Glücklich – 01099 im Zenith (Bericht)
Überpünktlich beginnt das Konzert von 01099 im Zenith – ein Detail, das fast sinnbildlich für den gesamten Abend steht. Keine unnötigen Verzögerungen, kein künstliches Aufbauen von Spannung: Die Crew, bestehend aus den Dresdnern Paul, Gustav und Zachi, ist da und legt direkt los. Schon beim ersten Song zeigt sich, was diesen Abend prägen wird: eine textsichere, lautstarke Gen-Z-Crowd, die jede Zeile mitschreit. Wie schon bei anderen Stopps der Tour wird schnell klar, dass hier nicht nur ein Konzert stattfindet, sondern ein kollektives Erlebnis zwischen Band und Publikum. Am 17. März 2026 gastieren sie auf der „extra aus Dresden angereist“-Tour in München.
Das Bühnenbild bleibt dabei minimalistisch, aber wirkungsvoll. Eine große, rechteckige Box bildet das Zentrum der Bühne, bespielt mit wechselnden Animationen. Immer wieder wird dieses Element aktiv in die Performance eingebunden: Die Band klettert darauf, verschwindet dahinter oder nutzt es als Projektionsfläche. Musikalisch bewegt sich der Abend wie gewohnt zwischen leichtfüßigem Pop-Rap und emotionaleren Momenten. Gerade in den ruhigen Passagen zeigt sich die Stärke der Band: Songs wie „Was ich in die Lieder steck“ entwickeln live eine fast intime Atmosphäre, unterstützt durch den frühen Einsatz einiger Saxophonsoli, die im Zenith für spürbaren Jubel sorgen.

Überhaupt wirkt die Band an diesem Abend besonders motiviert. Immer wieder betonen sie ihre Verbindung zum Publikum: „01099 ist die Family“ wird nicht nur gesagt, sondern gelebt. Diese Nähe ist einer der Gründe, warum ihre Shows so gut funktionieren: Die Grenze zwischen Bühne und Publikum verschwimmt zunehmend, ein Effekt, der auch bei anderen Tourstopps durch Aktionen wie B-Stages oder Crowd-Momente verstärkt wurde. Zu den Highlights zählt einmal mehr das Karaoke-Segment der Tour: Ein Fan darf per Buzzer einen zufälligen Song auswählen, während die Lyrics auf der Bühnenbox erscheinen. Die Euphorie erreicht ihren Höhepunkt, als „Ma Cherie“ getroffen wird.
Die Interaktion und Einfälle bleiben hoch: Es wird Merch ins Publikum geschossen, bei „Pistazieneis“ begibt sich die Band mitten in die Menge. Handys gehen hoch, alles wird festgehalten. Weniger überzeugend fallen hingegen die Moshpits aus, die eher halbherzig bleiben, fleißig mitgefilmt werden und nicht wirklich zur ansonsten intensiven Stimmung passen. Das Publikum funktioniert deutlich besser im kollektiven Mitsingen als im klassischen Konzert-Chaos. Gegen Ende des Abends wird es dann nochmal emotional: Als Finale ihrer Tour schwingt eine gewisse Abschiedsstimmung mit. Die Band kündigt an, im kommenden Jahr weder auf Tour noch auf Festivals zu sein. Ein Umstand, der dem Moment zusätzlich Bedeutung verleiht.

Bereits ungewöhnlich früh, vor 22 Uhr, fällt der Vorhang und das Konzert ist vorbei. 01099 liefern in München ein würdiges Tourfinale, getragen von einer äußerst textsicheren Crowd, viel Nähe zum Publikum und sichtlicher Spielfreude. Vielleicht wirkt ihr Sound unter freiem Himmel noch stärker, doch auch im Zenith entsteht ein intensiver, verbindender Abend, der zeigt, warum das Trio live vor allem von Nähe, Ehrlichkeit und ihrer starken Verbindung zum Publikum leben.
Setlist: Frisch / Küssen / Tanzalarm / Oh man / Halligalli / Glücklich / Baltimore / S1 / Eigentlich / Verschwendete Zeit / Nachtschicht / Leopard / Laufen / 25grad / Haare trocknen / Pistazieneis / So heiß / Jacke zu / Was ich in die Lieder steck / Durstlöscher / Flasche kreist / Karaoke / Tempo / Dies & Das / Supernova / VHS / Anders – Zugaben: Unsinn / Himmel Pink / 2000er


