Fühl Mi Guad – PULS Startrampe LIVE im Muffatwerk (Festivalbericht)

Dass die ersten 250 Gäste ein Freibier bekommen, passt zu einem Festival in München. Gemütlich stehen einzelne Grüppchen draußen vor dem Muffatwerk, den gefüllten Plastikbecher in der Hand. Alters- und stylemäßig sind sie durchmischt; Hipster stehen neben älteren Ehepaaren, stehen neben Junggebliebenen. Sie eint das Interesse an neuer Musik. In den drei Locations des Muffatwerks, also im Ampere, Muffatcafé und in der Muffathalle spielen am 8. September 2018 MusikerInnen im Rahmen des Puls Startrampe Festival.

Das Format Startrampe des Radiosenders Puls gibt es seit 2009. Junge Bands und KünstlerInnen werden mit der Kamera begleitet; dabei kommt es oft zu Live-Sessions oder anderen Aktionen mit den Bands. Die bekanntesten Teilnehmer sind wohl AnnenMayKantereit und Milky Chance, die damals als Newcomer mitmachten und inzwischen die großen Konzerthallen füllen.

Für das Puls Startrampe Festival kamen jetzt junge MusikerInnen zusammen, die in der Vergangenheit ebenfalls schon von Puls begleitet wurden. Die meisten KünstlerInnen überschneiden sich zeitlich, deswegen herrscht ein Kommen und Gehen – man will ja alles ein bisschen mitkriegen.

Rikas

Rikas (Ampere): Die Band aus Stuttgart macht den Anfang und läuft pünktlich um 20:30 Uhr zu ABBAs Evergreen „Dancing Queen“ ein. Das gibt einen guten Vorgeschmack auf das, was folgt: beschwingter, eingängiger Indie-Pop mit tropischen Beats. Oberlippenbart und lockere, eingesteckte Hemden passen dazu. Die Jungs singen oft in der Kopfstimme, das erinnert an Prince. Ein Gitarrensolo, bei dem mithilfe eines roten Klappstuhls die Saiten gedrückt werden, ist ein Highlight. Am 7.12. kommen sie zurück nach München ins Zehner.

Cosby (Halle): Das instrumentale Intro ist vielversprechend, aber leider klingen die Lieder der vierköpfigen Band live nach Mainstream-Charthits – eher austauschbar, eher unoriginell. Pop mit Beatdrops. Frontsängerin Marie Kobylka ist bemüht und springt viel herum. „Kommt doch alle ein bisschen nach vorne!“, fordert sie das Publikum auf. Alle zögern ein bisschen. Der Funke mag nicht so richtig überspringen.

Blackout Problems im April 2018 im Zenith

Blackout Problems (Ampere): Das ist Rock! Die vierköpfige Münchner Band betritt die Ampere-Bühne und powert richtig, Leadsänger Mario Radetzky ist schon während des ersten Songs unten im Publikum. Es gibt viele Gitarrenwechsel, verzerrte Stimmen durch ein zweites Mikrofon und sehr viel Energie. Ein Mini-Moshpit bildet sich, die meisten tanzen. Am 11.12. spielen sie im Technikum!

Mine & Fatoni (Halle): Von der Sängerin und dem Rapper als das letzte gemeinsame Konzert angekündigt. 2017 brachten die beiden zusammen das Album „Alles Liebe nachträglich“ raus. Wenn sie zusammen ihre Songs „Aua“ oder „RomCom“ performen, ist das, als ob sie Geschichten erzählen. Es herrscht eine Zuhör-Stimmung. Mines halbgute Witze haben keinen so guten Anklang beim Münchner Publikum, sie wirkt verwundert. Fatoni nimmt seine Heimatstadt in Schutz: „Sind halt gmiatlich!“ Die beiden haben auch Solo-Parts; bei Fatoni wird gebounct wie bei Rapkonzerten; Bei Mine wird zugehört, wenn sie mit ganz starker Stimme „Der Mond lacht“ singt. Das Duo ergänzt sich.

Liquid & Maniac (Ampere): „The Gaudi is real!“, hört man während des Auftritts der zwei bayerischen Rapper Liquid & Maniac oft. Eine gewisse Komik hat es schon, wenn zu Gangsta-Beats über eine „Zwieblsupp’n“ gerappt wird, aber das macht den Reiz aus. Rap auf Bayerisch – das geht. Gegen einen Polizeistaat, gegen Monsanto, die zwei trauen sich an umstrittene Themen ran. Ihre Freestyles sind stark.

© Paper Plane Records

Alice Merton (Halle): Sie ist der Headliner des Abends. In ihrem Hit „No Roots“ besang sie ihre Heimatlosigkeit, in München wohnte sie für einige Jahre. Dahin kehrt sie jetzt zurück für den Auftritt. Sehr professionell wirkt sie, aber im positiven Sinne. Dass sie gerade international tourt und inzwischen mehr Bühnenerfahrung hat, merkt man ihr an. Bei vergangenen Auftritten wirkte sie doch noch sehr aufgeregt. Das sagt sie zwar auch an diesem Abend, dass sie sehr aufgeregt ist und die Ansagen lieber auf Englisch macht, weil sie auf Deutsch unsicherer ist, aber das beeinträchtigt nicht die Top-Performance. Zwischen den Songs erzählt sie Geschichten, u.a. wie sie mit einem Kumpel eine eigene Plattenfirma gründete, weil kein Label sie haben wollte. Das wirkt alles sehr sympathisch und authentisch. Das Münchner Publikum wippt mit, aber die Stimmungsexplosion bleibt aus, was nicht an Alice Merton liegt. Gmiatlich halt. Ihre neue Single „Why So Serious“ als Zugabe funktioniert und bleibt im Ohr. Da kann man auf das Album Anfang nächsten Jahres gespannt sein.

Fazit: Puls hat einen genrevielfältigen Festivaltag auf die Beine gestellt, uns gefällt das!

Bericht: Katharina Holzinger