Bei niemand anders – Wanda auf dem Tollwood (Bericht)
Als 2014 das erste Mal „Bologna“ in den kleinen Radiosendern gespielt wurde und sich zum kleinen Hit in der Indie-Szene mauserte, war kaum abzusehen, dass Wanda rund zehn Jahre später die derzeit größte Band aus Österreich sein wird. Mit unermüdlicher Arbeitsmoral, stetigem Output und zahlreichen Konzerten können die Wiener auf mittlerweile sechs Studioalben und die mehrfache Bespielung der Olympiahalle zurückblicken. Auch in der Musik-Arena des Tollwood Sommerfestivals sind sie keine Unbekannten, waren sie bereits 2016 und 2018 dort zu Gast. Nun kehren sie am 11. Juli 2025 zurück; die Tickets waren wie zu erwarten schnell vergriffen.
Als Support entscheiden sie sich für MOLA – und was für eine schöne Wahl! Die Münchner Indie-Rock-Band entert mit ungestümer Spielfreude gegen 19 Uhr die Bühne und legt sofort mit Herzblut und Engagement los. Leicht gemacht wird es ihnen durch ihre großartigen Songs wie „Warmes Bier“, „Vino Bianco“ oder auch das neu erschienene „Vielleicht bin ich dumm“. Mit ordentlich Gitarre und ähnlich sympathischer Attitüde wie die Folgeband präsentieren sie einen gelungenen Querschnitt ihrer Lieder, die gesanglich irre stark von Frontfrau Isabella Streifeneder dargeboten werden. Da freut man sich doch gleich auf ihren eigenen Auftritt am 22. November in der Muffathalle!
Setlist: Liebe Brutal / Mama / Warmes Bier / Vielleicht bin ich dumm / Vino Bianco / Das Leben ist schön

In den vergangenen Jahren hat sich bei Wanda einiges getan, das zeigt sich schon an der Bühne: Unzählige kreative Verstärkerformen bilden ein ansprechendes Gesamtbild, vor dem die Musiker – mittlerweile zu sechst und nicht, wie früher, zu fünft – sich ohne Intro oder große Show hinstellen und unverblümt mit „Bologna“, ihrem vielleicht größten Hit, loslegen. Und was für ein Sound! Die zusätzliche Gitarre führt zu einem kernigen, astreinen Rock-Sound, der eine extreme Steigerung zu ihren vergangenen Tollwood-Auftritten darstellt. Vielleicht sind das mittlerweile bewusstere Touren und die wenigen Sommerauftritte auch ein Garant dafür, dass die Spielfreude hoch und die Kondition bestens bleibt. Für die Stimmung müssen sie aber wenig tun: München jubelt, schreit, grölt ab Sekunde 1 in einer tosenden Lautstärke, die die Band zwar von der bayerischen Landeshauptstadt schon gewohnt ist, aber immer zu großer Freude führt. Sänger Marco Michael Fitzthum fasst es zu Beginn treffend zusammen: „Entweder man hat’s oder man hat’s nicht. Und München hat’s!“
Was Wanda dafür haben: Einen langen Katalog an grandiosen Songs. Und den bedienen die Österreicher auch in vollen Zügen, machen nur sehr wenig Unterbrechungen und Pausen, stattdessen folgt ein tanzbarer Mitsing-Hit auf den nächsten. Fitzthum scheint in den letzten Jahren auch etwas mehr Contenance gelernt zu haben – 2018 hat er noch in den Zugaben wegen eines für ihn zu lauten Publikums während einer Ballade das Singen verweigert und den Auftritt mit fadem Beigeschmack enden lassen. Dieses Mal will die Band gar nicht mehr runter von der Bühne, spielt insgesamt rund 50 Minuten Zugaben und verausgabt sich vollständig in langen Arrangements. Am Ende, weil das Publikum so gar keine Ruhe gegeben hat, gibt es eben einfach nochmal „Bologna“ zu hören, und so endet dieses überragende Konzert genauso, wie es angefangen hat. Was für ein unerwartet mitreißender Konzertabend, für den Fitzthum auch hier zum Schluss noch die passende Formulierung findet: „Es braucht ja keine Worte, München, das ist Amore!“
Setlist: Bologna / Wir sind verloren / Weiter, weiter / Luzia / Wachgeküsst / Schickt mir die Post / Auseinandergehen ist schwer / Lascia mi fare / Kairo Downtown / Va bene / Territorial Pissings (Nirvana cover) / Meine beiden Schwester / Bussi Baby / Ich will Schnaps – Zugaben: Niemand was schuldig / Bei niemand anders / Columbo / 1, 2, 3, 4 / Bologna
Bericht: Ludwig Stadler

