The Death of Stalin – Filmkritik

(4 / 5)

© 2017 Concorde Filmverleih GmbH

 

Regisseur/in: Armando Iannucci

Genre: Komödie, Drama

Produktionsland: USA, Frankreich

Kinostart: 22. Februar 2018

Laufzeit: 1 Std. 47 Min.

 

 

Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstitutes Lewada-Zentrum sind Joseph Stalin gegenwärtig immer noch 37% der Einwohner Russlands positiv gesinnt. Genauso abstrus wie diese erschreckend verblendete Glorifizierung eines Diktators, welcher sich für die Verhaftung, Folterung und Hinrichtung von Millionen Sowjetbürgern verantwortlich zeichnete, sind die Stunden nach dessen tödlich endenden Schlaganfalls, als die Mitarbeiter Stalins Beria, Malenkow und Chruschtschow sich zunächst dafür entschieden im Geheimen verschlagene Pläne zu schmieden, statt dem leidenden Staatschef ärztliche Hilfe zu besorgen. Die folgenden Tage bildeten eine Umbruchszeit zwischen Korrekturmaßnahmen der Verbrechen Stalins und innerparteilichen Machtkampf-Intrigen. Eine konfuse Periode, deren passend satirischer Verfilmung sich nun der Regisseur Armando Iannucci annahm.

The Death of Stalin“ erzählt von der im Chaos verfallenden Übergangszeit nach Stalins (Adrian McLoughlin) plötzlichem Tod, als sich die restlichen Gefolgsmänner Malenkov (Jeffrey Tambor), Khrushchev (Steve Buscemi), Molotov (Michael Palin), Beria, (Simon Russell Beale) und weitere um die freigewordene Position als Generalsekretär in die Haare kriegen…

© 2017 Concorde Filmverleih GmbH

Iannucci eröffnet seine Graphic Novel-Verfilmung mit dem selben hilarious Unterton, der fortan den gesamten Film begleiten wird: Ein Live-Radio-Produzent sieht sich notgedrungen, eine gesamte Orchesterperformance repetieren zu lassen, als er den Befehl Stalins einer unmittelbaren Platten-Aufnahme des Konzertes entgegnen muss. Und da die Hälfte des Publikums bereits verschwunden ist, holt er eben ein paar Unterschichtbürger von der Straße in die feudale Aufführungsstätte. Gespielt wird das Szenario in kauzig-komischer Form mit einer gehörigen Portion nuanciertem Humor voller Verständigungsschwierigkeiten. Auf ähnliche Art und Weise wird anschließend in die Haupthandlung übergeleitet. Neben der frivolen Fäkal-Mundart (Wörter wie „Camelcock“ oder diverse Beugungen von „Fuck“ sind allgegenwärtig) weiß der Film aber auch auf intelligent-provozierende Manier eine seltsam unterhaltsame Fremdscham-Komik aus jeder Situation herauszuziehen. Dabei überzeugt „The Death of Stalin“ mit ausgesprochener Bissigkeit und dichtet sich eine schlagfertige moderne Interpretation der Geschehnisse.

© 2017 Concorde Filmverleih GmbH

Die wichtigsten Akteure, also die Parteigenossen der UdSSR, die Nachkommen Stalins und der Anführer der roten Armee Zhukov (Jason Isaacs), werden unterdessen als die ulkigsten Figuren porträtiert, welche die Sowjetunion je ertragen musste. Das Ensemble reicht vom verunsicherten und lenkbaren stellvertretenden Premierminister Malenkov über den fädenziehenden, politikaffinen Khrushchev bis hin zu Stalins unnützem Choleriker-Sohn Vasily. Wenn dann einmal alle beisammen am Komiteetisch diskutieren, fühlt man sich zu Teilen an Klassiker wie „12 Angry Men“ zurückerinnert. Aber nicht nur charakteristisch ist „The Death of Stalin“ spannend dfferential, auch die humoristische Stimmung kann schnell kippen, wenn der richtige Moment gekommen ist. So ist der Film trotz aller Albernheiten zu keinem Zeitpunkt respektlos gegenüber den Geschehnissen. Im Gegenteil: Die brutal verlaufenden Aufstände bei Stalins Beerdigung sind realistisch und genauso eindringlich umgesetzt, wie es sich gehört und das gelungene Ende lässt nach einem kaltblütigen Mord schließlich jegliche Komik vermissen. Damit nimmt Iannucci dem Betrachter auch den durchaus vernünftigen bitteren Beigeschmack nicht ab.

Fazit: „The Death of Stalin“ ist genau die spitz-moderne Satire geworden, auf die der Trailer hungrig gemacht hat und weiß trotz unzähliger Faxen auch mit seiner tiefliegenden Ernsthaftigkeit zu überzeugen. Ein unkonventioneller, aber sicherlich auch nicht bahnbrechender Denkzettel an die Gesellschaft zur Prävention eines historischen Rückfalls.

(4 / 5)