Konzerte,  Metal & Rock

Heavy Is The Crown – Rock im Park 2026 (Festivalbericht)

Here we go again: Rock im Park lädt zur Ausgabe Nr. 31 und kann zugleich so früh wie nie zuvor auf einen Ausverkauf blicken. Das liegt sicherlich auch am Line-Up, denn allein die Headliner-Riege ist mit Linkin Park, Iron Maiden, Limp Bizkit, Volbeat, Bad Omens, Sabaton und Papa Roach extrem hochwertig besetzt. Auch sonst präsentiert sich das Festival internationaler und rocklastiger wie lange nicht mehr, nur sehr wenige genrefremde oder gar deutsche Bands sind Teil des Line-Ups. Alles zusammen hat jedenfalls bestens funktioniert, denn Rock im Park 2026 vom 5.-7. Juni auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg steht unter besten Vorzeichen, als die rund 80.000 Fans anreisen.

© Josefina Gerstner

Tag 1 – Freitag, 5. Juni 2026

Während das Schwesterfestival Rock am Ring direkt mit Linkin Park und dem Festival-Highlight, steht das dem Park erst als Abschluss am Sonntag bevor. Der erste Festivaltag sagt einiges an Regen voraus, am Ende ist es nur leichter und kurzer Regen, sodass die Stimmung durchgehend recht gut bleibt. Deutlich wird dennoch: Durch die in diesem Jahr wegfallende vierte Bühne sind noch einmal etwas mehr Menschen unterwegs. Das zeigt sich bereits bei den ersten zwei Acts auf der Utopia Stage: Ecca Vandal und The Pretty Reckless. Zwar könnten beide Bands kaum unterschiedlicher sein, aber sowohl die Sängerin aus Sri Lanka als auch die Band um Taylor Momsen sind in aller Munde und sorgen für großes Interesse. Nebenan auf der Mandora Stage, der zweitgrößten Bühne des Festivals, liefern Paleface Swiss ordentlich lautstarke Core-Musik im Stil von Slipknot ab. Das scheint vielen zu gefallen, gerade die Fans der härteren Metal-Musik sind zahlreich anwesend.

Insgesamt hat Rock im Park in diesem Jahr einen deutlichen NuMetal- und Alternative Metal-Einschlag, nachdem man im vergangenen Jahr stärker auf Core gesetzt hatte. Passend also, dass Tom Morello mit seiner Band Songs seiner Solokarriere wie auch von Rage Against The Machine spielt – eine der musikalischen Urgesteine des Crossover und NuMetal. Da kommen die Kanadier von Three Days Grace als Folgekandidaten genau richtig. Seit der Reunion mit Frontmann Adam Gontier und der Entscheidung, dennoch den Sänger Matt Walst, der seit 2013 das Mikrofon übernommen hatte, zu halten, ist ihnen eine einzigartige Kombination gelungen, die zurecht für Begeisterungsstürme sorgt. Auf der Mandora Stage gibt es zeitgleich reichlich Core: Bury Tomorrow bleiben recht klassisch, während Landmvrks mit französischem Rap und Graffiti-Einlagen für ein paar Überraschungen sorgen. In puncto Live-Qualität liefern in jedem Fall alle Bands ab.

© Josefina Gerstner

Die Orbit Stage, traditionell in der PSD Bank Nürnberg Arena untergebracht, präsentiert derweil einen wilden Mix aus Metal und Rock: The Subways, Wargasm, Dying Wish, High Vis. Headliner des Tages übernehmen Thornhill und Basement, bevor Palaye Royale und H-Blockx die Bühne schließen. Deutlich früher kommt schon eine bedenkliche Überschneidung auf den beiden großen Bühnen zustande: Electric Callboy auf der Utopia, Ice Nine Kills auf der Mandora. An sich verfolgen beide natürlich einen komplett anderen Ansatz ihrer Core-Musik (Electric Callboy mit Fokus auf Dance, Electro und Party, Ice Nine Kills auf Theatralik, Schnelligkeit und düsterer Show), dennoch stehen beide Bands oben auf dem Zettel vieler Besucher*innen. Kein Wunder also, dass die Stages zeitweise überlaufen sind.

Beim Tages-Headliner ist die Sache schon deutlicher: Volbeat auf der Utopia ist bestens gefüllt, während Materia mit seinem Deutschrap auf der Mandora noch einiges an Luft bietet. Viele Fans überdauern allerdings auch nur die Zeit dort, denn nach Marteria spielt niemand geringeres als Bad Omens eine spektakuläre Headliner-Show zu später Stunde um 23:30 Uhr. Die Bühne ist wie zu erwarten brechend gefüllt, dennoch ist der Andrang gar nicht so stark wie befürchtet. Vielleicht haben doch einige im Blick, dass noch zwei lange Tage folgen werden und wandern schon ein wenig früher zurück zum Zelt.

Tag 2 – Samstag, 6. Juni 2026

© Josefina Gerstner

Neuer Tag, neues Glück! Von den im Vorfeld abermals prognostiziertem Regen wird es am Ende lediglich einen kurzen Schauer gegen 19 Uhr geben, ansonsten bleibt der Tag trocken, warm und zumeist sonnig. Dementsprechend lassen sich die Park-Besucher Zeit, bei den ersten Bands Bad Nerves, Mouth Culture, Return To Dust und Blood Incantation ist noch recht wenig los, lediglich zu Black Veil Brides an der Utopia zieht es die ersten Menschenmengen, sind die Amerikaner rund um Frontmann Andy Black doch seltene Gäste in Deutschland. Das gilt zwar für Hollywood Undead nicht, aber auch die Crossover-Band zieht beachtliche Mengen an. Zeitgleich gibt es an der Mandora Stage indischen Metal mit Bloodywood. Für die Hartgesottenen wartet auf der Orbit Stage Boundaries: Beatdown und Deathcore. Nun dürfte wirklich jeder wach sein!

Die exklusivste Band des Festivals dürfte allerdings Breaking Benjamin sein, die um 16:45 Uhr auf der Mandora Stage ihren Auftritt beginnen. Vor neun Jahren waren sie zuletzt in Deutschland, da Sänger Ben Burnley weiterhin Flugangst hat und nur mit einer einwöchigen Bootsfahrt von USA nach Europa reisen kann. Wie schön, dass sie es nach langer Zeit wieder einmal gewagt haben, Ben und die Band präsentieren sich in absoluter Bestform. Passend dazu platzt die Bühne aus allen Nähten, aber wohl auch, da das Alternativprogramm Pöbel-Techno von Finch, ehemals Finch Asozial, auf der Utopia Stage ist. Naja.

© Josefina Gerstner

Es folgt eine wilde Punk-Intermission: The Offspring auf der Utopia Stage und Social Distortion auf der Mandora Stage! Ordentlich Legendenalarm ist hier geboten, da können die Special Interest-Buchungen wie TesseracT auf der Orbit kaum mithalten. Vielleicht aber bei President, denn die maskierte Band ist seit rund einem Jahr stark im Hype. Entscheidet man sich allerdings dafür, hieße das, Alter Bridge zu verpassen. Und wer will das Dreamteam aus Myles Kennedy und Mark Tremonti schon missen? Routiniert, aber spielerisch hochwertig geben sie wieder ihr Bestes.

Der Tages-Headliner ist noch einmal eine ganz andere Größenordnung: Iron Maiden! Die britischen Heavy-Metal-Legenden bekommen ganze 140 Minuten Spielzeit und bringen ihre „Run For Your Lives“-Tour vollumfassend auf die Utopia Stage. Maiden sind immer eine Bank – so auch dieses Mal. Alternativprogramm ist A Perfect Circle auf der Mandora Stage, das Zweitprojekt von Tool-Sänger Maynard James Keenan. Auch wenn es hier spielerisch nichts auszusetzen gibt, fehlt hier Geschwindigkeit oder Abwechslung. Die gibt es dann immerhin mit dem Mandora-Headliner: Sabaton. 100 Minuten bekommt die schwedische Power-Metal-Fraktion und schickt die Menge freudig ins Bett. Wer noch nicht genug hatte, kann auf der Orbit Stage noch bis 2 Uhr Bands lauschen: Beatdown mit Kublai Khan TX und Ska-Punk mit Sondaschule. What a day!

Tag 3 – Sonntag, 7. Juni 2026

© Josefina Gerstner

Nach zwei vollen Tagen mit bereits überraschend vielen musikalischen Highlights mögen die Kräfte bereits langsam nachlassen, aber zum letzten Festivaltag werden noch einmal alle Reserven aktiviert. Ganz besonders auch im Hinblick auf die Headlinerspitze: Linkin Park, Papa Roach und Limp Bizkit. Den Tag eröffnen darf auf der Utopia Stage aber erst einmal die Campingplatz-Band schlechthin: Mehnersmoos. Es ist eine kluge Entscheidung, das Rap-Duo bereits zu Beginn spielen zu lassen – wenngleich ihre Größe einen späteren Slot erlauben würde –, so ist das Infield schon gegen 13:30 Uhr ordentlich gefüllt. Die Frankfurter lassen sich nicht lumpen, es gibt Hits wie „3 Bier“, „BIR“, „Nachteule“ oder „3 Uhr nachts“. Nebenan auf der Mandora Stage spielen derweil We Came As Romans, die in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Popularitätsschub bekommen haben.

© Josefina Gerstner

So ist man bereits mittendrin im dritten Festivaltag, der mit einem starken NuMetal- und Core-Fokus aufwartet. Angenehme Gegensätze bieten da auf der Utopia die Grunge-Band Bush, die leider musikalisch wenig überzeugen kann, und auf der Mandora Stage die Progressive-Metal-Band Mastodon. Eines der Tageshighlights sind The Hives, die bereits seit über 30 Jahren eine unermessliche Energie auf die Bühne bringen. Auch mit ihrem siebten Album „The Hives Forever Forever The Hives“ bieten die Schweden schnelle Riffs, treibendes Schlagzeug, humorvolle Ansagen und eine überragende Performance. Da können The Plot In You auf der Mandora Stage kaum mithalten: Auch wenn ihre Musik und ihre Feuershow unterhalten können, bleibt ihr Auftritt energie- und kraftlos. Bei dem dauerhaften Touring-Schedule der Band ist das auch wenig verwunderlich. Kleine Perle dagegen auf der Orbit Stage: Don Broco bringen pure Energie, mitreißende Musik und reichlich Spielfreude in die Arena.

© Josefina Gerstner

Zunehmend fallen die Entscheidungen schwerer, für welche Band man sich denn nun entscheiden solle. Es beginnt mit Architects auf der Utopia und Within Temptation auf der Mandora. Während Erstgenannte seit Jahren Dauergäste auf Festivals und deutschen Bühnen sind und ihr zurecht erspieltes Renommee auskosten wollen, sind Within Temptation das erste Mal seit 21 (!) Jahren wieder bei Rock im Park zu erleben. Die Symphonic-Metal-Band untermauert diese Rückkehr sogar noch mit einem Live-Feature auf der Bühne: Jacoby Shaddix, Sänger von Papa Roach, singt ihren gemeinsamen Hit „The Reckoning“, nur rund eine Stunde vor seiner eigentlichen Stagetime. Was für ein schönes Erlebnis! Das hält Papa Roach nicht davon ab, in ihrer eigenen 75-minütigen Show auf der Utopia Vollgas zu geben und mit irrsinniger Spielfreude und einem grandiosen Katalog an Songs die Menge mitzureißen, die nicht nur auf Linkin Park wartend dort steht, sondern genrespezifisch sicherlich auch Papa Roach sehen wollte. Wer es etwas klassischer und metallischer möchte, ist bei Trivium auf der Mandora Stage gut bedient. Die Band rund um Sänger Matt Heafy hat längst Kultstatus erlangt und füllt diesen mit einer fantastischen Best-of-Setlist inklusive reichlich Feuer- und Lichtshow bestens aus. Chapeau!

© Josefina Gerstner

Fragloses Highlight und zugleich vergangenes Jahr bereits angekündigte Band dürfte allerdings Linkin Park sein. Die Utopia Stage ist rappelvoll, als um 21:30 Uhr die amerikanische NuMetal-Band ihre Show und eine Setlist mit reichlich alten, aber auch genügend neuen Klassikern beginnt. Nach einer anfänglichen Aufwärmphase scheint der Funke dann doch noch überzuspringen. Deutlich schneller begeistern dagegen Babymetal, die zum gleichen Zeitpunkt auf der Mandora Stage ihren Auftritt beginnen. Wäre die japanische Metal-Sensation nicht zeitgleich zu Linkin Park, die Bühne wäre wohl wegen Überfüllung geschlossen, so hat man doch relative viel Luft und Platz zum Mitmachen. Wer sich zudem für J-Metal und gegen Linkin Park entschieden hat, steht bereits vorne für den abschließenden Headliner des Festivals: Limp Bizkit. Fred Durst, Wes Borland, John Otto und DJ Lethal machen den Sack zu und liefern eine letzte, nostalgische NuMetal-Show, bevor die Massen gegen 1 Uhr erst zum Campingplatz und am nächsten Morgen zurück nach Hause wandern. Was für ein schönes Festivaljahr!

Rock im Park 2027 findet vom 4. bis 6. Juni 2027 statt. Der erste Headliner ist bereits bekannt: blink-182!

TICKETS gibt es HIER!

© Josefina Gerstner

Bericht: Ludwig Stadler
Fotos: Josefina Gerstner

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