Konzerte,  Metal & Rock

Here To Stay – KoRn in der Olympiahalle (Bericht)

Es bedarf keiner Diskussion, dass KoRn zu den bedeutendsten Metal-Bands unserer Zeit zählen. Als ihr selbstbetiteltes Debüt 1994 erschien, hat es eine Soundgewalt auf die Menge losgelassen, wie es bisher noch nie gehört wurde. Das Genre NuMetal haben sie maßgeblich mitbegründet, wahrscheinlich sogar erschaffen. Dennoch war es überraschend, dass man sich nun erstmals auf eine ausgedehnte Arena-Tour begibt: Haben Sie das Format und die Größe, die ganz großen Hallen des Landes auszufüllen? Zumindest beim Vorverkauf musste man sich keine Gedanken machen, was sicherlich auch an Special Guest Architects liegt. Ihr Konzert am 19. Oktober 2026 in der Olympiahalle München ist ausverkauft.

Um 19:30 Uhr wird es aber erst einmal elektronisch: Youth Code eröffnen den Abend. Das amerikanische Duo besteht lediglich aus DJ (Ryan George) und Gesang (Sara Taylor), allerdings ist ihre EBM-Musik dermaßen hart und aggressiv, dass es kaum einen Unterschied zum Härtegrad der kommenden Bands macht. Rund 30 Minuten fetzt Taylor über die Bühne und heizt die Menge an, die aber noch etwas träge reagiert. Vielleicht auch Montagsmüdigkeit.

© Josefina Gerstner

Um 20:20 Uhr verdunkelt sich die Halle abermals. Dass Architects lediglich als Support auf einer Arena-Tour agieren, verwunderte doch ein wenig bei der Ankündigung, haben sie doch unlängst selbst Hallen mit Kapazitäten bis 10.000 Personen ausverkauft. Vielleicht ist das aber auch der Grund, wieso die Olympiahalle restlos ausverkauft ist, zumindest ist die Stimmung bereits beim Opener „Doomsday“ bestens. Sänger Sam Carter hat erst vor wenigen Tagen auf Instagram geteilt, wie sehr er unter der Kritik zu seiner Stimme leidet. In einer sehr ehrlichen Ansage, zitternd und unter Tränen, beschreibt er auf der Bühne, dass er gerade mit Angststörung und extremer Furcht auf der Bühne steht. Wie er sich trotzdem in dieser Phase, mit Medikation und extrem viel Mut, auf die Bühne von Arenen stellt und genau das macht, was diese Angst erst ausgelöst hat, verdient größten Respekt. Ein beeindruckender und intensiver Auftritt

Setlist: Whiplash / when we were young / Curse / Doomsday / Broken Mirror / Animals / deep fake / Everythings Ends / Seeing Red / Machine

Nachdem KoRn die deutschen Gefilde zeitweise nur sehr selten besucht haben, sind sie seit ein paar Jahren nicht mehr wegzudenken vom fleißigen Konzertieren, auch wenn es meistens Festivals und Off-Shows sind. Nun spielen sie die erste reine Headliner-Tour seit 2017, ohne neues Album, aber dafür mit größerer Produktion mit riesigen Screen-Wänden, einem mächtigen und etwas unentschlossenem Bühnen-Schwebeelement und reichlich Nostalgie-Faktor. Der setzt schon beim Opener „It’s On!“ ein: Wuchtiger Sound, rasende Lichter und eine langsam erwachende Menge. Die anfängliche Montagsmüdigkeit bleibt noch einige Zeit bestehen, aber gegen Mitte des Abends, etwa ab „Coming Undone“, lockert sich die stehende Menge dann doch etwas auf.

© Velvet Hammer

Dabei konnte man noch letztes Jahr recht kritisch auf die Besetzung als Festival-Headliner sehen: Wie genau sollen sie mit ihrem seit Jahrzehnten kaum veränderten Stil die ganz großen Festivalbühnen anführen? Und tatsächlich hat es 2025 noch etwas geholpert, auch die Arenen waren noch nicht so ganz bereits für sie, aber nun zeigt sich deutlich, wie sehr die Zeit für KoRn gekommen ist. Spielerisch astrein, besteht die Setlist aus den üblichen Songs, die auch die vergangenen Jahre, teils Jahrzehnte, aufgelistet waren, wenngleich ein paar länger nicht mehr gehörte Perlen wie „Chi“ und „Kill You“ zum Jubiläum des zweiten Albums „Life Is Peachy“ ihren Weg in den Abend finden. Songs ihres härteren, aber beachtlichen Spätwerks gibt es kaum, nur zwei Lieder der vergangenen 20 Jahre stehen auf dem Plan. Das Konzertrad erfinden sie sicherlich nicht neu auf ihrer 2026er-Tour, aber den zu erwartenden NuMetal-Abend mit satten Gitarren und großen Melodien bieten sie auch im Jahr 2026 allemal. Chapeau!

Setlist: It’s On! / Here To Stay / Reward The Scars / Got The Life / Rotting In Vain / Twist / Chi / A.D.I.D.A.S. / Kill You / Shoots And Ladders / Coming Undone / Did My Time / Make Me Bad / Trash / Y’All Want A Single – Zugaben: Falling Away From Me / Blind / Twisted Transistor / Freak On A Leash

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