#wiederamPlatz – Eröffnungsgala im Gärtnerplatztheater

„Es ist soweit!“ heißt sie, die Eröffnungsgala im frisch renovierten Gärtnerplatztheater, welche am 14. und 15. Oktober stattgefunden hat. In Windeseile waren die Karten vergriffen; das Interesse, endlich wieder im alten Flair das Ensemble des Gärtnerplatztheaters zu bewundern, war dementsprechend riesig, denn wer wollte es schon verpassen, wenn zum ersten Mal wieder öffentlich Musik in den Gemäuern erklingt. Wir waren am zweiten Abend, den 15. Oktober, vor Ort – natürlich ausverkauft.

© Christian POGO Zach

Zugegeben, man kann nicht von der Gala schreiben, ohne das Gefühl zu erwähnen, das erste Mal das Theater zu betreten. Wir als größtenteils studentisches Team hatten bisher noch nicht das Glück, das Originaltheater vor der Renovierung im Einsatz zu sehen, da man mitten in der Teenager-Zeit sich doch weniger für Theater oder Musiktheater interessiert hat. Umso schöner nun, nach etlichen „Auswärtsspielen“, endlich einmal das Gebäude selbst anzusehen. Bereits beim Betreten merkt man, dass noch alles ganz frisch ist – neben dem klassischen Geruch eines neuen Hauses, glänzt und glitzert noch jede Wand, jeder Tisch, jede Statue. Durch das überraschend kleine Foyer im Eingangsbereich gelangt man recht schnell zum wesentlichen Bauteil: dem Zuschauerraum. Etwas kleiner als auf den Fotos, aber eine absolut angenehme Größe, erreicht das Theater; eine wunderbare Möglichkeit vor allem für alle die, die mit dem Opern, welche im großen Bruder am Max-Joseph-Platz aufgeführt werden, aufgrund der Saalgröße ein wenig überfordert sind.
Hervorstechend vor allem: der neue Vorhang, die teilweise neue Technik und jede geputzte und gestriegelte Gravierung. Fast ein wenig erschlagen ist man von dem Glanz, der vom frisch renovierten Gärtnerplatztheater ausgeht. Ein einmaliges Gefühl – eines, das man nicht so schnell vergisst.

Um 18 Uhr, ohne die obligatorischen fünf Minuten Verzögerung, gingen die Türen zu, der Saal verdunkelte sich, der Vorhang ging auf. Intendant Josef E. Köpplinger ließ es sich hierbei nicht nehmen, persönlich die Begrüßung zu halten und an das Premierenpublikum ein paar Worte zu richten. Sehr froh sei er, sagte er, dass man nun nicht mehr zwischen Theater und Garderobe durch die Kälte irren müsse, wie es bei der Reithalle, eine der Ausweichlocations, der Fall gewesen sei. Froh kann er auch sein: nicht nur der Orchester- und Chorprobensaal erstrahlen in neuem und schönsten Glanz, auch befindet sich im Untergeschoss endlich eine Probebühne mit integrierter Drehbühne – alles also im eigenen Gelände, keinen langen Wege mehr, keine Zersplittung durch die ganze Stadt; in Anbetracht der Herausforderungen der letzten Jahre sei es dem Team aber absolut vergönnt, endlich wieder eine feste Räumlichkeit zu haben.

© Christian POGO Zach

Die Gala selbst sollte sich auf zwei Blöcke aufteilen und einen wilden Querschnitt aus Höhepunkten aus den Genres Oper, Operette, Musical und Tanz geben, mit teilweise komplett genrefremden Ausflügen wie einem Volkslied aus Puerto Rico. Durch den Abend führte Sigrid Hauser, eine Gärtnerplatz-Solistin im Musicalbereich. Gekonnt brachte sie, je nach Verlangen, mit dem richtigen Witz oder richtigen Ernst Zitate von bekannten und relevanten Personen oder Zeitungen – manchmal in Bezug auf das allgemeine Theater-Dasein, oft auch direkt über das Gärtnerplatztheater. Hätten Sie etwa gewusst, dass die Münchner sich Anfang des 20. Jahrhundert wortwörtlich um Karten für die 150. Vorstellung von „Die lustige Witwe“ geprügelt haben? Aber seien Sie unbesorgt – die Neuinszenierung von „Die lustige Witwe“, welche ab 19. Oktober im Gärtnerplatztheater läuft, verkauft sich zwar gut, Karten kann man hier aber ohne handgreifliche Tätigkeiten erwerben. Angst um das Erdrückt-Werden beim Kartenkauf sollten Sie als keine haben.

© Christian POGO Zach

Aus der Abteilung Tanz wurde eindrucksvoll im 2. Akt die Polka „Unter Donner und Blitz“ von Johannes Strauß dargeboten, das Ballettensemble überzeugte mit einer schnellen, präzisen, aber vor allem visuell eindrucksvollen Choreographie.
Aus dem Bereich Musical präsentierte man Diverses aus vergangenen Werken, wobei Sondheim-Stücke definitiv die Überhand hatten. Besondere Highlights waren hier das Lied „Teamwork“ aus dem Musical „Tschitti Tschitti Bang Bang“, welches mit dem überragenden Kinderchor des Gärtnerplatztheaters performt wurde, und „I’m Still Here“ von Sondheims „Follies“, eindrucksvoll gesungen von Dagmar Hellberg.

Aus dem Genre Operette, wie hätte es anders sein sollen, gab es u.a. zwei Stücke aus „Die lustige Witwe“, nämlich „Ja, das Studium der Weiber ist schwer“ und der Evergreen „Lippen schweigen“. Tatsächlich scheint dieser Teil sonst fast ein wenig unterzugehen unter den anderen Darbietungen, allen voran die des folgenden Bereiches.
Die Oper, welche eigentlich, laut Köpplinger, einen etwas gemäßigteren Stellenwert einnehmen sollte, hatte gefühlt den größten Teil der Gala. Zurecht, denn die Gesangsleistungen von den Solisten sind auf höchsten Niveau und die ausgesuchten Stücke ebenfalls. Bereits zu Beginn wusste Matija Meic mit der Arie „Largo al factotum“ aus Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ absolut zu überraschen, was seinen Höhepunkt am Anfang des zweiten Aktes finden sollte: Nachdem Jennifer O’Loughlin absolut verdient großen Applaus für einen Auszug aus „Linda di Chamounix“ von Gaetano Donizetti erntete, folgte unmittelbar „Cheti, cheti, immantinente“ aus „Don Pasquale“, ebenfalls von Donizetti. Bariton Mathias Hausmann und Bass Levente Páll lieferten dabei die beste und am größten mit Applaus honorierte Leistung des Abends – ein großartiges Duett von zwei fantastischen Sängern.

© Christian POGO Zach

Auch der Chor hatte mit Auszügen von Carl Orffs „Carmina Burana“ am Ende des ersten Aktes seinen großen Auftritt, besonders eindrucksvoll war natürlich das bekannte „O Fortuna“, welches stimmgewaltig den Saal fast zum Beben brachte.
Das Orchester, erstmals unter der Leitung vom neuen Chefdirigenten Anthony Bramall, genoss die größte Aufmerksamkeit auch bei ihren instrumentalen Solo-Stücken, welches im zweiten Akt die Ouvertüre zu „La forza del destino“ darstellte, im ersten Akt, kein Scherz, die wesentlichen Melodien von „Star Wars“. Man kann ein noch so großer Verweigerer der Popcornkino-Filme sein, die Musik von John Williams ist bombastisch und kultig und untermalte einen kleinen Dokumentationsfilm über die Restaurierung und Renovierung des Gärtnerplatztheaters passend.

Der abschließende Applaus zog sich berechtigt über einige Minuten, abschließend erhob sich das Publikum auch zu Standing Ovations. Ein klares Zeichen, dass die Gala mehr als gelungen war und die Gärtnerplatztheater endlich wieder da ist, wo es hingehört, nämlich #wiederamPlatz.

TICKETS für alle Vorstellungen des Theaters gibt es HIER.