That’s My Jam – Skindred im Technikum (Konzertbericht)

21 Jahre Bandhistorie liegt hinter dem Quartett von Skindred – und noch lange ist kein Ende in Sicht! Erst letztes Jahr erschien mit „Big Tings“ ein neuer Longplayer der Briten, den sie seitdem ausreichend in der Welt betouren, so auch in Deutschland. Grundsätzlich war die Reise dazu bereits im Frühjahr geplant, allerdings musste die gesamte Tour in den Winter gelegt werden, nachdem sie kurzfristig die Möglichkeit erhielten, Disturbed auf ihrer Europa-Tour zu supporten, wie wir berichteten. Nun also, am 11. Dezember 2019, ist es aber soweit und die Crossover-Pioniere machen im restlos ausverkauften Technikum Halt.

Zuerst dürfen aber Blood Command dem Publikum ihre Titel zum Besten geben. Klickt man sich durch die Kommentare ihrer YouTube-Videos, ist von unzähligen Begeisterungsstürmen zu lesen und immer wieder der Frage, wieso diese Band noch so unbekannt sei. Durchaus, die belgische Formation hat druckvolle Lieder im Gepäck und weiß mit Titeln wie „Alarm All Assassins!“ auch extrem mitzureißen. Dennoch beginnt die Musik auf die 35 Minuten Länge bereits arg eintönig zu klingen und die Stimme von Frontfrau Karina Ljone, so stark wie sie auch ist, etwas auf die Nerven zu gehen. Für Skindred aber ohne Frage ein flotter und passender Einheizer, auch wenn das Genre vielleicht nicht unbedingt perfekt passt.

Setlist: Ctrl + Art + Delete / Cult Drugs / Quitters Don’t Smoke / Alarm All Assassins! / High Five For Life / Cult Of The New Beat / S01E02.Return.Of.The.Arsonist.720p.HDTV.x264 / Afraid Of Water / No Thank You, I’m More In To Fake Grindcore

© Paul Harries

Deutlich größer kündigen sich da schon Skindred an, die mit ganzen drei (!) Intros aufkreuzen, bevor sie letztendlich um 21:05 Uhr mit „Sound The Siren“ ins Konzert starten. So richtig einfach ist es wohl nie, ein Mittwochabend-Publikum zu motivieren, aber wenn es jemand schafft, dann wohl Sänger Benji Webbe, der sogleich in die Vollen geht und deutlich macht, dass zurückhaltendes Zusehen keine Option sei. „This is a celebration of life“, wird er dabei immer wieder sagen und es absolut so meinen – spätestens seit der Messerattacke auf ihn weiß er das nur zu gut, aber auch anhand von persönlichen Schicksalsschlägen, wie er zum Song „Saying It Now“ erzählt. Ein guter Freund sei an Krebs gestorben und er habe es immer wieder aufgeschoben, ihn zu besuchen – bis es eben zu spät war. „I’m saying it now, but I wish I said it before“. Den für Webbe so wichtigen Part des Konzerts dürfte aber rund die Hälfte des Publikums komplett verpassen, das sich lieber lautstark (und teils auch lauter als die Musik!) unterhält. Ärgerlich.

Ein wildes Best-Of der gesamten Diskografie der Band steht auf dem Plan in München – aber leider kein ausführliches oder gar mit Raritäten besticktes. Natürlich finden mit „Machine“, „That’s My Jam“ und dem Titelsong drei Werke vom aktuellen Album ihren Weg in die Liederliste, insgesamt findet man aber nur elf Titel darauf, was, trotz kleinen Erweiterungen und ausgiebiger Publikumsanimation, dennoch nur eine Spielzeit von 65 Minuten ausmacht und damit das Konzert bereits um 22:10 Uhr beendet sein lässt. Keine Frage, das Vierergespann weiß die Menge mitzureißen und zählt im Rock- und Metal-Bereich fraglos zu einer der stärksten Live-Acts, die man sich auf einer Bühne ansehen kann – wenn eine Headliner-Show aber einen kaum größeren Mehrwert zu einer Festivalshow bietet, stellt sich die Frage, wieso man genau so ein Konzert besuchen solle, wenn die Briten doch auf der Festivalbühne Dauergast sind. Vielleicht finden Webbe und Kollegen hierbei wieder zu ihrer alten Spiellänge von knapp 90 Minuten zurück – die Performance selbst ist nämlich stärker denn je!

Setlist: Sound The Siren / Pressure / Rat Race / Machine / Ninja / That’s My Jam / Saying It Now / Kill The Power / NobodyZugaben: Big Tings / Warning

Bericht: Ludwig Stadler