Destroy All – Static-X im Backstage Werk (Konzertbericht)

Ein würdiges NuMetal-Revival hat sich da angekündigt für den 13. Oktober 2019 im Backstage Werk! Die Heroen von Static-X, vor vielen Jahren zuerst zusammengebrochen, anschließend durch den Tod von Frontmann Wayne Static scheinbar für alle Ewigkeit begraben, hat sich für eine Tribute-Tour zum 20. Geburtstag des Albums „Wisconsin Death Trip“ wieder zusammengefunden und spielt gemeinsam mit dem geheimnisvollen Masken-Frontmann XerO eine Welt-Tournee. Ein Deutschland-Stopp davon eben in München – gemeinsam mit Wednesday 13, Soil und Dope.

Während die erstgenannten Bands fast schon Dauergäste in Deutschland sind, sieht das bei Dope etwas anders aus – die Herren um Frontmann Edsel Dope sind das erste Mal seit knapp 20 Jahren wieder in deutschen Gefilden zugegen und dabei sogar das allererste Mal in München. Fast eine Schande, dass die Band bereits um 18:40 Uhr anfangen muss und nicht einmal 25 Minuten später wieder das Feld räumt. Ihr eindrucks- und vor allem druckvoller Sound ihrer Alternative Metal-Stücke überzeugt aber selbst zur frühen Stunde vollkommen und gibt vielen Fans der Band die Möglichkeit, nach über zwei Jahrzehnten die Dauerbrenner von „Die MF Die“ bis „I’m Back“ erstmals live zu hören. Ein fantastischer Start in einem tatsächlich schon stark gefüllt Werk – so einen Auftritt will man eben nicht verpassen.

Setlist: Blood Money / 6-6-Sick / Bring It On / Die MF Die / I’m Back / Burn / You Spin Me Round (Like A Record) (Dead Or Alive cover)

Soil am 27.2.18 im Backstage

Anders dagegen Soil, die wenig später ein durchwachsenes und wenig euphorisches Konzert hinterlassen. Zwar findet sich die Musik zwischen Hardrock und Groove Metal ganz solide im Dauerknopfnicken ein, Frontmann Ryan McCombs überrascht dagegen mit relativ schwacher und eher unpassender Stimme für die Lieder. Ansehbar, aber wahrlich nicht weltbewegend. Wednesday 13 dagegen fahren in puncto Show-Elemente massiv auf – am Ende steht der namensgebende Sänger oberkörperfrei mit Zylinder und Regenschirm da und erinnert ein wenig an 80er-Jahre-Zombie-Apokalypse. Die Musik siedelt sich irgendwo im Gothic Metal an und weiß zwar zu gefallen, bleibt allerdings etwas belanglos. Ihr etwa 40-minütiges Spektakel ist allerdings tatsächlich ein gelungenes Aufheizen auf das Kommende.

Setlist Soil: Breaking Me Down / Need To Feel / Pride / Redefine / Give It Up / Black 7 / Unreal / Halo / Black Betty (Lead Belly cover)

Setlist Wednesday 13: Necrophaze / Zodiac / Hail Ming / Astro Psycho – Galactic Blood-Drive / Get Your Grave On / Prey For Me / Decompose / What The Night Brings / Keep Watching The Skies / I Love To Say Fuck (Frankenstein Drag Queens From Planet 13 cover)

Denn Static-X, wie das mittlerweile sehr ordentlich gefüllte Werk beweist, ist in den letzten Jahren fast noch einmal mehr dem üblichen Gedenk-Kult-Faktor verfallen – Frontmann verstorben, Band aufgelöst, Musik aber fantastisch, gibt es das je wieder live? Sicherlich, und das auch zurecht, kann man so eine Tour als Geldschneiderei oder, noch schlimmer, Leichenfledderei betrachten, zudem beide Bandmitglieder, insbesondere Bassist Tony Campos, im Streit von Mastermind Wayne Static dahingingen. Dennoch stellt sich bereits ab Showbeginn um etwa 21:40 Uhr das gesamte Konzert als tatsächlich gelungene Tribute-Show heraus – die Filme auf den LED-Leinwänden sind liebevoll zusammengestellte Bilder von Static, untermalt mit den bekannten Logos der Bands. Dazu, Überraschung, die Musik, größtenteils vom WDT-Album (ganze 10 Titel), aber auch einen Querschnitt der restlichen Diskografie.

Selbstredend auch die Diskussion, wer wohl hinter der Sängerfigur XerO stecken könnte, hat im Backstage eine Frage dargestellt, die im Raum stehen bleibt – und dennoch absolut nicht von Relevanz ist. Das Andenken und die Musik zählen – und diese werden irrsinnig mächtig auf der Bühne gespielt. Der Sound ist laut, hart und sehr definiert, der sagenumwobene Fronter macht seinen Job bestens und die restlichen Mitglieder performen, als wenn es um ihr Leben ging – obwohl es schon gut die 50. Show der gesamten Tour sein dürfte. Eine Pause gibt es kaum, nur gelegentliche Ansagen von XerO, die dann doch ganz stark an Edsel Dope vor ein paar Stunden erinnern. Nach „I’m With Stupid“ und der energiegeladenen Zugabe „Push It“ verabschieden sich Static-X nach atemlosen 70 Minuten von der Bühne. Zurück bleibt ein NuMetal-Abend, an den man sich noch lange zurückerinnern wird.

Setlist: Bled For Days / Wisconsin Death Trip / Fix / Sweat Of The Bud / Love Dump / I Am / Otsegolation / The Trance Is The Motion / Get To The Gone / Black And White / This Is Not / Destroy All / Start A War / Behemoth / Cold / I’m With StupidZugabe: Push It

Bericht: Ludwig Stadler