Nothing – The Rasmus im Backstage Werk (Konzertbericht)

Zugegeben, der Wiesn-Wahnsinn befällt derzeit ganz München. Und letztendlich erwischt man sich selbst, dass man auch diesem eigentlich widerlichen Riesen-Event beipflichtet. Am Sonntag, 30. September 2018, glücklicherweise nicht der Fall, denn das Alternativ-Programm ist klar: The Rasmus im Backstage Werk. Die Finnen waren zuletzt 2012 in den heiligen Hallen des Backstages zu Gast, nun mit dem aktuellen Album „Dark Matters“ kehren sie zurück, im Gepäck dabei: The Shiver und Overlaps.

Ärgerlicherweise ist da wohl etwas mit der Kommunikation schiefgelaufen, war der Beginn doch überall klar um 20:30 Uhr mit The Shiver ausgeschildert. Aus dem Nichts beginnen dann aber um 20 Uhr Overlaps, die nirgendwo angekündigt wurden. Fast ein wenig die Band also, die für die Besucher spielt, die extra früher gekommen sind. Die Italiener geben alles, spielen sich mit den Liedern ihres Debüt-Albums die Seele aus dem Leib und können sehr wohl beim bereits eingetroffenem Publikum Eindruck schinden, dennoch haben sie das Pech, noch vor einer halbleeren Halle zu spielen. Unter großem Applaus verlassen sie bereits um 20:25 Uhr wieder die Bühne – ein sehr gelungener Auftakt.

Setlist: Right Or Wrong / Dreams For Sale / On Mondays / Scent Of Rain / Is This Really Love?

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Um 20:40 Uhr erlischt das Licht abermals für den Main Support The Shiver – für manche Besucher wohl die erste Vorband „mit etwas Verspätung“. Die abermals italienischen „Nu Dark Rocker“, wie sie sich selbst betiteln, gibt es schon ein paar Jahre länger als Overlaps und hatten sogar im Jahr 2009 mit „The Fragile Sound“ einen kleinen Szene-Hit. Nun umfasst das 5-Song-Set aber größtenteils das neue Album „Adeline“, welches live ziemlich belanglos daherkommt und wirklich nicht so recht zünden mag. Vielleicht liegt es am ziemlich schlechten Sound, der viel zu leisen Stimme oder einfach allgemein dem teils wirklich nicht erquickenden Gesang. Ein wenig erinnert das alles an Halestorm, nur in cleaner, mit mehr Synthesizer – und leider wesentlich schlechter. Das inoffizielle Battle der Supports gewinnt hier garantiert Overlaps. Sorry.

Setlist: Ocean / Awaiting / Light Minutes / Adeline / The Fragile Sound

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Obwohl beide Supports mit einer arg kurzen Spielzeit abgespeist werden und die Bühne nach faktisch zehn Minuten komplett fertig spielbereit auf die Band wartet, lassen sich The Rasmus unverhältnismäßig lange 30 Minuten Zeit, bevor sie um gegen 21:40 Uhr die Bühne betreten. „F-F-F-Falling“, „Guilty“ und „No Fear“ lassen das alles aber schnell vergessen und garantieren ein Eröffnungs-Trio, das die Menge anheizt und die Band selbst auch zu Höchstleistungen treibt. Gelingen tut das wunderbar, Frontmann Lauri rennt und hüpft wie ein Gummibär über die Bühne und überzeugt bereits ab dem ersten Ton mit seiner glasklaren Live-Stimme. Nur der Sound schwächelt anfangs noch etwas, fast zu leise wirkt das alles. Später pendelt sich alles ein.

Dass die Musiker seit zwei Jahren faktisch die identische Setlist spielen, scheint sie wohl selbst ein wenig genervt zu haben, sodass sie für diese Tour spontan eine Akustik-Session eingeplant haben, in der auch mal unbekanntere oder spontane Stücke dargeboten werden können. In München durfte man sich so auf „Not Like The Other Girls“, „Still Standing“ und, wohl erstmals, eine Akustik-Variante von „Wonderman“ freuen. Leider blieb die Original-Version des mitreißenden Rock-Songs vom neuen Album „Dark Matters“ anschließend aus, wie eigentlich sonst üblich – ein schlechter Deal, bedenkt man, dass ihnen mit dem Lied wohl eines ihrer stärksten Werke überhaupt gelungen ist.

Der Abend gestaltet sich letztendlich wie erwartet: es kommen die großen Hits, das Durchbruch-Album „Dead Letters“ wird großflächig bespielt und auch sonst folgt wenig Überraschendes. Wenngleich die Performance der Band fraglos stark ist, bleibt alles einfach etwas zu unpersönlich, zu unnahbar – im Zusammenspiel mit der Licht-„Show“, die die Band fast durchgehend im Dunkeln lässt, kein guter Schachzug. Ziemlich gemischt dagegen das Publikum – vom Radiohörer, der „In The Shadows“ ach so sehr liebt, zum Gothic-Fan, der die Band aus ihren Dark-Zeiten noch schätzt, bis hin zum Mainstream-Pop-Fan, der besonders die neuesten, elektronischeren Werke aus dem aktuellen Album mag, ist wirklich alles vorhanden. Dennoch bleibt die Stimmung konstant gut, bei allen Liedern wird ausgiebig mitgesungen. The Rasmus geben ihren Fans eben genau das, was sie wollen – aber auch nicht mehr. Dass sie mehr als der lebendige Radio-Hit aus 2003 sind, haben sie bewiesen. Mehr als 85 Minuten solides Konzert ist bei so einer Diskografie und so einem musikalischen Potential aber wohl dennoch zu erwarten.

Setlist: F-F-F-Falling / Guilty / No Fear / Empire / Time To Burn / Immortal / Justify / Nothing / Paradise / Not Like The Other Girls (acoustic) / Still Standing (acoustic) / Wonderman (acoustic) / In My Life / First Day Of My Life / Livin‘ In A World Without You / In The ShadowsZugaben: Holy Grail / Sail Away

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Bericht: Ludwig Stadler
Fotos: Martin Schröter