„Ich bin ein Goldfisch“ – „Sinn“ im Marstall (Kritik)

Kinder wollen endlich erwachsen sein. Erwachsene sehnen sich danach, wieder Kind sein zu dürfen. Dazwischen befindet sich die Grauzone der Jugendlichen, ein Zeitraum voller Verwirrung, Entdeckungen und Erfahrungen. Genau dieser Zone, die eigentlich jeder Mensch einmal durchgemacht hat oder noch durchmacht, widmen sich die Regisseurinnen Raphaela van Bommel, Anna Horn und Anja Sczilinski in „Sinn“, geschrieben von Anja Hilling. Es ist die neuste und leider letzte Produktion der Intergroup des Jungen Resi im Marstall des Residenztheaters und die seit dem 27. April 2019 spielende Inszenierung mit 38 Jugendlichen ist ein abschließender Höhepunkt.

© Konrad Fersterer

Es ist ein lauer Sommerabend, eine Gartenparty, Lagerfeuer und Musik. Ab hier dringt man ein in das Leben der Jugendlichen und verfolgt sie auf ihrem Irrweg durch die Pubertät. Egal ob erste Liebe, Streit zwischen Kindergartenfreunden oder erste Begegnungen mit Randgruppen – auf der minimalistischen Bühne entsteht kunstvoll ein eng verwobenes Netz aus Geschichten und Emotionen. Eingebettet in die Themengebiete der fünf menschlichen Sinne kann das Publikum fünf individuelle Menschenpaare beobachten, wie sie Entscheidungen treffen, über ihre Unsicherheiten nachdenken und an ihre Grenzen stoßen.

© Konrad Fersterer

Dabei spielen die beteiligten Jugendlichen der Intergroup nicht nur hervorragend ihre Rollen, sondern absolvieren choreographische und chorische Auszüge mit ansteckender Begeisterung und überraschendem Talent. Messerkampf, Verfolgungsjagd und der erste Kuss werden von den jungen Schauspielern höchst authentisch dargestellt und machen beim Zuschauen großen Spaß. Der Stil der drei Regisseurinnen wirkt zusammen mit den zahlreichen choreographischen Elemente von Annerose Schmidt kurzweilig und zeitgemäß. Statt das Leben Jugendlicher für ein Publikum verständlich zu machen, werden die Zuschauer von den Lebensgeschichten und Charakteren abgeholt und in der Zeit zurück versetzt. Hierbei gewinnt das Publikum nicht nur Einblicke in die jüngere Generation, sondern kann auch selbstständig Vergleiche mit den eigenen Erwartungen und Erinnerungen ziehen.

Diese Produktion ist wirklich beeindruckend und empfehlenswert für Jung und Alt, genauso wie für Schulklassen oder Gruppenexkursionen. Die sehenswerte Leistung aller Beteiligten verdient höchsten Respekt und lässt hoffen, dass auch unter der neuen Intendanz des Residenztheaters solche Jugendprojekte durchgeführt werden.

Kritik: Anna Matthiesen