Alive – P.O.D. im Backstage (Konzertbericht)

„I feel so alive“, sangen P.O.D. erstmals 2001 – vor 18 Jahren! Der Song mag inzwischen volljährig sein, dessen Eltern sind aber immer noch so motiviert wie am ersten Tag. Mit „Circles“ erschien 2018 das vielleicht beste Album der Band, energie- und kraftvoll wie zuvor, aber auch neuartig und experimentell. Kein Wunder also, dass die Süd-Kalifornier damit auch auf Tour gehen wollen. Im Rahmen ihrer Europa-Tour kommen sie auch für wenige Auftritte nach Deutschland – einer davon am 19. Februar 2019 in der Backstage Halle. Mit dabei als hochkarätiger Special Guest: Alien Ant Farm! Na denn: rock the party!

Erschreckend früh erklingen die ersten Töne aus der Anlage, denn bereits kurz nach 19 Uhr entern ’68 die Bühne. Das Duo, bestehend aus Gitarrist Josh Scogin und Schlagzeuger Michael McClellan, hat sich ohrenscheinlich dem Noise Rock verschrieben und zelebriert diesen in alle seiner rohen Wucht, als wäre die Bühne der Proberaum, in dem man die Liedideen das erste Mal testet. Keine Frage, beide Musiker sind fähige Instrumentalisten, vor allem Drummer McClellan, nichtsdestotrotz geht die eigenwillige Musikart schnell auf die Nerven. Innerhalb der energetischen Performance wird auch noch das Schlagzeug während des letzten Songs nach und nach abgebaut – ein spannender Einfall, der das Set nach ausreichenden 30 Minuten beendet.

Alien Ant Farm am 27.2.18 im Backstage

Wesentlich angepasster agiert da die folgende Band: Alien Ant Farm. Um 20 Uhr starten die Alternative Rocker mit „Bad Morning“ ihr Set und können ab der ersten Sekunde bei wirklich starkem Klang zeigen, dass sie in all den Jahren nichts verlernt haben. Denn fraglos, die große Zeit der Band ist längst vorbei. Das wissen sie wohl auch selbst und gestalten das Set dementsprechend nostalgisch größtenteils aus Liedern der Alben „ANThology“ (2001) und „TruANT“ (2003). Von „Movies“ bis „Attitude“ gibt es den ultimativen Querschnitt von der Musik, die das Publikum garantiert damals bei MTV („These Days“) oder Tony Hawk („Wish“) gehört hat. Ein Cover von Bad Brains gesellt sich auch dazu, bevor man mit der bekannten Version von „Smooth Criminal“ nach etwas über 50 Minuten wieder die Bühne räumt. Sympathisch und spielerisch stark – und scheinbar schwer zu steigern für die Nostalgie-Liebhaber im Publikum.

Setlist: Bad Morning / What I Feel Is Mine / Movies / These Days / Wish / Never Meant / Attitude / Courage / Lord Knows / Gene Machine/Don’t Bother Me (Bad Brains cover) / Goodbye / Smooth Criminal (Michael Jackson cover)

Aber bereits beim Opener „Boom“ wird klar, dass P.O.D. die Stimmung auf ein anderes Level treiben. Die Amerikaner sind schon länger nicht mehr hier gewesen, zuletzt vor sechs Jahren – höchste Zeit ist es also geworden, was sich auch mehrere Hundert Besucher gedacht haben, die das Konzert bereits gut im Vorfeld ausverkaufen. NuMetal sells, zumindest in München – das zeigt sich auch daran, dass diese Konzert den größten Bewegungsgrad mit sich bringen: bei „Rock The Party (Off The Hook)“ und „Soundboy Killa“ tobt der Moshpit ohne Unterlass. Das erinnert schon alles sehr an die Anfangstage und ist nur mehr ein weiteres, gutes Beispiel dafür, dass die Musik wahrlich zeitlos ist.

Frontmann Sonny glänzt dabei ab der ersten Sekunde in Rap, Gesang und Shouts, während er ohne Unterlass über die Bühne rast und die Stimmung zu keiner Sekunde abreißen lässt. Nur bei „Circles“, dem etwas balladesken Titelsong des neuesten Werkes, lässt er ein wenig Entspannung zu – vielleicht kommt das Lied auch genau deshalb so gut an. Ansonsten hält man sich aber an die überraschend vielen lauten Nummern des Albums und die alten Klassiker. Sogar einen scheinbar ungeplanten Zugabenblock geben die Kalifornier, bevor sie um kurz vor 23 Uhr ihr erfolgreiches Gastspiel umjubelt beenden. P.O.D. sind auch nach 26 Jahren immer noch so „Alive“ wie am ersten Tag.

Setlist: Boom / Rock The Party (Off The Hook) / Will You / Panic Atack / Rockin‘ With The Best / Soundboy Killa / Always Southern California / Circles / Satellite / Southtown / On The Radio / Youth Of The Nation / Beautiful / Alive / Listening For The SilenceZugaben: Set It Off / Without Jah, Nothin‘ / Murdered Love

Bericht: Ludwig Stadler