Not Gonna Die – Skillet in der TonHalle (Konzertbericht)

Eine Band, die seit 23 Jahren bestehend und mittlerweile erfolgreicher denn je ist, ist nicht nur eine Seltenheit, sondern auch eine Besonderheit. Skillet sind dafür ein glänzendes Beispiel; die amerikanische Rock-Band tourt seit 1996 umher und schafft es, mit ihren zuletzt erschienen Alben „Unleashed“ (2016) und „Victorious“ (2019) ihren Erfolg noch einmal deutlich zu steigern. Das zeigt sich nun auch in Deutschland, in dem die Band auf eine restlos ausverkaufte Tour zurücksehen kann – einschließlich München, in der sie die TonHalle am 2. Dezember 2019 bespielten. Wir waren vor Ort.

Den Anfang machen Devour The Day – und ja, irgendwie denkt man dann doch kurzzeitig, dass da gerade Kurt Cobain am Mikrofon steht und sich durch den mitreißenden Grunge mit Alternative Metal-Elementen spielt. Besser macht es da auch nicht, dass die Musiker mit „Smells Like Teen Spirit“ ein Nirvana-Cover reinwerfen und Frontmann Blake Allison abermals der Hommage alle Ehre macht. Insgesamt fokussieren sich die Amerikaner aber natürlich auf ihre eigene Musik – und die braucht sich nicht zu verstecken. Rifflastig und eingängig präsentieren sich da Werke wie „You And Not Me“ oder „The Bottom“. Leider ist die Stimme deutlich zu leise abgemischt, was wenig Rückschluss auf Melodie oder Texte zulässt. Die 45-minütige Performance bleibt dennoch in bester Erinnerung.

Setlist: Respect / S.O.A.R. / Faithless / You And Not Me / Headspill / Smells Like Teen Spirit (Nirvana cover) / The Censor / The Bottom / Lightning In The Sky / Good Man

Das alles toppen Skillet aber bereits mit dem ersten Ton von „Feel Invincible“ um 21:15 Uhr. Was für ein Sound! In Amerika spielen sie zumeist Arenen oder Open Airs, also kommt die Europa-Tour einer Clubshow gleich – umso erstaunlicher, dass sie weder bei Show noch Sound auf ihren Druck verzichten. Luftsäulen schießen bei „Hero“ empor, die gesamte Band springt umher und das Publikum tut es ihnen gleich – ein Bild, wie man sich ein Rock-Konzert wohl letztendlich nur wünschen kann. Frontmann John Cooper gibt sich glücklich, betont, wie großartig das Publikum sei und sowieso, das Konzert sei ja wohl das heißeste seit Ewigkeiten. Das Wort mag etwas heißen: Skillet spielen jährlich gerne mal bis zu 200 Shows. Ein Wunder, dass die zwei Damen und zwei Herren da immer noch so motiviert sind wie an diesem Abend.

Victorious“ heißt das neueste Werk, welches sogleich mit fünf Titeln begossen wird. Der Fokus liegt allerdings auf dem Vorgänger „Unleashed“, der einen wahren zweiten Frühling für die Band einläutete – aktiv ist die Formation bereits seit 23 Jahren. Eine beachtliche Historie, die nur die Band und auch deren Auftreten spricht: routiniert, aber extrem passioniert musizieren sich Cooper & KollegInnen durch die 18-Song-starke Setlist, Klassiker wie „Comatose“ und „Awake And Alive“ (mit großartigem Keyboard-Intro) inklusive. Nach rund 95 Minuten beenden Skillet den Hexenkessel mit ihrer Zugabe „The Resistance“ – ein lauter, treibender und vor allem erfolgreicher Abend. „Eines der besten Konzerte, auf denen ich je gewesen bin“, sagt ein männlicher Konzertbesucher im besten Alter danach, und wenige dürften da wohl widersprechen können.

Setlist: Feel Invincible / Not Gonna Die / You Ain’t Ready / Whispers In The Dark / Legendary / Lions / Awake And Alive / Back From The Dead / Save Me / Hero / Anchor / Undefeated / Victorious / Stars / Comatose / Monster / RebirthingZugabe: The Resistance

Bericht: Ludwig Stadler