Domino – Turbowolf im Strom (Bericht)

Mittwoch, 28. März 2018, München – Turbowolf, eine Band, die man nie wirklich in eine Schublade stecken kann. Eine vielseitige Mischung aus den verschiedensten Genres, vom Garage Rock über Desert Rock bis hin zu Stoner- und Punk-Einflüssen ist wirklich alles vertreten. Manche würden sagen, sie sind die härteren Queens of the Stone Age. In den letzten Jahren waren sie ein rarer Gast auf deutschem Boden, denn irgendwie konnten die Engländer nie wirklich Fuß auf deutschem Boden fassen und nach diesem Abend stellt sich nur noch die Frage: Wieso eigentlich?

Puppy

Der Abend beginnt spät, ungewöhnlich spät. Einlass ist um 20:30 Uhr und bis jetzt ist noch keine Menschenseele zu sehen. Glücklicherweise haben sich die meisten Besucher offensichtlich Zeit gelassen und zum Startschuss für die Vorgruppe Puppy ist das Strøm, die Locations des Abends, halbwegs gut gefüllt. Puppy sind, wenn überhaupt, ein Geheimtipp in Deutschland und die meisten Besucher hatten wirklich keinen blassen Schimmer, was da auf sie zukommt. Um 21:30 Uhr betreten drei Männer die Bühne und siedeln sich optisch irgendwo zwischen einer Garage Rock Band und Limp Bizkit an. Auch als sie zu spielen anfangen, fällt einem die Zuordnung nicht gerade leichter. Harte Riffs treffen auf geradezu poppige Gesangsharmonien; sollten Bands wie Weezer oder Wheatus auf einmal Metallica-Riffs ins Programm nehmen, klänge es in etwa wie diese Band. Nach einer guten halben Stunde wissen die meisten im mittlerweile recht gut gefüllten Club immer noch nicht, was da gerade passiert ist. Einen klaren Wiedererkennungswert hat die Truppe aus England auf jeden Fall, ob das nun gut oder schlecht ist, liegt im Auge des Betrachters.

Mittlerweile ist es schon 22:30 Uhr, als Turbowolf mit „Capital X“ ins Rennen gehen. Zwar war es mehr als ungewöhnlich, dass eine Show unter der Woche zu solch späten Zeiten startet, allerdings tut das der Stimmung keinen Abbruch, im Gegenteil, ein guter Prozentsatz des Publikums hat nämlich dadurch genug Zeit, etwas Energie zu tanken (in Form von Alkohol) und schon beim ersten Song geht es vor der Bühne wild her. Nachdem das neue Album „The Free Life“ erst einige Wochen vor dem Konzert in die Läden kam, sind die neuen Songs noch etwas Neuland für einen Großteil der Anwesenden, aber spätestens zu „American Mirrors“ sitzt der Club wieder textsicher im Sattel und startet in der Mitte auch schon das nächste Rhodeo. Mit „Cheap Magic“ kommt dann gleich der nächste neue Song, denn der gesamte Abend steht natürlich im Licht des neuen Werkes. Mit „Solid Gold“ gibt es nun kein Halten mehr, mit den Worten „This Snake is wrapped around your Neck“ peitscht die optische Reinkarnation von Frank Zappa das Publikum bis zum Limit an, einer der Höhepunkte des Abends.

Mit einer quasi 1:1 gemischten Setlist aus „The Free Life“ und den Klassikern ihrer ersten beiden Alben machen Turbowolf hier alles richtig, was man richtig machen kann. „Blackhole“, „Ancient Snake“, „The Big Cut“ und „Domino“ führen den Abend langsam in Richtung Grande Finale. Mit „Good Hand“ und „Very Bad“ geben sie noch einmal alles, bis die Intermission ihnen eine minimal kurze Verschnaufpause gönnt. Leider folgt dann „A Rose for the Crows“ und „Rabbit’s Foot“, was heißt, der Abend findet gleich ein doch recht frühes Ende. „The Free Life“ beendet einen energiegeladenen, mehr als gelungenen Auftritt und zeigt klipp und klar an, wohin es gehen soll. Selten gibt es in München eine solch starke Performance zu einem solchen Preis, da muss man sich glatt überlegen, warum Bands wie Metallica hier das zehnfache (!) verlangen, denn was Bühnenperformance angeht, sieht man so etwas nur selten, das Turbo in Turbowolf ist spätestens jetzt mehr als verdient.

Setlist: Capital X / American Mirrors / Cheap Magic / Solid Gold / Blackhole / Ancient Snake / The Big Cut / Domino / Good Hand / Very Bad / A Rose For The Crows / Rabbit’s Foot / The Free Life

Bericht: Luka Schwarzlose