Yuve Yuve Yu – The HU im Technikum (Konzertbericht)

35 Millionen Aufrufe auf YouTube zählt „Yuve Yuve Yu“ bereits, dazu Airplay bei Radiostationen und allgemeine Bekanntheit, auch der Debüt-Single „Wolf Totem“. The HU haben das geschafft, was man ein Internet-Phänomen nennt. Und dennoch sind sie so viel mehr als das, was die Mongolen zuletzt auf ihrem Erstling „The Gereg“ auf neun Titeln bewiesen – traditionelle mongolische Musik trifft modernen, zeitgemäßen Rock. Wie und ob das nun auch auf der Bühne funktioniert, kann am 30. Januar 2020 im Technikum auch erstmals in München bewundern. Restlos ausverkauft präsentiert sich die Halle, das Publikum könnte unterschiedlicher kaum sein.

Die berechtigte Frage, die sich da stellt: wen oder was kann man vor so einer Musik spielen lassen? Da die Frage schlichtweg kaum geklärt werden kann, gesellen sich die Herren von Fire From The Gods zum Line-Up hinzu, die auf dem gleichen Label beheimatet sind. Die Amerikaner befinden sich nun das allererste Mal in Europa und bringen einen wilden Mix aus Rap, Metal und etwas Reggae mit. Frontman AJ Channer bemüht sich um politische und anfeuernde Ansagen, merkt aber schnell, dass die Musik an sich doch schon aussagekräftig genug ist, denn Titel wie „The Voiceless“ und „Excuse Me“ behandeln Themen wie Rassismus eindringlich und musikalisch druckvoll – ein Statement für eine bessere Welt. Rund 40 Minuten präsentieren sich die Musiker, sichtlich voller Spielfreude, was der deutschstämmige Drummer Richard Wicander in kurzen Ansagen durchhören lässt: „Saugut, dass ihr alle hier seid!“ Fraglos gibt es aber hier einen Genre-Clash: der Musik-Mix aus Rage Against The Machine und Skindred in härter scheint das zu Teilen eher radiofreundliche Publikum zu verunsichern, ob sie denn auf dem richtigen Konzert gelandet sind – die Metal-Fraktion wiederum findet Gefallen an dem Auftritt. Nur etwas besserer Sound dürfte es dann bei der hoffentlich nicht allzu lang andauernden Rückkehr schon sein.

Setlist: The Voiceless / Composition / Another Level / Truth To The Weak (Not Built To Collapse) / In Spite Of Doubt / End Transmission / Fight The World / Right Now / Excuse Me

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Lautstarke „HU“-Rufe, wie man sie zuletzt bei der Teilnahme von Island bei diversen Fußballmeisterschaften vernahm, kündigen um 21:10 Uhr dann die Hauptband des Abends an. Ganze acht Musiker betreten die Bühne, bevor The HU komplett aufgestellt sind und mit „Shoog shoog“ ihr Konzert beginnen. Fraglos ist es schwierig, alle Instrumente so abzumischen, dass gleichberechtigt und zufriedenstellend ein Gesamt-Sound entsteht, dem der Zuschauer Gefallen entlocken kann, aber leider sind sowohl der Gesang als auch die Gitarren so leise zu hören, dass letztendlich nur die etwas matschigen Percussions und natürlich die mongolische Pferdekopfgeige durchschimmern. Das hat zur Folge, dass der an sich schon relativ zähe Start noch mehr an den Geduldsfäden zieht, denn bis das Konzert, die Lieder und auch das Publikum so richtig in Fahrt kommen, vergehen ganze 45 Minuten.

Dann aber wollen The HU es wissen und bringen nicht nur den neuen und äußerst treibenden „Bii Biyley“, sondern auch die bekannten „Yuve Yuve Yu“ und „Wolf Totem“. Letzteres kommt so gut an, dass sie ihn als Zugabe kurzerhand noch einmal spielen – er war es letztendlich auch, den die Band als erstes veröffentlicht haben und der sie mittlerweile weltweit zum angesagten Rock-Act macht. Das bewiesen nicht zuletzt auf dem Wacken Open Air 2019 vor einem riesigen Publikum – es ist eben einfach mal etwas anderes. Die westliche und asiatische bzw. hierbei traditionell mongolische Musik zu kreuzen, mag zwar nicht mehr allzu neu sein, aber in dem Ausmaß ist es bisher nicht betrieben worden. Vielleicht wäre es in Zukunft dennoch ratsam, ein wenig mehr das Augenmerk auf den Live-Faktor zu setzen, denn im Fazit bleibt ein Großteil der Lieder recht untauglich für die Bühne und besitzt auf CD dann doch mehr Flair. Knapp 90 Minuten schaffen die Mongolen dabei trotzdem, bevor sie sich unter fleißigem Jubel verabschieden. Wir sind gespannt, wie es mit The HU weitergeht und ob der Hype, wie er grade lodert, auch bestehen bleibt.

Setlist: Shoog shoog / The Same / The Gereg / The Song Of Woman / The Legend Of Mother Swan / Uchirtai gurav / Shireg shireg / Bii Biyley / Yuve Yuve Yu / Wolf Totem / The Great Chinggis Khan / Black Thunder / This Is The MongolZugabe: Wolf Totem

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Bericht: Ludwig Stadler
Fotos: Ronja Bierbaum