Groupies Forever – ‚The Band – Das Musical‘ im Deutschen Theater (Kritik)

Wie die Zeit vergeht! Kaum zu glauben, aber es liegt tatsächlich schon fast 30 Jahre zurück, dass die britische Band Take That einen Hype auslöst, der an die legendären ‚Beatles‘ erinnert. Gary Barlow, Mark Owen, Howard Donald, Jason Orange und ein gewisser Robbie Williams erobern die Herzen der Teenies im Sturm und schreiben binnen kürzester Zeit Musikgeschichte.

© Petra Schönberger

Der Kult um die vielleicht populärste Boygroup aller Zeiten erlebt nun in „The Band – Das Musical“ im Deutschen Theater München ein Revival und dient als Grundlage für ein Musical-Event, das mit vielen populären Hits und – so verspricht es die Vorankündigung – einer humorvollen und vor allem sehr berührenden Storyline aufwartet. Diese erzählt nicht etwa die Geschichte von Take That oder die Biographien der einzelnen Musiker nach, sondern rückt stattdessen die Freundschaft einer Mädchenclique in das Zentrum ihrer Handlung, die durch ihre gemeinsame Liebe zur Musik und den Boys der Band einen besonderen Zusammenhalt findet. Nach einem Konzertbesuch schwören sich Rachel, Heather, Debbie, Claire und Zoe ewige Treue; das Konzertband am Handgelenk wird zum Symbol ihrer Verbundenheit („The Band“).

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Dann aber schlägt das Schicksal mit gnadenloser Härte zu. Noch auf dem Nachhauseweg, am schönsten Abend ihres Lebens, kommt Debbie bei einem tragischen Unfall ums Leben. Alle Träume und Hoffnungen zerplatzen, Trauer und Schmerz reißen die Gruppe der Teenies auseinander.

Als sich 25 Jahre später die geliebten Idole von früher wieder zusammenschließen und in Prag ein Comeback-Konzert ansteht, findet auch der Rest der Clique wieder zueinander. Die inzwischen erwachsenen Frauen machen sich auf den Weg in die tschechische Hauptstadt und beschließen, die Zeit wenigstens für ein paar Augenblicke zurückzudrehen. Die Reise wird schließlich zum emotionalen Selbstfindungstrip, in dessen Verlauf es den Groupies von einst gelingt, nicht nur ihre Freundschaft zu erneuern, sondern vor allem mit sich und ihrem Leben Frieden zu schließen.

Keine Frage, die Story von Tim Firth hält, was die Vorankündigung verspricht; sie ist witzig und geht tatsächlich sehr unter die Haut! Dass die Geschichte es vermeidet, in ein klischeebeladenes, sentimentales „Rumgewühle in der Vergangenheit“ abzudriften, liegt aber auch am äußerst sympathisch agierenden Cast und dem Kreativteam um Kim Gavin und Jack Ryder. Die Damenriege – und das gilt für beide Generationen – verleiht ihren Figuren sehr viel Charme und stattet sie zudem mit einer guten Portion Selbstironie aus. So entstehen multidimensionale, sich unterschiedlich entwickelnde Charaktere, die man liebgewinnt, mit denen man feiern und lachen, leiden und weinen kann.

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Diese Performance wird durch die äußerst gelungene Gestaltung der Bühne noch unterstützt. Sehr clever und durchdacht entstehen mit Hilfe von Videotechnik, mobilen und wandelbaren Kulissen immer wieder neue Bilder, die die zahlreichen Schauplatzwechsel und Zeitsprünge erst möglich machen. Vor allem die gefühlvollen Momente, in denen die Generationen interagieren und man sich erinnert und zurückblickt, werden so zu kleinen, aber feinen Höhepunkten der etwa zweieinhalbstündigen Inszenierung (inklusive Pause).

Im Gegensatz dazu bleibt der Auftritt der ‚Band‘ und damit die Wiederaufführung von Klassikern wie „Pray“, „Patience“ oder „Back For Good“ ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Die Boygroup, die im Musical namenlos bleibt und von Prince Damien, dem ehemaligen Gewinner von DSDS, angeführt wird, liefert zwar durchaus eine ordentliche Show ab, aber vor allem in den Solopassagen fällt der Gesang etwas dünn aus. So geht ein wenig von der Magie der Songs verloren. Für ein Jukebox-Musical, das diesen Zauber wieder aufleben lassen möchte, ist das sicherlich ein Malus.

Immerhin sind die Lieder sehr stimmig in die Geschichte eingewoben. Die ‚Band‘, die eigentlich gar nicht zur Handlung gehört, kommentiert mit ihren Songs – ähnlich dem Chor in der attischen Tragödie – das Geschehen auf der Bühne. So wird die Musik der Jungs zum ewigen Begleiter; an guten wie an schlechten Tagen – und für Rachel, Heather, Claire und Zoe zur Symphonie ihres Lebens.

Fazit: Ein sehr kurzweiliger und daher zurecht gefeierter Premierenabend. ‚The Band‘ überrascht als gelungener Mix aus Popcorn- und Taschentuch-Musical und ist nicht nur für Fans ein echter Geheimtipp!

Das Deutsche Theater zeigt die Inszenierung noch bis zum 3. November 2019.