Green Light – Lorde im Zenith (Bericht)
Die Karriere von Lorde ist definitiv alles andere als gewöhnlich: Mit gerade einmal 16 Jahren erobert sie dank ihres Hits „Royals“ von ihrer Heimat Neuseeland aus die Welt. So richtig angepasst hat sich die Sängerin dabei all die Jahre nie, gerade ihre recht ungewöhnliche, immer sehr alternative Art und ihr Gegenentwurf zu durchkalkulierter Popmusik hat sie stets eigenständig, kreativ und spannend bleiben lassen – auch bei geringeren Erfolgen, wie ihr drittes Album „Solar Power“. Mit ihrem 2025er-Werk „Virgin“ gelingt ihr aber, auch dank einer ausgefeilten Marketingstrategie, ein viraler Erfolg. Damit einhergehend schossen auch ihre Tourverkäufe durch die Decke. Das Zenith München ist am 1. Dezember 2025 restlos ausverkauft.
Auch 15 Minuten vor Konzertbeginn ist die Schlange vor der Halle weiterhin lang, davor ein stark weibliches, aber alterstechnisch angenehm durchmischtes Publikum aus Gen Z bis Millennials. Die meisten haben es dann aber doch schon hineingeschafft, als The Japanese House um 20 Uhr beginnen. Der Indie-Pop mit großen Anleihen an Bedroom Pop passt musikalisch bestens zum Abend, Teile des Publikums zeigen sich auch überraschend textsicher. Letztendlich fällt es, gerade bei fünf Musikern auf der Bühne, doch unangenehm ins Gewicht, mit wie vielen Effekten und Backing-Tracks, gerade im Vocal-Bereich, gearbeitet wird. Das gibt die eigentlich recht authentische Musik kaum her. Nach rund 40 Minuten verabschiedet sich das Projekt rund um Sängerin und Gitarristin Amber Bain mit viel Gejubel von der Bühne.
Setlist: Touching Yourself / Something Has To Change / Follow My Girl / Sad To Breathe / You Seemed So Happy / Boyhood / Dionne / Worms / Friends / 🙂 / Sunshine Baby

Als Lorde um 21:15 Uhr ohne langes Intro auf die Bühne kommt, erstrahlt erst einmal ein Meer aus Handys, das über den gesamten Zeitraum des Konzerts nicht abflachen wird. Optisch bietet die Sängerin dabei auf der Bühnenfläche gar nicht so viel, die Produktion stützt sich auf Akzente, verläuft aber recht minimalistisch. Mit leichten Laserprojektionen wird viel gespielt, erzeugt auch immer wieder ansehnliche Bilder, aber insgesamt ist der Fokus klar: Lorde und ihre Musik. Mit wenigen Ausnahmen bleibt ihre vierköpfige Band in kleinen Bereichen links und rechts vom Bühneninneren, im Mittelpunkt steht ausschließlich die Sängerin. Zwei Background-Tänzer*innen begleiten sie dabei oft, scheinen aber keine richtige Choreografie zu haben und erzeugen mehr Fragezeichen und schräge Momente als tatsächlich einen Mehrwert.
Auch ein paar weitere Entscheidungen lassen das gesamte Konzert etwas hinter den Möglichkeiten zurück: Die Sängerin verzichtet auf einen Live-Drummer, was dem Sound nicht immer guttut, hat ihren Backing-Track manchmal deutlich zu laut eingestellt und hat mit ihren kleinen Ideen für die Songs einen Hit-or-Miss-Ansatz: Während eine Laufband-Einbindung bei „Supercut“ für grandiose Bilder sorgt, bleibt der Einsatz eines riesigen, beeindruckenden Bühnenelements bei „Shapeshifter“, welches von oben auf die Bühne heruntergefahren kommt, unbenutzt und damit lediglich merkwürdig. Zum Glück kann Lorde mit ihrer unendlichen Passion und ausdrucksstarken Performance sehr vieles davon ausgleichen und mit einer fein ausgewählten Setlist sowohl neue als auch ältere Fans mitnehmen. Rund 100 Minuten rast sie durch 23 Stücke ihrer Diskografie durch, bevor sie nach einem Gang durch die Menge an einer B-Stage in der Hallenmitte endet und sich mit „Ribs“ verabschiedet. Ein gutes Konzert, das aber leicht so viel mehr hätte sein können.
Setlist: Hammer / Royals / Broken Glass / Buzzcut Season / Favourite Daughter / Perfect Places / Shapeshifter / Current Affairs / Supercut / GRWM / 400 Lux / The Louvre / Oceanic Feeling / Big Star / Liability / Clearblue / Man Of The Year / If She Could See Me Now / Team / What Was That / Green Light / David / Ribs
Bericht: Ludwig Stadler

