Turmion Kätilöt – mit neuem Album „Global Warning“ am 4. Dezember in München (Interview)

Haltet euch fest, denn jetzt wird es eigenwillig: wir stellen euch die Band Turmion Kätilöt aus Finnland vor! Wir hatten bereits im März 2019 die Ehre, einen der wenigen Deutschland-Auftritte der Band beizuwohnen, als sie mit Beast In Black im Backstage zu Gast waren, wie wir berichteten. Ihren Mix aus Techno und Metal bezeichnen sie selbst stilsicher als „Disco Metal“ – und tatsächlich kommt es dem Tanzmetal, dem sich eigentlich Rammstein verschrieben haben, sehr nahe, wenn stampfende Riffs auf dröhnende Beats treffen. Vom Trancecore, wie ihn beispielsweise Eskimo Callboy betreiben, ist das alles aber meilenweit entfernt. Am klügsten ist hier wohl einfach, ein Ohr in ihr aktuelles Studioalbum „Global Warning“ zu riskieren, das am 17. April 2020 erschienen ist.

Seit mittlerweile 17 Jahren treibt die Band ihr Unwesen, auf satte neun Studioalben können sie zurücksehen. Dass es dabei auf „Global Warning“ immer noch wild und kreativ zugeht, ist wohl letztendlich auch ihrem nicht enden wollenden Drang an der Musikerschaffung geschuldet. Zwar ist, auch aufgrund des doch recht konstanten Gesangs, nicht die allergrößte Abwechslung geboten, aber Spaß machen Lieder wie „Kyntövuohi“ oder „Naitu“ allemal. Ihren stampfenden Rhythmus sparen sie nicht ein, aber „Sano Kun Riitää“ beweist gekonnt ihre melodiöse Seite, die sie letztendlich in Finnland bereits zu kleinen Stars werden ließ – seit Jahren besiedeln sie relativ konstant den ersten Platz der finnischen Charts, so auch mit dem aktuellsten Werk.

Die deutschen Gefilde haben sie dabei allerdings oft außen vor gelassen, selten lassen sie sich hier sehen. Das soll nun geändert werden, auch mit dem Labelwechsel zu Nuclear Blast. Ein Statement wird bestimmt die im Winter 2020 (hoffentlich) stattfindende Tour gemeinsam mit Nightwish und amorphis durch die Arenen der Nation. Dabei kommen sie auch am 4. Dezember 2020 in die Olympiahalle. Grund genug, den Finnen mal ein paar Fragen zu Album, Historie und ihren München-Bezug zu senden – ganz coronakonform via Mail!

 

Kultur in München: Hallo in die Quarantäne. Erst einmal das wichtigste: wie geht es euch zuhause, seid ihr alle gesund? Einen Release in so turbulenten Zeiten hattet ihr wohl auch noch nicht.

MC Raaka Pee: Niemand von uns war auf diese Pandemie vorbereitet. Es ist eine Ehre, für euch zu singen. Gib mir ein Thema und ich singe für euch! Dieses Album erlaubt mir, endlich absolut ehrlich zu sein. Ich könnte sagen, dass ich nackt bin.

Bobby Undertaker: Mir geht es soweit wunderbar, danke! Klar, dieses Virus schränkt vieles ein, aber es geht schon. Es geht ja nicht nur um uns, es betrifft die gesamte Industrie. Das ändert nicht die Tatsache, dass wir ein ziemlich solides Album veröffentlicht haben.

RunQ: Ja, soweit gesund. Hoffentlich wird all das nicht noch schlimmer und wir können bald wieder Auftritte spielen.

Shag-U: Soweit so gut, aber ich vermisse die Konzerte sehr.

DQ : Gesund und angepisst aufgrund dieses No-Show-Zeitraums.

Master Bates: Ich hatte im Januar eine Grippe, aber ich denke nicht, dass es DIESER Virus war.

 

Kultur in München: Am Freitag erschien euer neues Album „Global Warning“. Es ist euer bereits neuntes Album – Wahnsinn! Wie schafft man es, bei so viel Output immer noch kreativ zu sein?

MC Raaka Pee: Ihr alle füttert uns. Man muss uns live sehen. Das sagt mehr als tausend Worte. Nun… wir wissen, wo der Schmerz liegt.

Bobby Undertaker: Ich denk mal, da steckt einfach zu viel in unserem Kopf und das muss raus.

RunQ: Kreativität kann immer wieder überraschenderweise auftauchen, das wird nicht geplant.

Shag-U: Das ist mehr so ein Lebensweg und da gibt es Dinge, die man einfach erzählen muss.

DQ:  Die Menschen sehen uns als Sexobjekte, also müssen wir uns im Studio verstecken. Also geht es nicht um Kreativität, wir sind nur zu heiß.

 

Kultur in München: Was würden eigentlich die Turmion Kätilöt von 2003, frisch gegründet und am Schreiben ihres Debüts „Hoitovirhe“, denken, wenn sie „Global Warning“ hören würden?

MC Raaka Pee: WTF! Glaubt ihr wirklich, dass man solche Sachen überhaupt sagen darf? Das muss doch verboten sein! WIR WOLLEN MEHR!

RunQ : Großartiges und gefährliches Zeug, ihr lasst das Hirn arbeiten und die Füße tanzen.

DQ: Eeeww, was ist dieser Gestank?!

Master Bates: Damn, unsere Sänger sehen aber heiß auf dem Cover aus!

Kultur in München: In Finnland seid ihr schon ziemlich berühmt, seit Jahren constant auf Platz #1 der Charts. Jetzt der Wechsel zu Nuclear Blast, um den Rest der Welt zu erobern. Wie kam es dazu?

MC Raaka Pee: Es passt einfach zu unseren Vorstellungen. Seit Gründung habe ich eine genaue Vorstellung davon, ​​was Turmion Kätilöt ist. Wir wollten das beste Label für unsere Platten. Wir haben also das Album gemacht und gefragt, ob sie diese Art von lüsterner Sinnlichkeit verkaufen wollen. Natürlich wurden keine Verhandlungen benötigt.

Bobby Undertaker: Wie du schon sagst, hier in Finnland haben wir eine ziemlich gute Basis, aber für den Rest der Welt benötigen wir etwas Hilfe, und Nuclear Blast war glücklicherweise an uns interessiert. Jetzt haben wir deutlich bessere Chancen, unseren Namen “auf die Landkarte” zu bringen, auch außerhalb Finnlands.

Shag-U: Der Hunger steigt und unsere Disco ist global.

DQ: Mein Fokus liegt auf dem Schlagzeug spielen und dabei möglichst gut auszusehen. Also, yeah. Glücklicherweise sind manche Leute in der Band auch schlau und nicht nur sexy.

Master Bates: Okay, ein paar Verhandlungen waren schon nötig mit Nuclear Blast, aber wir hatten Hilfe von unserem alten Freund Ewo, der sich auch um Nightwish und Beast in Black kümmert.

 

Kultur in München: Im März 2019 habt ihr, das erste Mal seit der Support-Tour mit Pain 2011, wenn ich das richtig im Kopf habe, die deutschen Landen mit Beast In Black ausführlich bespielt. Wie war es für euch? Wie habt ihr das Publikum wahrgenommen?

MC Raaka Pee: Das deutsche Publikum war absolut großartig! Ich war wirklich begeistert nach unserem ersten Auftritt in Deutschland, als die Menge die Texte kannte und mitsang.

Bobby Undertaker: Die Deutschen wissen, wie man Stimmung macht, das ist klar. Mir ist bewusst, dass unsere Musik nicht die “normale” Musik ist, die die Deutschen hören, aber wir haben so viele glückliche Gesichter auf dieser Tour gesehen, dass wir hier bestimmt eine Zukunft vor uns haben. Insgesamt war die Tour wirklich schön. Beast in Black und ihre Crew sind nette und gute Leute, um eine tolle Zeit zu haben. Würde es jederzeit wieder machen.

RunQ: Beide Touren waren großartig. Das deutsche Publikum ist wirklich toll und immer dabei. Ihr wisst außerdem, wie man ordentlich trinkt und feiert.

Shag-U: Das waren sehr intensive Shows und selbst nur als Support war es spannend zu sehen, wie die Leute unser Zeug genießen, die Texte und auch die Songs kennen.

DQ: Das Feedback des Publikums war etwas überraschend – auf gute Weise!  Beide Touren waren toll, jede Sekunde!

Master Bates: Ich dachte, wir müssen den Deutschen erstmal beibringen, wie man Disco feiert, aber hell no, ihr wisst es bereits und es war wundervoll!

Kultur in München: In München am 8. März im Backstage waren wir auch dabei, ein toller Auftritt! Kennt ihr unsere Stadt, außerhalb des Oktoberfests? Verbindet ihr sogar etwas damit?

Bobby Undertaker: Ich glaube, ich habe dreimal im Backstage gespielt, aber abgesehen davon habe ich keine Verbindung, kenne die Stadt nicht einmal. Das ist aber leider so auf Tour, man hat kaum die Zeit, andere Städte kennenzulernen.

MC Raaka Pee: Ich habe ein kleines Stück meines Herzens dort gelassen. Passt darauf auf.

Runq: Danke. Ich war dort auch bereits dreimal, bevor wir mit Turmion Kätilöt dort gespielt haben, sehr cooler Ort.

Shag-U: Es war dort nicht mein erstes und definitive auch nicht letztes Mal dort.

DQ: Nicht wirklich verbunden, außer, wenn ich mit meiner Familie nach Italien fahre, dann fahren wir durch München.

Master Bates: Wir waren dort zwei, nicht dreimal, Bobby, nimm jetzt deine Medizin!

 

Kultur in München: Im Dezember besucht ihr mit Nightwish die Olympiahalle, große Arenen werden dort bespielt. Was sind eure Erwartungen daran? Und: wie bekommt man neun Alben in die Setlist eines Support-Acts unter? 😉

MC Raaka Pee: Wir werden sehen. Ich bin etwas besorgt, wie das Publikum es insgesamt aufnimmt. Unsere Musik kann manchmal erschreckend sein.

Bobby Undertaker: Es ist eine große Möglichkeit für uns, wir werden bereit sein! Natürlich ist es bei jeder Show schwierig, alle Songs in die Setlist zu bekommen, die man spielen möchte. Auf dieser Tour liegt der Fokus auf dem neuen Album, aber natürlich gibt es auch ältere Nummern zu hören.

RunQ. Träume werden wahr, hoffentlich. Große Arenen, viele Menschen, gute Musik und Partys. Was kann man sonst sagen, es wird großartig! Und die Setlist zu erstellen wird schwer, aber es wird eine gute Show, definitiv.

Shag-U: Ich kann es wirklich nicht erwarten. Ein Traum wird damit definitiv für mich wahr!. Letztendlich spielen wir das, was wir wollen. Natürlich liegt der Fokus auf dem neuen Album, aber sonst sehe ich da keine Einschränkung. Wir sind dort zum Unterhalten, das werden wir tun.

DQ: Glücklicherweise ist Bobby der verantwortliche für die Setlist! Große Arenen, wer würde das nicht wollen?

Master Bates: Lasst uns erst einmal den Virus bekämpfen und dann die Setlist-Frage klären. Ich wette, ihr werdet es egal wie lieben. Also die Setlist, nicht den Virus.

Kultur in München: Danke fürs Interview! Bleibt gesund, bis Dezember!