Submit To Self-Destruction – Shining im Backstage (Konzertbericht)

Nach der Kontroverse um die Absage der Band Mgla im Backstage hatten viele vorab bereits ihre Bedenken geäußert und damit gerechnet, dass es ebenfalls abgesagt wird. Diesmal jedoch haben Fans des kontroverseren Black Metal-Band Glück gehabt, denn Shining dürfen spielen. Aber wie kontrovers sind Shining denn wirklich?

Shining am 31.3.18 im Backstage

Am Sonntag den 26. Mai 2019, findet nicht nur die wohl unspektakulärste Meisterfeier des bisherigen Jahrtausends statt, sondern auch Shining mit Support Srd. Letztere machen pünktlich um 20 Uhr den Anfang, in schöner Black Metal-Manier mit Corpsepaint und düsterem Licht. Die Atmosphäre stimmt und der vordere Bereich der Backstage Halle ist recht voll, was allerdings auch daran liegt, dass die Halle ab der Mitte abgehängt wurde. Trotz des üblichen, sonntäglichen „Am nächsten Morgen ruft die Arbeit“-Blues entsteht binnen von Minuten die gewünschte Black Metal-Atmosphäre, mitwippende Köpfe und obligatorische Hörner in der Luft, dazu eine geballte Ladung an modernem Black Metal, der an manchen Stellen an zum Beispiel die neueren Werke von Darkthrone erinnert. Bereits im Vorfeld der Tour hat Shining-Frontmann Niklas Kvarforth kräftig die Werbetrommel für ihren Toursupport gerührt und sie in höchste Himmel gelobt, diesem Lob werden sie größtenteils auch gerecht, dennoch bleibt nach dem Auftritt nicht allzu viel hängen.

Nach den Slovenen leert sich die Halle erst einmal gewaltig. Als Shining anfangen zu spielen, sind gerade einmal die ersten drei Reihen dicht besetzt, erst im Laufe des ersten Songs füllt sich der Bereich vor der Bühne etwas mehr. Die Band zeigt sich musikalisch von ihrer absolut besten Seite, um Längen besser als noch vor zwei Jahren auf dem Dark Easter Metal Meeting oder ihrer Co-Headline-Tour mit Taake. Die Mischung aus fast schon akustischen, melancholischen Teilen mit warmen, aber doch gequälten Gesang und den schnellen Black Metal-Passagen ist einfach unverwechselbar. Mit komplett zerschnittenen Armen und dem typischen Bandana ist Sänger Kvarforth auf der Bühne komplett in seinem Element. Er springt zwischen Melancholie und Wut, zwischen Obszönitäten und Theatralik. Viele, die Shining schon lange verfolgen, werden allerdings gemerkt haben, wie der Sänger über die letzten Jahre deutlich ruhiger geworden ist. Die Zeiten in denen das Publikum körperlich angegriffen wird und sich im Alkoholrausch auf der Bühne die Arme aufgeschnitten werden, ist lange vorbei, dafür ist die musikalische Leistung um einiges gestiegen. Natürlich gab es in seiner energiegeladenen Performance immer noch genug Spielraum für die eine oder andere verstörende Aktion Richtung Publikum, von abgelutschten Fingern bis hin zum Anspucken mit dem eigenen Bier ist alles dabei. Von wirklicher Konfrontation fehlt dennoch jede Spur, wahrscheinlich sehr zur Freude der ersten Reihe. Nach gut eineinhalb Stunden ist dann allerdings Schluss mit den doch zu einem hohen Grad verstörenden Texten und der musikalischen Achterbahnfahrt. Man könnte meinen, Kvarforth hatte sogar Spaß, ja, für einen kurzen Moment wirkt es so wie ein kurzer Moment der Schwäche, der Fröhlichkeit.

Ein wirklich (auf seine Weise) grandioses Konzert endet, doch die Debatte um den Black Metal in München scheint sich noch nicht gelegt zu haben. Viele der Gäste sind mit Merchandise der Band Mgla gekleidet, aus Solidarität und vor allem Protest. Man merkt auch deutlich, dass die Kernszene des Black Metals in München die Veranstaltung gemieden hat und der Boykott spiegelt sich leider auch klar in der Zuschauerzahl wieder. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich diese Situation bald wieder einpendelt, aber seien wir ehrlich, spätestens zum Dark Easter Metal Meeting nächstes Jahr ist alles vergeben und vergessen.

Setlist: Yttligare ett steg närmare total jävla utfrysning / Jag är din fiende / Besvikelsens dystra monotoni / Vilja & Dröm / Framtidsutsikter / Svart ostoppbar eld / Förtvivlan, min arvedel / Han som lurar inom / Submit to Self-Destruction / Låt oss ta allt från varandra / For the God Below

Bericht: Luka Schwarzlose