Ancestral – Steven Wilson in der Philharmonie (Konzertbericht)

Steven Wilson gilt als der Fackelträger der modernen Generation des Progressive Rocks. Mit unzähligen Projekten wie Blackfield, Storm Corrosion oder seinem wohl bekanntesten Projekt Porcupine Tree begeistert er seit mehreren Jahrzehnten die elitäreren Gefilde der Musikszene. Nach seinem Auftritt auf dem Tollwood Sommerfestival 2018, der leider nur mäßig besucht war, kam es umso überraschender, dass Wilson bereits ein halbes Jahr später wieder in die Landeshauptstadt zurückkehrt, am 4. Februar 2019 im Rahmen der „To The Bone“-Tour in der Philharmonie München.

(c) Lasse Hoile

Trotz des kurzen Abstands zur vorherigen Show und des denkbar ungünstigen Montags füllt sich die Philharmonie erstaunlich gut, lediglich die obersten Blöcke sind spärlich besetzt. Das Durchschnittsalter ist im Vergleich zum Konzert auf dem Tollwood auch ein gutes Stück angestiegen, was mit großer Sicherheit auch mit der Wahl der Venue zu tun hat.

Überpünktlich um 20 Uhr beginnt das übliche Video-Intro auf der beeindruckenden Leinwand, die vor den Künstlern gespannt ist. Auch tiefer im Set wird die Leinwand immer wieder als zusätzliches Showelement eingesetzt, zum Beispiel um beim Song „Pariah“ die Gastsängerin Ninet Tayeb virtuell mit auf die Bühne zu projizieren. Wie schon beim letzten Mal wird das Set in zwei Hälften geteilt, mit einer viertelstündigen Verschnaufpause in der Mitte. Diesmal allerdings bleiben die Zuschauer auf ihren Plätzen und stürmen nicht zum zweiten Teil vor die Bühne, Standing Ovations ernten die Musiker trotzdem.

In einer seiner langen Ansprachen verspricht Wilson einige Abweichungen zum letzten München-Konzert in der Setlist, allerdings erst im zweiten Teil. Kaum ein Musiker hat ein so breit gefächertes Repertoire an Werken, um durch den Abend zu führen, da ist die Variation zum letzten Mal gerade bei denen, die beim letzten Konzert auch dabei waren, sehr willkommen. Die wohl wichtigsten Änderungen im Vergleich zum letzten Mal sind der Porcupine Tree-Dauerbrenner „Arriving Somewhere But Not Here“ zu Beginn des zweiten Akts und die letzte Zugabe. Viele haben „The Raven That Refused To Sing“ beim letzten Konzert vermisst, doch diesmal ist er der krönende Abschluss eines phänomenalen Abends. Über zweieinhalb Stunden hochklassige Musik wird dargeboten, die man in keine Genre-Schublade stecken kann – gepaart mit den humorvollen und sehr sympathischen Ansagen ergibt sich ein Konzert, das kaum hätte besser sein können.

Setlist Akt 1: Nowhere Now / Pariah / Home Invasion / Regret #9 / The Creator Has A Mastertape (Porcupine Tree song) / Refuge / The Same Asylum As Before / Ancestral

Setlist Akt 2: Arriving Somewhere But Not Here (Porcupine Tree song) / Permanating / Song Of I / Lazarus (Porcupine Tree song) / Detonation / Heartattack In A Layby (Porcupine Tree song) / Vermillioncore / Sleep Together (Porcupine Tree song)Zugaben: Even Less (Porcupine Tree song) / The Raven That Refused To Sing

Bericht: Luka Schwarzlose