Death Metal Victory – Dark Easter Metal Meeting 2026
Alle Jahre wieder kommt es in München am Osterwochenende zu einem musikalischen Kontrastprogramm zur sonst vorherrschenden österlichen Besinnlichkeit. Das Backstage wird über zwei Tage auf drei Bühnen ins tiefste Schwarz getaucht und mittlerweile fast schon historisch zum Sammelpunkt von Extreme-Metal Fans aus der ganzen Welt. Als mittlerweile eines der, wenn nicht das größte indoor Black Metal Festival in Deutschland, ist das Dark Easter Metal Meeting auch am 4. & 5. April 2026 wieder, wenn auch später als sonst, ausverkauft.

Wie jedes Jahr fällt der Startschuss für das akribisch verteilte Lineup um 14:30 Uhr im Backstage Werk. Koldbrann fungiert an dieser Stelle wie die Autostarthilfe mit einem Kernreaktor, der wohl prominenteste Opener des Festivals sorgt auch direkt zum Beginn für ein mehr als gut gefülltes Werk. Ein knapp 50-minütiger Ausflug quer durch die Diskografie der Norweger mit leichtem Schwerpunkt auf ihrem letzten Album Ingen Skansel lässt wenig Wünsche offen, es wirkt fast so, als wären einige Anwesende mit der Schlagkraft direkt am Anfang noch überfordert.
Etwas weniger schlagkräftig geht es weiter im Club mit KYI, die frisch gegründete Band spielt vor gut gefülltem Club das übliche Dark Easter 50-Minuten Set, wirkt aber gleichzeitig so, als hätten sie eigentlich nur Material für 30 davon. Instrumental solide, Show-technisch adäquat und authentisch, aber mit Unsicherheit am Mikrofon und viel Füllmaterial vielleicht noch nicht ausgereift genug für die Bühne.
Ein absolutes Highlight des ersten Tages sind Urgehal, die im Anschluss im immer voller werdenden Werk das Jubiläum ihres Goatcraft Albums zelebrieren. Roh, stumpf und unverblümt wird das gesamte Album ohne Rücksicht auf Verluste dargeboten. Trotz des erst 20-jährigen Jubiläums ist der Status eines modernen Klassikers mehr als verdient. Wo im Lineup immer mehr experimentelle Subgenres ihren Platz suchen, gehen Urgehal mit vollem Erfolg zurück an die Wurzeln und sehen sich im Applaus bestätigt.
Weiter geht es mit Herrn Rotting Christ persönlich: Sakis Tolis bringt dieses Jahr solo den griechischen Black Metal in die Halle. Wie schon letztes Jahr sind die Konzerte in Halle und Club fast durch die Bank voll, so natürlich auch jetzt. Neben seinen Solo-Werken werden natürlich auch drei Rotting Christ Nummern gespielt, ein runder und durchweg gelungener Auftritt.
Zeitgleich bespielen Miserere Luminis den Club und liefern einen modernen, atmosphärischeren Sound. Die Kanadier sind erst zum zweiten Mal überhaupt in Deutschland live zu erleben und zeigen sich routiniert und, trotz viel Melancholie, sympathisch.
Ein im Vorfeld viel diskutiertes Booking sind die Schweden Vinterland. Ein seltener Live Act, ein ikonisches Album, aber entsprechend hoch ist der Druck, diesen Kult auf die Bühne zu bringen. Funktioniert es? Absolut. Wird der Auftritt den hohen Erwartungen gerecht? Zu etwa 90%. Gut unterhalten ist man sicherlich, es ist einer der besonderen Acts, die auch das Dark Easter Metal Meeting jährlich prägen, Mission erfüllt.
Eigentlich könnte man jetzt schon zufrieden an die Bar, aber wirklich Zeit für das Rahmenprogramm bleibt nicht, es geht weiter mit Audn in der Halle und Nornir im Club, wenn man sich nur zweiteilen könnte. In der Halle wird die schwarz weiße Schminke gegen Sakkos getauscht, soundtechnisch präsentieren sich die Isländer von Audn erstaunlich wenig atmosphärisch für eine Atmospheric Black Metal Band. Vielleicht liegt es an der Setlist, aber auch mit der Vorstellungsgesprächkluft überzeugen Audn nicht, der metaphorische Job geht im direkten Vergleich an Nornir, die zeitgleich den Club regelrecht abreißen. Wirklich viel Bewegungsfreiheit herrscht nicht, der Club ist, wie eigentlich fast durchgehend, stark überfüllt. Musikalisch zeigen sich Nornir als erwartungsgemäßes Highlight, traditionell gehaltener Black Metal aus Deutschland ohne viel Schnickschnack. Die Band um Frontfrau Lethian sah sich zuletzt in kurzweiliger politischer Kritik, mittlerweile gibt es eigentlich keine Black Metal Veranstaltung mehr ohne.
Keine Pause, keine Gnade, next up: Firespawn im Werk. Dieses Jahr steht das Dark Easter Metal Meeting vollkommen im Zeichen des schwedischen Death Metal. Bewusst inszeniert als ein Tribute an den verstorbenen Gründer der Band und Entombed Legende LG Petrov gibt es 50 Minuten puren Death Metal präsentiert von der neuformierten Supergroup. Ganz voll ist das Werk nicht, auch etwas Abwanderung ist gegen Ende spürbar, immerhin geht es auch in der Halle hochkarätig weiter.
Schammasch sind aufgrund einer sehr breiten Diskografie live immer für eine Überraschung gut. Heute ist ihre Setlist sehr progressiv und eher technisch orientiert, was zeitweise den Auftritt etwas zäh macht. Nichtsdestotrotz sehenswert, gerade für Fans von Avantgarde und etwas versierterem, anspruchsvollerem Black Metal. Mit TodoMal ist das Konkurrenzprogramm im Club zwar qualitativ hochwertig, aber genretechnisch ein gewagtes Booking.
Mit Blackbraid ist nun der erste Headliner des Abends an der Reihe. Die US-Black Metal Band ist derzeit mit einem ziemlich erfolgreichen Lauf gesegnet, ausverkaufte Shows und ein starker Hype um die Band bringt sie in Position, die „Altmeister“ des Genres in den Headliner Positionen langsam aber sicher abzulösen. Die Rechnung geht auf dem Dark Easter Metal Meeting auf, denn das Werk ist zu ihrem Set mitunter am vollsten. Zwar ist es einigen Gästen mittlerweile schon etwas zu „Mainstream“, aber genau darum geht es ja, Underground und Mainstream, alt und neu, atmosphärisch und stumpf sollten sich im besten Fall die Waage halten. Zwar ist das Ein-Mann Projekt erst 2022 gegründet, es bleibt an der objektiven Qualität und dem mittlerweile erreichten Status nach 75 Minuten aber kein Zweifel mehr.
Der Abschied von Secrets of the Moon ebenfalls im Jahr 2022 fiel vielen Fans schwer, doch der Sprung von einer Reunion für wenige ausgewählte Shows zu fast mehr Shows als vor ihrer Auflösung ist ebenfalls ein schwieriges Thema in einem Genre, das so viel Wert auf Authentizität legt. Ihr Auftritt in der Halle zwischen den Headlinern im Werk ist aufgrund ihres Kultstatus natürlich, wie sollte es heute anders sein, rappelvoll, der Auftritt selbst aber maximal durchschnittlich. Auch mit Schammasch Gastspiel und guter Setlist überzeugt die Band heute nur teilweise. Zeitgleich waren Hypnos im Club am Werk, die Blackened Death Band, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Speed Metal Band, allerdings auch hier kein musikalischer Home Run.
Als krönenden Abschluss sind heute Unleashed als zweiter Headliner an der Reihe, nach sieben Jahren Abstinenz sind die Schweden erstmals wieder in der Landeshauptstadt zu Gast. Startschuss kurz nach Mitternacht ist immer ein hartes Los für eine Band, denn der Alkoholkonsum, der beschränkte öffentliche Nahverkehr und die schiere Masse an Bands war für viele Anwesende bereits etwas zu viel. Dementsprechend ist das Werk nur mehr spärlich gefüllt und die Mitsingmotivation auf einem Tiefstand, der Auftritt von Unleashed aber dennoch ein weiteres Highlight. Durch ganze zehn Alben führt die Setlist und die, die durchgehalten haben, bekommen ein weiteres schwedisches Death Metal Spektakel zu sehen.

Ostersonntag, Tag 2! Wie sollte es anders sein: Gleich zu Beginn gibt es ein weiteres schwedisches Death Metal Highlight. LIK sind nicht zum ersten Mal auf dem Dark Easter Metal Meeting und ein gern gesehener Gast, dieses Jahr zum ersten Mal im großen Werk. Einschüchtern lassen tut sich die Band davon nicht, ab Minute eins wird aus allen Rohren gefeuert, ein schweres Riff nach dem anderen fegt über das erstaunlich volle Werk hinweg. LIK locken mit ihrer narrensicheren Death Metal Formel mit spürbaren Einflüssen von Größen wie Bloodbath selbst den verkatertsten Kuttenträger aus dem Hotel.
In der Halle beginnt der zweite Tag ähnlich kraftvoll, die deutsche Black Metal Band Thron sind nicht nur mehr als motiviert und sichtbar erfreut, auf dem DEMM zu sein, sondern liefern im Gegenzug auch eine wirklich starke Performance ab. Anfänglich von Soundproblemen geplagt, die aber schnell behoben sind, wird auch hier der frühe Vogel belohnt. Abwechslungsreiche Riffs treffen auf technische Rhythmen und einen Schlagzeuger, nach dem man wahrscheinlich die Atomuhr stellen könnte. Die eingespielten Samples bräuchte es gar nicht, die Band könnte sogar stellenweise von einem roheren Sound profitieren. Musikalisch versierter als generischer Black Metal, aber weniger komplex als zum Beispiel Schammasch am Vortag, treffen Thron einen gewissen „Sweet Spot“ und markieren heute bereits das zweite Gewinnerlos.
Ein echter alter Hase des Black Metal ist nun im Werk auf der Bühne: Enthroned. Klassischer Black Metal, kreischende Vocals und viel Kult, ein stilechtes DEMM-Booking. 2025 ist ihr neues Album erschienen, Ashspawn. Statt dem Phoenix aus der Asche regnet es vernichtend durchwachsene Rezensionen von Fans und Musikmagazinen. Nichtsdestotrotz bildet das neue Album natürlich das Zentrum der heutigen Setlist, etwas undankbar für das noch nicht ganz wache Publikum. Die Songs schlagen nach und nach weniger ein, es fehlt an irgendeiner Form der Abwechslung. Seit dem Abgang von Lord Sabathan, der mittlerweile solo auf Tour ist, schafft es die Band nicht mehr ganz, ihren ursprünglichen Funken und ihre initiale Originalität wiederzufinden.
Nach dem Motto „einen Tod muss man sterben“ wird während Thyrfing, Decembre Noir und Vollmondprozession das Rahmenprogramm erkundet. Wie schon in den Jahren zuvor gibt es neben dem Band- und Festival-Merchandise ein ausgiebiges Angebot an weiterem Merch, Schmuck und anderweitiger Kunst im Biergarten und im Seitenbereich des Werks. Neuerung dieses Jahr? Die Signing Sessions weichen einem weiteren Galeriebereich für Kunst, Fotografie und Apparel. Leider ist diese nicht optimal ausgeschildert und etwas versteckt, so laufen viele einfach unwissend daran vorbei.
Musikalisch geht es weiter mit der Band Ruim, die als nächstes in der Halle auf der Bühne steht. Der Preis für das verschnörkeltste Logo war ihnen dieses Jahr schon bei Ankündigung sicher, live muss die Band aber noch überzeugen, denn es ist ihr erster Auftritt in Deutschland. Die Band um Frontmann und Mastermind Blasphemer, der neben Aura Noir, Vltimas und diversen anderen Nebenprojekten auch bei Genregrößen Mayhem und Gaahls Wyrd aktiv war, heute definitiv mehr als nur ein Geheimtipp. Musikalisch zwar etwas zu leise, aber deshalb nicht weniger überzeugend. Die Routine aller involvierter Musiker ist ab Minute eins spürbar, die übergroße Bühnendeko ist im Vergleich zur Bühnenpräsenz maximal Nebensache. Das Enthroned-Gastspiel für zwei Mayhem Cover ist dann noch ein unverhoffter Bonus bei einem mehr als gelungenen Debüt.
Im Werk spielt im Anschluss mit leichter Verzögerung die ukrainische Band 1914 auf. In München ist die Band ein gern gesehener Dauergast, auch wenn die Shows zuletzt vielleicht auch aufgrund der Fülle etwas schlechter besucht waren. Heute ist das Werk fast gänzlich ausgelastet, ihre Mischung aus Death und Black Metal passt auch haargenau in das heutige Programm. Die Thematik des ersten Weltkrieges natürlich omnipräsent, wenn auch etwas abgespeckt bei der Bühnendeko. Die Band ist sehr vokal zum Krieg in ihrer Heimat und stand teils schon wegen ihrer deutlichen und grafischen Äußerungen in der Kritik, sind aber gleichzeitig bis heute selbst in Form von Awareness und Spendenaktionen aktiv. Auf dem DEMM erhält die Band natürlich immensen Zuspruch sowohl für ihre musikalische Leistung als auch für ihr politisches Engagement.
In der Halle ist nun Zeit für Whoredom Rife. Auch hier heißt es: Rechtzeitig erscheinen, denn Whoredom Rife sind für Black Metal Fans ein klarer Pflichttermin. In der bis zum Anschlag gefüllten Halle wird ab dem ersten Ton klar, warum sie schon vor dem Dark Easter Auftritt nur noch Restbestände an Merchandise hatten. Viel gibt es zum Auftritt nicht zu sagen, Whordom Rife werden den hohen Erwartungen einmal mehr gerecht, es ist eine einzige Wand aus Riffs und Schlagzeug-Donner, eine sichere Bank.
Der vorletzte Headliner sind Triptykon. Das Dark Easter Metal Meeting könnte jedes Jahr ein Projekt von Tom Warrior buchen und es würde sich nicht eine Person beschweren, lediglich die „UGH“ Rufe würden wahrscheinlich nicht mehr aufhören. Ebenfalls nichts falsch machen kann man mit einem Set, das fast ausschließlich aus Songs seines wohl wichtigsten Projekts besteht: Celtic Frost. So bekommt das etwa 70% ausgelastete Werk die Chance, diese Songs nach all den Jahren nochmals live zu erleben. Im Vergleich zu seinem letzten Besuch auf dem Festival weniger stumpf, aber auch etwas weniger energetisch, ist es einmal mehr ein gelungenes Tribute an eine vergangene Zeit.
Eine etwas fragwürdige Entscheidung ist, zwischen den Headlinern sowohl die Halle als auch den Club mit Special Interest Bands wie Darkher und Hail Spirit Noir zu besetzen. Hier ist eine der wenigen schwerwiegenden Entscheidungen zu treffen, auf welche Art und Weise man melancholisch berührt werden möchte, bevor der Endspurt eingeleitet wird.
Grave tragen passenderweise die diesjährige Ausgabe des DEMM zu Grabe und das mit einem besonderen Old-School Set. Nach mehreren Hindernissen für ihre Shows in den vergangenen Jahren hat es diesmal endlich funktioniert. Im Vergleich zu den vielen anderen Vertretern des schwedischen Death Metal dieses Jahr stechen Grave leider kaum hervor, werden von ebenfalls alten Hasen wie Unleashed und der nächsten Generation wie LIK übertrumpft. Immer noch ein würdiger Abschluss, bestätigen Grave trotzdem den Trend der letzten Jahre, denn die nächste Generation ist langsam aber sicher bereit, ihre Inspirationen auch in den Führungspositionen abzulösen.
Das diesjährige Fazit ist dem der letzten Jahre sehr ähnlich: Die Wartezeiten beim Essensangebot waren zwar überschaubar, aber ein weiterer Stand würde dem Festival sicher guttun, nachdem gerade am Feiertagswochenende die anderen Optionen außerhalb des Festivals limitiert sind. Die Bühnenverteilung ist natürlich immer eine heikle Angelegenheit, dennoch wäre dieses Jahr die ein oder andere Überschneidung von Genrekollegen in Halle und Club vermeidbar gewesen, gleichzeitig hätten Bands wie Ruim oder Whoredom Rife möglicherweise besser ins Werk gepasst. Das Meckern ist wie immer auf hohem Niveau, alles in allem bleibt das Dark Easter Metal Meeting auch im Jahr 2026 dem Erfolgskonzept treu, selbst wenn der Ticketpreis nochmals ein wenig gestiegen ist.


