Lucky Day – Sasha im Deutschen Museum (Bericht)

Trust me, when I say – today’s your lucky day! Ihr „Glückstag“ sei es heute, sagt Sänger Sasha, und grinst wie ein Honigkuchenpferd. Wer kann es ihm verübeln, nach einer abgesagten Tournee und einem wahrscheinlich mehr oder minder eigenartigem Autokino-Konzert ist so ein Auftritt in heimeliger Atmosphäre vor echtem Publikum in kleiner Runde ein wahrer Glücksgriff. Am Mittwoch, 19. August 2020 und den Folgetag, den 20. August, steht Sasha auf der Bühne des Eulenspiegel Flying Circus im Innenhof des Deutschen Museums– und damit ist es Inhaber Till Hofmann nach Langem endlich gelungen, den Popsänger im Namen von Eulenspiegel Concerts nach München zu holen. Auch wenn die Bedingungen ein wenig anders sind.

Das Wetter spielt in jedem Fall vollends mit, ebenso das Publikum, das sich größtenteils aus Pärchen und Freundinnen-Ansammlungen um die 50 Jahre zusammensetzt, gelegentlich einige jüngere Gesichter dazwischen. Bevor der norddeutsche Barde loslegt, entert mit Jacob Brass ein junger Singer/Songwriter die Bühne, dem die Ehre gebührt, den Abend mit drei eigenen Liedern zu eröffnen. Allein Gitarre und Stimme, bringt er die rund 250 Zuhörer langsam in Stimmung und sogar noch zum Mitsingen, bevor er nach kurzen 15 Minuten schon wieder das Podium verlässt. Weniger fesselnd, aber allemal entspannt.

Setlist: Lost in Beijing / American Dream / Mystery Road

(c) Olaf Heine

Größer ist da der Jubel, als Sasha und seine vierköpfige Band zur Primetime gen Bühne schreiten und ohne Pause mit „Good Days“ loslegen. Einzig mit akustischen Gitarren, einem Akustik-Bass und etwas Percussion werden die Lieder erzeugt, die den Sänger seit teilweise 22 Jahren begleiten und durch eine durchaus beachtliche Karriere gebracht haben. Dabei spannt er den Bogen tatsächlich vom Durchbruch-Song „If You Believe“ bis zum neuesten Feuerzeug- und Handylicht-Schwenker „Lichterketten“. Mittendrin: Ausgewähltes aus „Schlüsselkind“, Best-Of-Songs und mit „Hard To Handle“ auch noch ein geliebtes Cover des Wahl-Hamburgers. An sich ein guter Weg – wenn nicht nach 60 Minuten bereits Schluss ist und die Musiker nach gerade einmal 10 Songs die Bühne um 21:15 Uhr verlassen. Keine Frage, die (recht unsinnige) Regelung von maximal 90 Minuten ist eine einschränkende Vorgabe, aber da wäre dennoch deutlich mehr drin gewesen, zudem Sasha doch im Laufe der Zeit mehr als 10 Lieder gesungen hat.

Dennoch feiert das Publikum jede Minute des Konzerts – zurecht! Sowohl die Instrumentalisten als auch Sasha selbst präsentieren sich in Höchstform, spielen sich stimm- und tonsicher durch die Lieder und motivieren das Publikum, natürlich im Rahmen der Vorschriften, zum Mitmachen, Mitsingen oder maskierten Mittanzen. Vielleicht liegt es am lauen Sommerabend, vielleicht an der schönen Location, vielleicht an der entspannten Unplugged-Musik oder wahrscheinlich an einem Mix von allem zusammen – aber so nah an einem Prä-Corona-Konzertabend ist bisher keine Veranstaltung gewesen. Auch wenn die Witze von Sasha immer noch nicht die allerbesten sind, sprüht er vor fast kindlicher Freude, endlich wieder ein, zumindest gedanklich, greifbares Publikum vor sich zu haben. Und das Publikum tut es ihm gleich, gibt Liebe zurück. Das nächste Mal, auch in solchen Zeiten, nur bitte etwas länger. Turn it into something (more) special!

Setlist: Good Days / Polaroid / Slowly / I Feel Lonely / Lucky Day / Hard To Handle (Otis Redding cover) / Lichterketten / Rooftop / This Is My Time – Zugaben: If You Believe / Der Junge

Bericht: Ludwig Stadler