Irgendwas geht immer schief!? – „Släpstick“ im Prinzregententheater (Kritik)

2017 wurde beim Fringe Festival in Edinburgh das Stück „Släpstick“ aus Dänemark zum Sieger gekürt. Eine hohe Auszeichnung – nun besuchen die fünf Schauspieler, Sänger und vor allem Musiker auch Deutschland und geben sich in vier Shows, angefangen am 1. August 2019, im Prinzregententheater die Ehre. Das Stück ist dabei als eine Huldigung an den Stummfilm zu sehen, auch wenn es alles andere als stumm ist.

Schon vor Vorstellungsbeginn lohnt es sich, Platz zu nehmen, um die Darsteller bei ihren Aktionen zu beobachten. Ob da mit einer geputzten Flinte ein Vogel abgeschossen wird, mit einer Geige Tennis gespielt oder den Männern im Puplikum der Schnauzer schwarz angemalt wird – gleich wird klar, um was es geht: Spaß an der Musik und mit der Musik! Das soll als Quasi-Motto den ganzen Abend begleiten.

© Jaap Reedijk

Das Bühnenbild bilden dabei primär dutzende Instrumente, die an der Bühne lehnen, auf ihr stehen, an ihr hängen und die auch schon mal mit einer Leiter hinunter geholt werden müssen. Prinzipiell steht den Instrumenten ein starker Stellenwert zu; sie werden gesucht und gefunden, zerstört und repariert, es wird mit ihnen geschlagen und geworfen, und manchmal sind sie auch nur Streitobjekt. Die Musik erinnert dabei durchgehend an die 20er- und 30er-Jahre, mit starkem Jazz- und Blues-Einschlag, aber auch Acapella. Nur manchmal bricht etwas heraus, so wenn „Wandrers Nachtlied“ gesungen und inszeniert wird, wie man es bis dahin vielleicht noch nicht erlebt hat.

Die Kostüme passen ebenso in die Zeit, sind aber noch abwechslungsreicher. Von klassischen „Comedian Harmonists“-Kostümen bis Clownsgewändern ist dabei alles dabei und wird auch von den Schauspielern benutzt. Die Kostüme werden zerrissen, verändert, auf der Bühne umgestaltet.

Eine wirkliche Handlung existiert dabei nicht. Alles erinnert viel mehr an einen Zirkus mit unterschiedlichen, bunten Vorstellungen. Ob eine Neuinterpretation von Schwanensee, ein selbstgedrehter Stummfilm mit Livemusik, ein nachgespielter Stummfilm oder ein lauter Marktschreier, der während des Bühnenumbaus mit dem Publikum Dosenwerfen spielt – alles ist dabei. Alles aufzuzählen wäre hier zu viel, aber das Programm ist bunt und groß, und in den ungefähr zwei Stunden, die das Stück geht, bekommt man die gesamte Bandbreite von Klamauk, Clownerie und musikalischer Virtuosität geboten, sogar eine Kissenschlacht.

Abschließend kann man sagen, das mit „Släpstick“ etwas wahnsinnig Tolles gelungen ist. Selten hat man so viel gelacht, selten war man so fasziniert von dem, was gerade ist und so gespannt auf das, was noch kommen wird. Eine Late-Night-Show, wie es sie nur jetzt geben kann.

TICKETS für die Vorstellungen bis 4. August gibt es HIER oder an der Abendkasse!

Kritik: Cedric Lipsdorf