Rockavaria 2018 – Tag 1 mit u.a. Iron Maiden (Festivalbericht)

In der Stadt ist wieder etwas los! Samstag, 9. Juni 2018, der Königsplatz ist Ziel der Wanderung, denn: das Rockavaria 2018 startet und mit ihm der Tag um Headliner Iron Maiden, Daneben natürlich ebenso Hochkaräter wie Arch Enemy und Killswitch Engage. Bestes Wetter, etliche Leute und eine tatsächlich sehr zentrale und schöne Location – die Zeichen stehen bestens und alle sind äußerst gut gelaunt. Der Einlass verläuft etwas zögerlich, aber dennoch: irgendwann hat man es geschafft und kann auf das Gelände.

Gleich zu Anfang etwas verwunderlich, wenngleich schon früher bekannt: die Bühne steht nicht, wie üblich, vor den Propyläen, sondern gegenüber. Ob aus Platzgründen, das wird nicht ganz ersichtlich, in jedem Fall geht zwar ein wenig vom mächtigen Anblick verloren, stört ansonsten aber wenig. Der Übergang zum ersten Wellenbrecher ist örtlich schlecht gelegen beim Rollstuhlfahrer-Aufgang und allgemein an einer der am meisten besuchten Wege – da summiert sich die Menge an quengelnder Leute, die unbedingt nach vorne wollen. Respekt hierbei übrigens an das Security-Personal, das trotz Regen und Besucher-Ströme sich nur selten aus der Ruhe bringen lässt und die mehr oder minder sinnvollen Vorgaben gut umsetzt. Kulinarisch gibt es das übliche Food-Allerlei zu eher hohen Preisen, aber dennoch, man kommt gut über den Tag, trotz des unfairen Wiedereinlass-Verbots. Die Maiden-Fans lassen sich nicht beirren, denn alle Zeichen stehen auf Rock und nicht auf Meckern!

Johnny Gallagher & The Boxtie Band, tuXedoo und The Raven Age haben die Ehre, als die ersten Bands den leider doch noch etwas wenigen Gästen gut einzuheizen. Vor allem letztere überraschen mit fetzigen Hard Rock, der auch auf härtere Gefilde zugeht – sehr cool!
Auf der Nebenbühne, der Green Stage, starten Monuments und danach die grandiosen Speed-Power-Metaller von DragonForce. Das Interesse an den Musikern ist wohl so hoch, dass bereits 30 Minuten vor Beginn der Zugang abgesperrt ist – schade, hier wäre wohl eine Verlegung auf die Hauptbühne klüger gewesen.
Der Rückweg führt an den einzigen Toiletten auf dem gesamten Gelände vorbei, erschreckend wenige mit endlos langen Schlangen. Allgemein ist die WC- und Sanitärsituation fast unterirdisch und dementsprechend grenzwertig die Lösungen – alle männlichen Besucher pinkeln kreuz und quer einfach überall hin (auch mehrfach vor das Pressezelt), selbst manche weibliche greifen aus purer Alternativlosigkeit zur Gebüsch-Variante. Das ist widerlich und ekelhaft – aber herrgott, was soll man denn sonst auch tun, wenn die Klo-Wartezeiten die 30 Minuten weit übersteigen?

Währenddessen starten pünktlichst um 17:30 Uhr die Metalcore-Giganten von Killswitch Engage. Sie sind der ganz offizielle Support von Iron Maiden und daher nicht nur auf den Solo-Shows als Support, sondern auch auf den Festivals mit dabei. Jesse Leach, Frontmann der Truppe, stürmt bereits beim Opener „Strength Of The Mind“ hochmotiviert die Bühne und liefert gesanglich eine äußerst gelungene Performance ab. Auch die restlichen Musiker wirken keinesfalls overacted, einfach nur sehr froh, bei bestem Wetter ihre Songs darbieten zu können. Das allerdings verzieht sich mit der Zeit ein wenig, sodass die Herren spätestens gegen Ende mit u.a. „Rose Of Sharyn“ und „My Curse“ im Nasselregen spielen. Keine weitere Beeinträchtigung – so werden die Amerikaner nach dem kultigen „Holy Diver“-Cover unter Applaus entlassen. Direkt anschließend schüttet es in Strömen.

Setlist: Strength Of The Mind / A Bid Farewell / Life To Lifeless / This Is Absolution / Alone I Stand / Beyond The Flames / Hate By Design / Always / My Last Serenade / Rose Of Sharyn / The End Of Heartache / My Curse / In Due Time / Holy Diver (Dio Cover)

Trotz des kurzzeitigen Schauers lassen sich die Besucher des inzwischen fast komplett gefüllten Königsplatzes nicht beirren und streifen in Richtung erster Wellenbrecher, um die Melodic-Death-Metal-Instanz Arch Enemy zu sehen. Leider wird der vordere Bereich um kurz nach 19 Uhr wegen Überfüllung gesperrt, zeitgleich mit dem Start der Schwergewichter, die den Status des Headliners übernehmen dürfen. Die Schweden rund um Front-Grunzerin Alissa White-Gluz steigen lautstark mit ihrer Single „The World Is Yours“ ein und lassen den historischen Platz doch ein wenig mit ihrer wuchtigen Musik erbeben. Man muss allerdings doch Fan sein, um die relativ eintönigen Werke über 60 Minuten wirklich enthusiastisch zu lieben – und die gibt es zu Genüge, bedenkt man ihren Ausverkauf der TonHalle, erst im Januar. Nichtsdestotrotz ist es genug der ganz harten Musik, als um 20 Uhr der letzte Ton erklingt und der Umbau zum Headliner des Abends startet. Und diese Zeit stellt sich wie immer gleich heraus – sehr langwierig.

Setlist: The World Is Yours / War Eternal / My Apocalypse / The Race / You Will Know My Name / The Eagle Flies Alone / First Day In Hell / As The Pages Burn / We Will Rise / Nemesis

Um 21 Uhr ist es dann endlich soweit: alles lichtet sich und „Doctor Doctor“, das übliche Opening, brummt in den Boxen. Kurz danach: Iron Maiden entern die Stage mit „Aces High“ – und wie! Denn kurzerhand taucht einfach ein Flugzeug hinter der Bühne auf, welches in alle Richtungen herumbaumelt – kurzzeitige Sprachlosigkeit inkludiert. Allgemein leben Maiden natürlich wie immer stark von ihrer Show. Im Laufe des Sets sollte sich bei jedem Song ein neuer Hintergrund-Banner erblicken lassen, später wird aus dem Dschungel-Bild eine große Kathedrale. Wie eine kleine zelebrierte Messe, so in etwa kommt einem das Konzert auch vor – nicht die okkulten Opfermessen des Black Metal, nein, eher wie die fetzigen Varianten zum Mitsingen und Headbangen. Unglaublich.

Die Setlist selbst lässt keine Wünsche offen – lange nicht mehr gehörte Klassiker wie „Flight Of Icarus“ gesellen sich zu liebgewonnen, neueren Stücken wie „For The Greater Good of God“ – und ja, freilich gibt es auch „Fear Of The Dark“ und „The Number Of The Beast“. Frontmann (oder eher Front-Beast?) Bruce Dickinson fetzt über die Bühne wie eine wildgewordene Tarantel, zieht sich bei fast jedem Song komplett neu an und schmettert währenddessen die höchsten Töne problemlos ins Mikrofon – wie lange er das Pensum wohl noch halten kann? In München hat er es – und der Königsplatz (übrigens die perfekte Location für ein Maiden-Konzert!) dankt es ihm, indem er besonders laut schreit, wenn es wieder heißt: „Scream For Me, München!“

Mit „Run To The Hills“ endet dann auch nach zwei Stunden das mächtige Set von Iron Maiden und damit der erste Rockavaria-Tag. Die Bands haben geliefert, die Stimmung war trotz Regen ausgeglichen als auch wunderbar und der Besucher-Andrang groß. Einige organisatorische Schwierigkeiten tun sich noch auf – aber Tag 2 kann kommen!

Bericht & Bilder: Ludwig Stadler