Musikalische Zeitreise durch ein Legenden-Leben – „Die Cher Show“ im Deutschen Theater München (Bericht)
Wenn Madonna die „Queen Of Pop“ ist, dann dürfte Cher fraglos die „Goddess Of Pop“ sein. Eine Ikone der Popkultur, eine Sängerin für Generationen und oscarprämierte Schauspielerin. Eine TV-Legende als auch Las Vegas-Showveteranin. Wenn man einer Person ein Musical widmen kann, dann der Amerikaner. Das dachte sich wohl auch Autor Rick Elice, der mit „Die Cher Show“ ebendies erschaffen hat. Nun feiert die Produktion deutschsprachige Erstaufführung im Rahmen einer Tour, die bis zum 8. März 2026 im Deutschen Theater München gastiert.

Das Bühnenbild ist ein statisches Rondell, aber ausgestattet mit reichlich Screens und einem ersten Stock, auf dem die Band untergebracht ist, sodass mit genug kreativen Einfällen kein ermüdender Blick auf die Bühne stattfindet und das Design bis zum Schluss aufregend bleibt. Dem fügen sich allerlei schillernde Kostüme der verschiedenen Epochen von Cher ein, seien es die Hippie-Klamotten der 60er-Jahre, die schillernden TV-Outfits der 70er oder die knappen Overalls aus den 90er-Jahren. Eine so vielseitig begabte und talentierte Frau wie Cher, die über etliche Jahrzehnte hinweg sich immer wieder neu erfindet und dabei relevant bleibt, bietet aber auch reichlich optisches und epochenübergreifendes Material.
Dramaturgisch entscheidet man sich für eine chronologische Erzählweise, aber splittet Cher in drei Phasen auf: Cher BABE (Pamina Lenn), Cher LADY (Hannah Leser) und Cher STAR (Sophie Berner). Alle Chers repräsentieren eine Phase, in der sich die Sängerin in ihrem Leben und ihrer Entwicklung jeweils befunden hat. Dabei korrelieren und bedingen sich die Darstellerinnen immer wieder, singen teilweise auch Lieder aus den Epochen der anderen oder unterstützen sich in manchen Momenten. Das ist ein netter Kniff, der kurz ungewöhnlich ist, aber recht schnell funktioniert und so das Zusammenspiel mit ihrem ersten Ehemann Sonny (Jan Rogler) angenehm vielseitig betrachtet.

Leider entpuppt sich das als einzig dramaturgisch gelungener Kniff, das restliche Buch holpert ordentlich in puncto Timing und Text. Immer wieder gibt es ganze Passagen, die auf der Bühne überhaupt nicht funktionieren und beim Publikum sichtlich nur verhaltene Reaktionen ernten, zu lange und zu wenig erquickend sind manche Dialogszenen, die am Ende zu wenig Ertrag bringen. Der Weg darf nicht sein, deskriptiv laufend zu wiederholen, wie stark man sei und was man alles leisten musste, das Publikum muss es sehen und erleben. Gerade diese Leistung, diese zahlreichen Talente von Cher, kommen wenig zur Geltung, ersticken stattdessen in plumpen Witzen, die ins Leere laufen und sehr offensichtlich von einem Mann verfasst wurden. In der zweiten Hälfte geht der Inszenierung die Luft aus und torkelt etwas unbeholfen in die Ziellinie.
Getragen werden die rund 2,5h reine Laufzeit musikalisch von den großen Hits von Cher – und die sind zahlreich. Hier zeigt sich auch die gelungene Verpflichtung der drei Cher-Darstellerinnen, denn sowohl Berner als auch Leser und Lenn werden den Songs vollkommen gerecht und zeigen mit „Believe“ und „You Haven’t Seen The Last Of Me“ gleich zweimal mehrstimmig, wie wunderbar sie harmonieren. Auch wenn einige Hits nur kurz angeschnitten und Stücke wie „Walking In Memphis“ und „Woman‘s World“ ausgelassen werden, weiß der musikalische Part sehr zu überzeugen. Ausgleichen kann er die Schwächen des Skripts aber leider nicht. So bleibt am Ende mit „Die Cher Show“ ein Musicalabend, der seine Stärken hat, aber nicht so recht zünden möchte.
Bericht: Ludwig Stadler


