Erde und Wasser gegen Feuer – „Avatar: Fire and Ash“ in der Filmkritik
Die Reise durch Pandora geht weiter! Nachdem der 2009 erschienene, erste Teil von „Avatar“ bis heute der erfolgreichste Film aller Zeiten ist, folgte mit einer beachtlichen Wartezeit von 13 Jahren „Avatar: The Way Of Water“ im Jahr 2022, der auf Platz 3 der erfolgreichsten Filme aller Zeite rangiert. Dass es weitere Teile gibt, die die Welt der Na’vi erforschen, wurde bereits angekündigt, nun folgt seit dem 17. Dezember 2025 der dritte Teil „Avatar: Fire and Ash“.

Wie der Titel schon vermuten lässt, lernen wir nach der intensiven Einführung des Wasservolks nun intensiv das Feuervolk kennen, die passend zum gefährlichen Element eine Antagonisten-Rolle einnehmen. Dreh- und Angelpunkt in diesem Teil ist Menschenkind Spider, der als Sohn des Cornell, aber unter Obhut der Na’vi lebt. Die Problematik, wie und ob er langfristig auf Pandora leben kann, lässt die altbekannte Familie auf Reisen gehen, zusätzlich kommen Bedrohungen vom Militärstutzpunkt der Menschen, und der Dauer-Bösewicht Cornell Quaritch spielt währenddessen im Na’vi-Körper sein eigenes Spiel.
Schlussendlich ist die gesamte Storyline recht platt und stumpf, lediglich manche Entscheidungen erlauben ein wenig Tiefgang. Die beachtliche Laufzeit von knapp 200 Minuten konzentriert sich vor allem auf die Stärken der Vorgänger: das Worldbuilding und die Beziehung zu den Charakteren. Schon recht am Anfang zeigt sich, wie der Tod von Jake Sullys Sohn die Familie intensiv belastet und sie in vielerlei Hinsicht zur Zerbrechlichkeit tendiert. Viele Verhältnisse sind angeschlagen, die starke düstere Thematik überrascht und hebt sich deutlich von der Leichtigkeit ab, die der zweite Teil zu vielen Momenten noch transportiert hat. Dennoch versteht sich der dritte Teil hier eher als direkte Fortsetzung des Vorgängers – die gleichen Charaktere stehen im Fokus, neue werden kaum eingeführt, die Geschehnisse und Storylines schließen exakt an. Es ist wohl eher ratsam, sich den zweiten Teil im Voraus anzusehen, als den Ursprungsfilm, der erstmals in die Welt von Pandora mitgenommen hat.

Was allerdings abermals begeistert und überzeugt, sind die beeindruckenden Visuals und die technischen Fertigkeiten und Möglichkeiten, die „Avatar: Fire and Ash“ in der größtmöglichen Art und Weise ausspielt. Den Ruf, als vielleicht einzige Filmreihe einen tatsächlichen Mehrwert bei 3D zu bieten, wird auch der dritte Teil der Reihe gerecht, besonders in den Sequenzen unter Wasser, die tricktechnisch beachtlich wirken. Eine schöne neue Einführung sind die Ältesten der Tulkun, bei deren Tribunale die Magie auf der Kino-Leinwand zu spüren ist. Und auch die finale Endschlacht, deren Einführung und Zusammensetzung vielleicht etwas zu hastig kommt für einen Film dieser Länge, kann tricktechnisch fraglos überzeugen. Viele neue Aspekte oder Aha-Erlebnisse bietet der Film aber nicht, gerade in Hinblick auf seine beiden Vorgänger.
Vielleicht treten genau deswegen die Schwächen in den Vordergrund: Die Dialoge sind oft schablonenhaft und stumpf, die Szenenschnitte manchmal hektisch und zu kontextlos, etliche Figuren bleiben eindimensional und schablonenhaft, bekommen dafür aber zu viel Screentime. Wieso man mittlerweile den dritten Film mit dem gleichen Gegenspieler bestreitet, dessen Tod zwar in jedem Film aufs Neue vermutet wird, aber am Ende sich doch wieder als nichtig herausstellt, bleibt fraglich. Überraschend intensiv wird dagegen die Trauer der Charaktere um Sullys Sohn dargestellt – wie ein düsterer Schleier liegt er stets über dem Verhältnis aller Personen zueinander. Das lässt den gesamten Film erwachsener und gereifter wirken, dennoch zeigt sich das kaum in den Entscheidungen der Charaktere. Nichtsdestotrotz: „Avatar: Fire and Ash“ ist ein Spektakel, das die Geschichte des zweiten Teils konsequent weitererzählt und besonders im Kino seine Magie entfalten kann. Stärker als bisher zuvor ist das Material aber auf den Kinosaal angewiesen – was am heimischen Fernseher übrigbleibt, ist ausbaufähig.


