Ein Spiel von Dualitäten – „Sombra“ im GOP. München (Kritik)

Licht und Schatten, Liebe und Hass, Frau und Mann. Mit all diesen Gegensätzen spielt die neue Show im GOP. Varieté-Theater wie keine andere. Deshalb auch ihr Name: Sombra, spanisch für Schatten. Die Lichteffekte, die Musik, die Artistik. Alles ist auf ein Spiel mit Dualitäten ausgelegt. Und nicht nur diese stehen bei dieser Show im Vordergrund. Der Regisseur Nikos Hippler nimmt uns zudem mit auf eine Reise nach der Frage, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Sombra feierte am 2. September 2020 Premiere am GOP. Varieté-Theater.

© GOP Variete

Der Artist Mikail Karahan führt uns als Protagonist der Geschichte durch den Abend. Sein Weg nach Selbsterkenntnis führt ihn über verschiedenste emotionale Stationen, bis er für sich erfährt, dass er ein einzigartiges Individuum ist und gerade diese Einzigartigkeit ihn besonders macht. Mit viel komödiantischem Talent übernimmt er den Hauptpart des Abends und zeigt neben seinen schauspielerischen Fähigkeiten auch sein artistisches Können in einer ungewöhnlich lustigen Cyr-Nummer.

Mikail begegnet auf seinem Weg zum Beispiel dem Künstler Diego Salles, dessen Vertikaltuch-Artistik das Publikum nicht nur einmal zum Staunen bringt. Desweiteren trifft er außerdem auf das Duo Spirit, bestehend aus Dmitrii Vinokurov und Luiza Vorontsova, die mit ihrer Partnerakrobatik für Gänsehaut und Herzklopfen sorgen. Helena Lehmann steht mit ihrer Dance Pole – Artistik ganz im Zeichen des Titels der Show. Um Liebe vollkommen empfinden zu können, muss auch Traurigkeit erfahren werden. Dies stellt die 34-jährige Ukrainerin durch ihre akrobatische Einlage, in welcher auch ihr Schatten (Sombra) eine führende Rolle spielt, emotional und authentisch dar.

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Die Show lebt von unterschiedlichen Tanzeinlagen, welche die Choreographin Svenja Krebeck mit dem Ensemble einstudiert hat. Diese formen den Abend passend, geben ihm einen Anfang und ein Ende und runden Sombra damit gekonnt ab. Und nicht nur tänzerisch hat diese Inszenierung einiges zu bieten. Das Publikum kann sich zudem auf musikalische Besonderheiten freuen. Der Gitarrist Wolfgang Stute hat extra für die Show neue Gitarrenmusik komponiert, welche dem Zuschauer ein wunderbar klangliches Erlebnis beschert, das sich zudem auch noch perfekt mit den artistischen Einlagen zu einem Gesamtkunstwerk vereint.

Sombra steht somit an diesem Abend für viele verschiedene Dinge: für Mikails Suche nach seinem Selbst, für die Dualitäten, welche sich im Laufe der Show immer deutlicher zeigen wird, und auch für jeden einzelnen Zuschauer, der durch die Show mehr über seine Persönlichkeit erfährt, über die Schattenseiten und auch über jeden Lichtblick des Lebens. Und dieser Abend am GOP. Varieté-Theater gehört zu diesen persönlichen Lichtblicken in jedem Fall dazu.

Kritik: Rebecca Raitz