Funhouse – P!nk im Olympiastadion (Konzertbericht)

Die Besuche der ganz großen Superstars in der bayerischen Landeshauptstadt scheinen kein Ende zu nehmen und erreicht nun einen neuen Höhepunkt. Niemand geringeres als P!nk, die amerikanische Poprock-Sensation, besucht das Olympiastadion in München, gleich zwei Abende hintereinander. Den Auftakt macht Freitag, 26. Juli 2019 – es ist brechend heiß, die U-Bahnen zum Stadion brechend voll. Kein Wunder, sind es doch die ersten Stadion-Shows der Sängerin auf Münchner Boden. Das Interesse ist groß, insgesamt 60.000 Besucher pilgern in den Olympiapark. Mit dabei: Bang Bang Romeo, Vance Joy und mittendrin DJ KidCutUp. Und das beste: am heutigen Samstag, 27. Juli, kann man sich all das noch einmal ansehen!

© Holly Rose Stones

Ab 18 Uhr und in den Umbaupausen legt DJ KidCutUp bereits fleißig Hits der vergangenen 40 Jahre auf, bevor um 19 Uhr dann mit Bang Bang Romeo die Live-Musik eingeläutet wird. Und wie! Die Band um Frontfrau Anastasia Walker kommt mit einer irrsinnigen Wucht auf die Bühne und legt laut- und tonstark mit „Shame On You“ los. Sofort fällt die ausdrucksstarke und mächtige Stimme von Walker auf, aber auch die rockigen Gitarren, die clever mit poppigen Melodien kombiniert werden. Besonders „Chemical“ überzeugt, aber der gesamte Auftritt wird bestens angenommen und mit einem „Seven Nation Army“-Cover von den White Stripes abgerundet. Was für ein Start!

Setlist: Shame On You / What’s Up? (4 Non Blondes cover) / Chemical / You & I / Runaway / Invitation / Seven Nation Army (The White Stripes cover)

Mit Vance Joy hat sich P!nk ein aufstrebendes Sternchen am Folk-Pop-Himmel geschnappt, der um 19:45 Uhr die Bühne betritt und gleich als strahlender Sunnyboy gute Laune in der in der Hitze bratenden Menge verteilt. Mit „Riptide“ gelang ihm vor sechs Jahren ein schierer Welthit, ein unsagbar böser Ohrwurm. Seitdem ist es relativ ruhig um den Sänger geworden, wenngleich er alles andere als untätig war – erst letztes Jahr erschien sein Album „Nation Of Two“, das in seiner Heimatstadt Australien wieder einen großen Erfolg verzeichnet, aber leider nicht in Deutschland allzu sehr gezündet hat. Von seinen Live-Qualitäten weiß er das Münchner Publikum allerdings zu überzeugen, wenngleich die 40 Minuten-lange Show teilweise fast etwas eintönig wird. Neben einem Bruce Springsteen und Lionel Richie-Cover schließt Joy letztendlich mit „Riptide“ – und der Hoffnung, kein One-Hit-Wonder zu werden.

Setlist: Mess Is Mine / Georgia / Fire In The Flood / Dancing In The Dark (Bruce Springsteen cover) / We’re Going Home / Saturday Sun / Lay It On Me / All Night Long (All Night) (Lionel Richie cover) / Riptide

© Jess Gleeson

Als um 21 Uhr der Startschuss für P!nk fällt, schießt die Stimmung in Windeseile in die Höhe. Deutlich kühler ist es zwar noch nicht geworden (was sich später beim wie fast inszenierten Regen ändern sollte), aber für so einen brandheißen Superstar lässt sich insbesondere das stehende Publikum vollkommen vereinnahmen und singt lautstark mit. „Get The Party Started“ ist seit Jahren der etablierte Opener, so auch für die 2019er-Tour – kein Wunder, kaum ein Lied könnte so einen Abend besser einläuten, kaum ein Lied schafft den für die Sängerin so legendären Spagat zwischen Pop und Rock. Mittlerweile ist es deutlich ruhiger geworden in ihrer Musik, das erst vor kurzem erschienene Album „Hurts 2B Human“ lässt jegliche Rock-Elemente vermissen. Auf der Bühne hat das aber nichts verloren: Rock steht auf dem Programm und auch die elektronischeren Songs wie Hustle oder Just Like Fire (mit Feuer-Fontänen) werden laut und druckvoll präsentiert. Sieht man sich allerdings die Hitrate der Sängerin an, könnte sie problemlos drei Stunden am Stück spielen, sie hätte immer noch nicht alle Radio-Hits ihrer Karriere abgedeckt. Dass jede Single gleich ein Hit wird? Ein Segen in der Karriere, ein Fluch bei Live-Auftritten.

Bekannt sind die Live-Auftritte von P!nk besonders für ihre außerordentliche Show und artistischen Einlagen, die sie selbst vollzieht – so natürlich auch in München. Bereits zu Beginn schwingt sie auf einem Kronleuchter auf die Bühne, Feuerwerk inklusive, später bei „So What“ fliegt sie sogar in einer verrückten Konstruktion über die Besuchermengen durch das ganze Stadion (und darüber hinaus!), während sie absolut tonfest performt. Höhenangst? Rückzieher? Nicht bei P!nk, sie zieht jede Aktion professionell durch, macht dabei durchgehend eine gute Figur und weiß das Münchner Publikum absolut zu begeistern. Die jahrelange Erfahrung und mittlerweile 20 Jahre umfassende Bühnenkarriere sind deutlich sicht- und spürbar, dennoch wirkt es nicht heruntergeleiert – die Passion, die Leidenschaft bleibt spürbar. Nach knapp zwei Stunden schließt „Glitter In The Air“ die Show und den Abend. Der Applaus gibt P!nk recht – alles richtig gemacht. Und wie!

Setlist: Get The Party Started / Beautiful Trauma / Just Like A Pill / Who Knew / Funhouse / Hustle / Secrets / Try / Just Give Me A Reason / River (Bishop Briggs cover) / Just Like Fire / What About Us / For Now / 90 Days / Time After Time (Cyndi Lauper cover) / Walk Me Home / I Am Here / F**kin‘ Perfect / Raise Your Glass / Blow Me (One Last Kiss) / Can We Pretend Zugaben: So What / Glitter In The Air

Bericht: Ludwig Stadler