Konzerte,  Metal & Rock

Tested And Able – Alter Bridge im Zenith (Bericht)

Das musikalische Aushängeschild des modernen Rock ist zurück in München: Alter Bridge. Die aus den damals aufgelösten Creed hervorgegangene Supergroup, der sich Sänger Myles Kennedy angeschlossen hat, ist unlängst zu einer beliebten Adresse für wuchtige Riffs und große Melodien geworden, was nicht zuletzt an ihrem konstant guten Output liegt. Das trifft auch auf ihr neuestes, selbstbetiteltes Album zu. Nun kommen sie auf Europa-Tour und beehren dabei auch am 20. Februar 2026 das Zenith München. Dass die Halle restlos ausverkauft ist, liegt sicher auch am starken Vorprogramm: Daughtry und Sevendust.

© Chuck Brückmann

Bereits um 18:55 Uhr starten Sevendust in den Abend und verlängern damit ihr Set um einen Song. Selbst das ist nicht genug, denn tatsächlich markiert dieses Konzert ihren ersten Auftritt in München seit 27 (!) Jahren. Wie lange sie nicht hier gewesen sind, ist ihnen selbst klar und sprechen es mehrfach an – immer wieder mit dem Versprechen, nun mit neuem Team häufiger nach Europa zu kommen. Darauf kann man nur hoffen, denn ihre Performance sprüht vor Energie und purer Freude. Dass die Herren bereits in ihren 50ern sind, merkt man ihnen nicht eine Sekunde an, stattdessen spielen und singen sie sich durch unlängst zu Klassikern gewordenen Songs wie „Denial“ und „Face To Face“, haben aber auch die grandiose Single „Is This The Real You“ ihres kommenden, 15. Albums „One“ dabei. Schade, dass es bereits nach 35 Minuten vorbei ist. Was für ein beeindruckender Auftritt!

Setlist: Black / Denial / Is This The Real You / Enemy / Praise / Crucified / Face To Face

Der letzte München-Besuch von Daughtry liegt ebenfalls etwas zurück, zuletzt waren die Amerikaner 2014 im Backstage zu Gast. Höchste Zeit also für ein Wiedersehen, als um 19:50 Uhr mit einem Dreierblock aus Songs des neuesten Albums „Shock To The System“ losgelegt wird. Deutlich inszenierter und kalkulierter als Sevendust treten die fünf Musiker auf, im Fokus Frontmann Chris Daughtry, der scheinbar mühelos stimmlich in beachtliche Höhen hervordringt. Leider bleibt das Bühnengeschehen kalt und unnahbar, sonderlich sympathisch oder gar persönlich wirkt der Auftritt nicht, mehr wie Dienst nach Vorschrift. Etwas hervorstechen können immerhin das starke „Pieces“ und die beiden Rock-Radio-Hits „It’s Not Over“ und „Over You“, die mittlerweile auch rund 20 Jahre alt sind.

Setlist: Divided / The Bottom / The Day I Die / Separate Ways (Worlds Apart) (Journey cover) / It’s Not Over / Antidote / The Dam / Pieces / Over You / Heavy Is The Crown / Artificial

© Chuck Brückmann

Um 21:15 Uhr verdunkelt sich die Halle ein letztes Mal, um die Headliner des Abends zu begrüßen: Alter Bridge. Haben sie bei ihren letzten Gastspielen 2019 und 2022 das Zenith nur teilweise gefüllt, ist ihnen dieses Mal der Ausverkauf gelungen, was nicht zuletzt für die immer noch wachsende Popularität der Gruppe spricht. Über den Vorwurf, es wäre lediglich Creed ohne Scott Stapp, sind die Musiker längst hinaus, stattdessen hat sich besonders das Duo aus Myles Kennedy und Mark Tremonti als kreatives Wunderwerk erwiesen. Schon ihr Vorgänger-Album „Pawns & Kings“ hat die Messlatte noch einmal höher gelegt, ihr aktuelles Werk steht dem kaum in irgendetwas nach. Leider finden lediglich zwei Songs davon den Weg in die Setlist, aber immerhin überwinden Alter Bridge ihr Händchen, stets die uninteressantesten Songs ihrer neuen Alben zu spielen und wählen die zwei wohl beachtlichsten Nummern aus: „Silent Divide“ als Opener und das monumentale „Tested And Able“.

Der sonstige Abend ist eher eine Nostalgie- und Repertoire-Show. Tremonti und Kennedy präsentieren sich trotz einer bereits langen und ausgedehnten Tour in absoluter Bestform, was von ihrer hübschen, aber auch nicht zu aufdringlichen Produktion aus Licht und Screens noch einmal untermalt wird. Viel Bewegung oder Energie kommt zwar nicht von der Bühne, aber dafür spielerische Raffinesse und zahlreiche Lieder, die man bestens kennt: „Addicted To Pain“, „Open Your Eyes“, „Rise Today“, „Metalingus“. Außerdem fallen gleich mehrere und fast zu viele ihrer besonders langen Lieder ins Programm: „Fortress“, „Cry of Achilles“, „Sin After Sin“ und als Zugabe natürlich „Blackbird“. Knapp 100 Minuten beehren Alter Bridge das Münchner Publikum, bevor sie unter Jubel die Bühne verlassen. Ein solides, aber doch ziemlich unscheinbares Gastspiel.

Setlist: Silent Divide / Addicted To Pain / Cry Of Achilles / What Lies Within / Fortress / Burn It Down / Open Your Eyes / Tested And Able / Broken Wings / Watch Over You / Silver Tongue / Rise Today / Metalingus – Zugaben: Blackbird / Isolation

Bericht: Ludwig Stadler

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