The Bay Strikes Back – Testament, Exodus & Death Angel im Backstage (Konzertbericht)

The Bay Strikes Back – Der Name sagt eigentlich alles: Drei Begründer des Thrash Metal aus der berüchtigten Bay Area tun sich zusammen und zeigen Europa, was eine Harke ist. Testament, Exodus und Death Angel lassen dabei München natürlich nicht aus und München dankt es ihnen mit einer ausverkauften Show im Backstage Werk am 21. Februar 2020.

Die ersten Reihen sind bereits zum ungewöhnlich frühen Einlass um 18:00 Uhr besetzt. Zu Beginn von Death Angel ist das Werk schon mehr als gut gefüllt, der Sound von Minute eins an überraschend klar für Thrash Metal, was in perfekter Symbiose zu den eher technisch versierten Death Angel steht. Diese schießen gleich zu Beginn aus allen Rohren und zeigen, in welche Richtung dieser Abend geht. In puncto Bühnenpräsenz und Hitpotential stehen sie ihren vermeintlich größeren Kollegen in absolut nichts nach, lediglich in Spielzeit und offensichtlich Equipment, denn in Mitten des Sets fällt die Lead-Gitarre einen halben Song lang komplett aus. Ansonsten einmal mehr astrein, Death Angel bleiben live eine Macht, die oftmals etwas zu wenig Anerkennung erhält.

Setlist: Humanicide / Voracious Souls / Claws In So Deep / Aggressor / The Dream Calls For Blood / The Moth / Seemingly Endless Time / The Ultra-Violence / Thrown To The Wolves

Als nächstes stehen Exodus auf den Brettern und es ist eine besondere Show: Gary Holt, der bei Slayer für den verstorbenen Jeff Hannemann eingesprungen war, ist nach Abschluss der Abschiedstournee erstmals wieder mit seiner eigentlichen Band Exodus auf Tour. Wer dachte, Exodus hätten über die letzten Jahre bereits alles aufgefahren, was machbar ist, der irrt sich gewaltig, denn mit Gary Holt zurück an seinem rechtmäßigen Platz gibt es neben ein paar Veränderungen in der Setlist, „Deathamphetamine“ ist erstmals seit Jahren wieder dabei, die Exodus-Superlative. Slayer hat Holt gezeichnet, nicht nur in seiner Performance, sondern auch in seinem Auftritt, es wirkt fast, als würde ein kleiner Teil Slayer nun in Exodus weiterleben. Die Synergie auf der Bühne stimmt, es gibt fast eine Stunde alte und neue Thrash-Meisterwerke bis hin zur üblichen Krönung durch „The Toxic Waltz“ und „Strike of the Beast“. Exodus sind stärker denn je und das, obwohl sie nicht einmal ein volles Set präsentieren konnten.

Setlist: Body Harvest / Blood In, Blood Out / Deliver Us To Evil / Fabulous Disaster / Deathamphetamine / Blacklist / Bonded By Blood / The Toxic Waltz / Strike Of The Beast

Nun das Grande Finale: Testament präsentieren sich als klarer Headliner des Abends mit viel Bühnendeko im Stil ihres neuen Albums „Titans of Creation“, das am 3. April erscheint. Erste Notiz des Auftritts? Es ist verdammt laut. Bei Chuck Billy und Co gibt es keine Verschnaufpause, gute 75 Minuten, Walze nach Walze, spielen sich Testament einmal quer durch ihre Diskografie. Mittlerweile ist die Auswahl an Songs so groß, dass sie nicht mehr alle Hits in einem Set unterbringen, daher mussten Größen wie More Than Meets the Eye oder Rise Up weichen, im Gegenzug gab es z.B. mit dem neuen Song „Night of the Witch“ auch Debütanten im Set. Im Vergleich zum letzten Mal ist die durch das üppige Line-Up des Abends leicht geringere Spielzeit fast ein Segen, denn anders als damals wurden die übermäßigen Solo-Passagen einfach aus dem Set verdrängt, die bei ihrem letzten Konzert in München etwas Überhand genommen hatten. Instrumental und koordinationstechnisch sind Testament auf einem hohen Level, nur eines irritiert: Chuck Billy, der viele der Songs seit mehreren Jahrzehnten singt, starrt immer wieder das gesamte Set über in seinen kleinen versteckten Monitor, auf dem die jeweiligen Texte laufen, man sollte meinen, die könnte er bereits in- und auswendig. Davon abgesehen präsentiert er sich in Bestform. Das Abspecken nach vorhergegangenen Herzproblemen hat auch seiner Stimme und Kondition gut getan, vokal überzeugt er heute fast mehr als noch vor 20 Jahren.

Setlist: Eerie Inhabitants / The New Order / The Persecuted Won’t Forget / The Haunting / Greenhouse Effect / Dark Roots Of Earth / Last Stand For Independence / Throne Of Thorns / Brotherhood Of The Snake / The Pale King / Fall Of SipledomeZugaben: Night Of The Witch / Into The Pit / Practice What You Preach / Over The Wall / Disciples Of The Watch

Als nach einer Fünf-Song-Zugabe Schluss ist, möchte man fast noch nicht nach Hause gehen. Was die Big 4 für den etwas „kommerzialisierteren“ Metal sind, ist dieses Dreigespann für den Thrash Metal. Es ist schön zu sehen, dass es immer mehr Thrash-Pakete gibt, die gemeinsam auf Tour gehen, aber dieses ist ein ganz besonderes. Einzige kleine Kritik ist, dass es sich an manchen Momenten des Abends so anfühlt, als wären Exodus und auch Death Angel unterrepräsentiert, etwas zu weit unter dem Headliner Testament. Dennoch ein Abend der beweist, dass auch Thrash Metal magisch sein kann.

Bericht: Luka Schwarzlose