„Gemeinsam werden Träume wahr“ – „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ im Gärtnerplatztheater (Kritik)

Die fantasievolle Geschichte rund um einen Oldtimer, der schwimmen, fliegen und scheinbar sogar denken kann, ist seit dem 23. Juni 2019 wieder auf der Bühne des Staatstheater am Gärtnerplatz zu sehen. Bereits 2014 wurde die deutsche Fassung des zum Musical umgearbeiteten britischen Kinderbuchklassiker „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“  als kontinentale Uraufführung präsentiert – damals noch im Prinzregententheater, da das Gärtnerplatztheater sich in Renovierungsarbeiten befand. Der Umzug auf die kleinere Bühne schadet der Produktion jedoch überhaupt nicht, stattdessen wirkt das Spektakel auf Groß und Klein wie ein buntes Feuerwerk. Zahllose Kulissen, Kostüme und Requisiten sorgen für kontinuierliches wildes Treiben und keinen Moment Langeweile.

© Thomas Dashuber

Der Witwer Caractacus Potts möchte seinen beiden Kindern ihren größten Wunsch erfüllen und ihnen das heruntergekommene Rennauto namens „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ schenken, welches ihnen als Spielzeug und als Wegbereiter von allerlei Abenteuern dient. Er tut alles in seiner Macht stehende, um den Wagen zu kaufen und zu renovieren. Die anschließende Freude ist groß und auf einer Testfahrt zum Strand stellt sich heraus, dass das Auto unerwarteter Weise schwimmen kann. Doch ein solch ungewöhnliches Auto zieht schnell die Aufmerksamkeit der falschen Menschen an: Der Baron von Vulgarien will den Wunderwagen als sein persönliches Geburtstagsgeschenk und schickt seine Spione, um ihm das Auto zu bringen. Egal wie. Doch statt das Auto zu stehlen, entführen die Spione den Großvater von Caractacus, da sie ihn fälschlicherweise für den Erfindern des Wunderautos halten. Sofort starten Caractacus, seine Kinder und die abenteuerlustige Truly eine Rettungsmission und finden dabei heraus, dass Tschitti nicht nur schwimmen, sondern auch fliegen kann. Sie folgen den Entführern nach Vulgarien, ein verregnetes Land mit einem kindischen Herrscher und dazu passendem Kinderverbot. Prompt werden die Kinder Potts vom Kinderfänger ebenfalls entführt und nun müssen Caractacus und Truly auch diese aus den Fängen des Barons und der Baronin befreien. Mithilfe von Tschitti und den Einwohnern Vulgariens sprengen sie die Geburtstagsparty des Barons, retten die restliche Familie Potts und setzten das unfähige Regentenpaar ab.

© Thomas Dashuber

Regisseur Josef E. Köpplinger hat in dieser Inszenierung alles aufgefahren, was das Gärtnerplatztheater leisten kann. Chor, Kinderchor, Ballett und Statisterie des Staatstheater am Gärtnerplatz sowie Ensemble und Solisten verwandeln die Bühne abwechselnd in einen Jahrmarkt, eine Süßigkeitenfabrik oder das opulente Schloss des Barons. Die Kulissen werden von Bild zu Bild beeindruckender und zu jeden Zeitpunkt lässt sich etwas außergewöhnliches zum Bestaunen finden. Das original Auto Tschitti in der Londoner Originalproduktion des Musicals hält den Weltrekord als teuerste Requisite mit Produktionskosten von ungerechnet 900.000 Euro. Die Nachbildung in der Münchner Produktion ist gleichermaßen imposant und erstaunlich, auch wenn der Preis hierfür deutlich geringer gewesen sein dürfte. Aber es hat sich definitiv gelohnt. Die Begeisterung im Publikum ist hörbar, wenn das Auto zum ersten Mal abhebt und auch ansonsten sind die Zuschauer voller Faszination und Euphorie.

© Thomas Dashuber

Peter Lesiak (Caractacus Potts) und Nadine Zeintl (Truly Scumptious) geben ein charmantes Paar, in welches sich auch die Zuschauer schnell verlieben. Mit unfassbarer Energie und sichtbarer Spielfreude führen die beiden durch das wilde Abenteuer im fliegenden Auto und können dabei auch zärtliche Sehnsucht und liebevolle Elternliebe in sich vereinen. Im Gegensatz dazu präsentieren Erwin Windegger (Baron) und die fabelhafte Sigrid Hauser (Baronin) die wunderbar schrägen Antagonisten, vor denen sich niemand wirklich fürchten muss. Die Musik aus der Feder der Sherman Brüder, die auch viele Lieder für bekannte Kinderfilme wie Mary Poppins geschrieben haben, erwachen in der erweiterten Orchesterfassung unter der Leitung von Andreas Kowalewitz zu neuer Größe (und ist übrigens auch auf allen Musik-Streaming-Portalen und als CD erhältlich).

Auch dadurch ist diese Produktion gerade für Familien sehr gut geeignet. Die Erwachsenen haben Spaß am humorvollen Hickhack zwischen den facettenreichen Figuren und Kinder werden die vielen Ohrwürmer auch auf dem Nachhauseweg noch vor sich hin singen. Der Charme dieser Inszenierung verzaubert sein Publikum und nimmt jeden mit auf ein fantastisches Abenteuer!

Kritik: Anna Matthiesen