Waschsalon – die neue Show im GOP Varieté-Theater München (Kritik)

Im GOP München kann noch bis zum 14. Juli 2019 das sozusagen frisch gewaschene Varieté-Stück von Regisseur Ulrich Thon bestaunt werden. Waschsalon, wie das Programm heißt, bietet dabei eine schöne Gelegenheit, einen Abend voller Aufregung und Spaß zu verbringen und den Alltagstrubel für eine Zeit lang hinter sich zu lassen. Fans des Varietés und Slapsticks sollten sich dieses kleine Glanzstück jedenfalls nicht entgehen lassen.

Basierend auf einer Idee von Ulrich Thon und in Zusammenarbeit mit dem künstlerischen Direktor des GOPs Werner Buss, zeigt uns Waschsalon mosaikartig Szenen aus einem eben solchen Etablissement, wie sie jeder Person aus dem Publikum auch im realen Leben begegnen könnten. Da ist der tollpatschige Geschäftsmann, der keine Ahnung hat, wie eine Waschmaschine eigentlich funktioniert, eine junge Mutter, die den Vater ihres Kindes im Waschsalon einmal gepflegt zusammenstaucht, oder der junge Student, der jede freie Zeit zum Schlafen nutzt, auch während er die Wäsche macht. Unter diese Szenen gemischt finden sich Darbietungen der einzelnen Künstler, die sich wie die Wäsche an der Leine im Publikumssaal aneinanderreihen und allesamt dem ausgefallenen Thema der Show folgen. So werden fast sämtliche Kleinrequisiten aus den herumstehenden Waschmaschinen gezogen. Die Maschinen selbst dienen als Podest und Turngerät. Seifenblasen, Wäsche und sogar Waschtrommeln finden Einzug in die Auftritte der Artisten. So darf man nur wenige Tage nach dem Auftritt Lady Gagas auf dem roten Teppich der Met-Gala bereits feststellen, dass ihr dortiger Quick-Change nichts ist im Vergleich zu dem von Natalie, deren Antipoden und Klamottenwechsel man nicht zuletzt deswegen kaum folgen kann, weil die Requisiten bereits mit im Bühnenbild verbaut wurden.

Sehr schön choreographiert von der singenden und tanzenden Salonbesitzerin Sibongile Prudence wirken die Auftritte der Künstler mühelos integriert und gänzlich unaufgeregt in der Umgebung ihres Ladens. Ganz besonders sind die fließenden Übergänge zwischen den einzelnen Nummern hervorzuheben. Dies lässt sich nur mit einem fest verankerten Ort wie einem Waschsalon als Bühne bewerkstelligen und macht das Werk insgesamt zu einer sehr runden Sache. So bläst etwa der Seifenblasenkünstler Darren Burrel in einem Moment noch eine Seifenblase nur mithilfe seiner Hände in einen silbernen Würfel und im nächsten Moment öffnet sich der Vorhang um einen identischen aber waschmaschinengroßen Würfel zu enthüllen in welchem die Österreicherin Claudia Coco Baricz ihre Trapeznummer vollzieht.

Ein Highlight in diesem sehr stimmigen Ensemble ist jedoch zweifelsfrei der Broadway-Comedian Tom Murphy, der zum ersten Mal seit über zehn Jahren nun wieder in Deutschland zu sehen ist. Seine Slapstick-Einlagen in der Rolle des Geschäftsmannes und seine tollpatschig liebenswerte Art verzaubern das Publikum ab dem ersten Moment und machen den Abend zu einem wahren Erlebnis der Extraklasse.

Nicht zuletzt die atemberaubend schnelle Asha Mohamedy am Hula-Hoop/Vertikaltuch, der Berliner Herr Benedict am Cyr Wheel/ Strapaten, sowie Mohamed Tadei im Handstand/Rola Rola machen aus dem Abend eine abenteuerliche und hoch artistische Geschichte, die den Zuschauern zeitweise den Schweiß auf der Stirn stehen lässt und den Blutdruck in die Höhe treibt. Jeder im Ensemble, so merkt man früh, beherrscht sein Metier zur Perfektion und das vor allem anderen zeugt von der Hingabe der Artisten zur Kunst. Was will man mehr vom Varieté?

Kritik: Catarina Silva Ruther