt das Publikum bereits 15 Minuten vorher auf ihren Plätzen. Der zweite Teil ist identisch gestaltet und befasst sich, wie zu erwarten, mit dem späteren Spielinhalt und den Zusatzinhalten (DLCs) des Spiels, die stilistisch nochmals in sehr unterschiedliche Richtungen abweichen und daraus resultierend den zweiten Teil nochmals abwechslungsreicher machen.
Als Zugabe gibt es die ersten Stücke aus dem für 2026 angekündigten Folgeteil The Witcher 4, die vom dazu passenden Trailer visuell unterstützt sind. Gleichzeitig zeigt es aber mit der doch deutlich besseren Grafik auf der Videoleinwand, was möglicherweise für die Ausschnitte aus Witcher 3 möglich gewesen wäre. Spoiler oder bisher unbekannte Einblicke in das kommende Videospiel gibt es nicht, dennoch trifft dieser zusätzliche Exkurs erneut auf tosenden Applaus.
Das Hinzuziehen der originalen Komponisten und der Folk-Band Percival, die ebenfalls am Einspielen des originalen Soundtracks große Anteile hatte, macht The Witcher in Concert zu einer der authentischsten Konzertumsetzungen seiner Art und hebt sie deutlich von inoffiziellen Produktionen ab. Mit einer Laufzeit von etwa zwei Stunden mit zwischenzeitlicher Pause füllt es den Abend hervorragend. Alles in Allem könnte man die Produktion in vielerlei Hinblick fast als Blaupause für ähnliche Unterfangen hernehmen, auf seine Kosten ist man an diesem Abend definitiv gekommen.
Bericht: Luka Schwarzlose


