Fluch der Karibik (5): Salazars Rache – Filmkritik

(2 / 5)

Regisseur: Joachim Rønning, Espen Sandberg

Genre: Abenteuer, Fantasy, Action

Produktionsland: USA

Kinostart: 25. Mai 2017

Laufzeit: 2 Std. 09 Min.

Als ich es mir gestern im Kinosessel bequem gemacht hatte, der düster angepasste Disney-Schloss-Vorspann mit Piratenflagge über die Leinwand flimmerte und das erste einstimmend atmosphärische Thema erklang, fühlte ich mich wieder ein wenig wie mein Mini-Ich vor zehn Jahren. Der einzigartige Charme von Jack Sparrow, intensiv inszenierte Seeschlachten und atemberaubend schöne Landschafts-/Meeresbilder würden mich erwarten. Das alles kann ich im Nachhinein sogar durchaus bestätigen, doch woran es „Fluch der Karibik“ bedeutend fehlt, und wenn man ehrlich ist, dem ganzen Franchise schon immer gefehlt hat, ist nun mal weitaus mehr als nur ein wenig Feingefühl beim Storytelling.

Der weiterhin überall gesuchte Pirat Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) gerät in den nächsten Schlamassel als der, vor langer Zeit durch Jack verfluchte, Captain Salazaar (Javier Bardem) aus dem Teufelsdreieck entkommt und nach Rache an seinem Todfeind und der gesamten Piratenschaft sinnt. Nur der verschollene Dreizack Poseidons kann Jack noch helfen, die Kontrolle über die sieben Weltmeere und damit Salaazar zu bekommen. Zusammen mit seiner kleinen Crew und den unterschiedlich motivierten Neuankömmlingen Henry Turner (Brenton Thwaites) und Carina Smyth (Kaya Scodelario) begibt sich Jack auf das halsbrecherische Abenteuer und trifft dabei auch auf seinen alten Bekannten Captain Barbossa (Geoffrey Rush).

© Walt Disney Motion Picture Studios

Den gesamten Streifen erlebt man quasi als Achterbahnfahrt quer durch das karibische Meer. Die Spannung wird durch abgefahrene Action-Sequenzen (allen voran ein gewisses fahrendes Haus, welches mich mit einem Augenzwinkern stark an eine gewisse, kultige „Der Sinn des Lebens“-Szene von Monty Python erinnerte) beinahe ohne Verschnaufpause vorangetrieben und die düsteren, bildgewaltigen Schauplätze ziehen einen gekonnt ins Geschehen hinein. Was es hierbei nicht zu vernachlässigen gilt: Das CGI ist einfach verdammt gut gelungen und wurde, meiner bescheidenen Meinung nach, trotz übermäßigem Einsatz tatsächlich nie nervig. Sich zur Hälfte aufgelöste Zombie-Matrosen oder ein, sich wie eine riesige Spinne um ihre Beute windendes, Monsterschiff gehören eben zum Flair eines solchen Fantasy-Säbelkampf-Actioners, keine Frage. Und sogar ein digital jünger gemachter Johnny Depp sieht ehrlicherweise sogar besser aus als Grand Moff Tarkin noch zwei Jahre zuvor. In anderen Worten: Langweilig wird einem mit Sicherheit nicht.

Doch all das tröstet nicht wirklich über die unsägliche Plumpheit des fünften „Fluch der Karibik“-Ablegers hinweg. Die Reihe war noch nie wirklich dafür bekannt, eine geistreiche Geschichte zu erzählen (schließlich war die einzige Vorlage für den Film von vornherein nur eine Attraktion des Disneylands), doch konnte sie in der ursprünglichen Trilogie wenigstens mit einigen interessanten Figuren wie Will Turner oder Elizabeth Swann punkten, die sogar so etwas wie eine Charakterentwicklung durchmachten. Von dem fehlt hier jegliche Spur. Brenton Thwaites ist bei weitem nicht so charismatisch wie sein Film-Vater Orlando BloomCarina Smyth mimt nur eine weitere dieser emanzipierten Power-Frauen ohne jegliche weitere Eigenschaften und Johnny Depp in der Rolle als „Johnny Depp“ ist zwar immer noch irgendwie cool, aber einfach längst nicht mehr so frisch und witzig wie ursprünglich einmal. Hier wird die alte Suppe warm gekocht bis sie überläuft und ganz tief in den Niveau-Keller fließt. Genauso differenziert sind auch die britischen Rotröcke und deren gemeines Volk gestaltet. Bei den ganzen Onelinern, die schon vor meiner Zeit ausgelutscht waren, bekommt man das Gefühl, man befindet sich gerade in einem Videospiel, in dem sämtliche Nebenfiguren nur fähig sind, ihren eigens für sie programmierten Satz zu verlautbaren und anschließend, nach dem Ortswechsel der Protagonisten, ihre Existenz verlieren (Diese Theorie wird gleich am Anfang mit der „Ein Pirat und eine Hexe sind in meinem Haus“-Szene fabelhaft bestätigt.). Die städtisch-britische Bevölkerung wird hierbei zum bereits fünften Mal auf eine Horde stereotypischer, bösartiger Vollpfosten reduziert. Mittlerweile wäre doch mal ein kleiner Perspektivenwechsel nicht nur lukrativ, sondern auch dringend ratbar gewesen.

© Walt Disney Motion Picture Studios

Das ein oder andere Mal werden auf diese Weise natürlich Witze ermöglicht, bei denen ein Schmunzeln aufkommt, größtenteils handelt es sich aber um pupertäre Sex- oder Pipi-Kacka-Witze. (Stichwort: Vogelkot auf Jacks Schulter) bis hin zur absoluten Veralberung des Todes (Beispiel: Hinrichtungsszene). Hinzu kommen viel zu familienfreundliche Schwertkämpfe (Wenn sich alle mit ihren Säbeln gegenseitig immer nur K.O. boxen, wird es sehr schnell unfreiwillig komisch.), aufgesetzte Dramen (der ein oder andere „Twist“ und damit verbundene Tod einer Figur war so unnötig wie Fußpilz) und eine absolut unglaubwürdige Romanze. Nicht einmal der, für den Film eigentlich viel zu unterforderte, wahnsinnig talentiere Javier Bardem kann sich weit genug über das schlechte Drehbuch hinwegsetzen, dass seine Performance im Langzeitgedächtnis haften bleiben wird.

Fazit: Der deutsche Untertitel von „Fluch der Karibik“ 5 macht weitaus weniger Faxen um seinen Inhalt als sein Originaltitel. „Salazars Rache“ kommt der Gänze des Handlungsstrangs weitaus näher als ein pseudo-tiefgründiger „Dead Men Tell No Tales“. Der fünfte Teil der Reihe ist anspruchsloser und unambitionierter denn je. Nur gute visuelle Effekte und das rasante Tempo täuschen über einen eigentlich missratenen Film hinweg.

PS: Passables Popkorn-Kino ist es trotzdem allemal, einfach für ein bisschen Spaß mit der Freundesschar. 😉

(2 / 5)