Forgotten – Pequod im Backstage (Konzertbericht)

Mittlerweile haben sich die Abstandskonzerte im Backstage München schon ein kleines bisschen etabliert und begeistern seit 15. Juli nun auch 200 Fans auf Abstand. Das wurde natürlich dementsprechend genutzt und so wurde das eigentlich bereits ausverkaufte Konzert von Pequod und Hailstone am 18. Juli 2020 kartentechnisch aufgestockt. Bei Konzertbeginn ist das Werk vollkommen ausverkauft, die Biertische sind eingenommen und die Lust auf Live-Metal-Musik ist riesig – übrigens immer noch deutschlandweit die einzige Möglichkeit, Metal tatsächlich live zu erleben. Großartig!

Um 20 Uhr starten Hailstone ihr Set und beginnen mit „Celestial Wrath“ ihren Oldschool Death Metal, der sich weniger an Geschwindigkeit und Rifflastigkeit als eher Melodik und Kontingenz orientiert. Das funktioniert beizeiten ganz gut und heizt auch die sitzende Menge ein wenig an – aber eben genau das Sitzen erfordert mehr Performance, mehr mitreißenden Faktor, mehr Euphorie von der Bühne aus, um tatsächlich auch das Publikum mitzureißen. Das fehlt leider ein wenig, nichtsdestotrotz sind die Metaller ob des satten Sounds sehr angetan und zeigt fleißig die Pommesgabeln in die Höhe. 60 Minuten rattern sie durch ihre Diskografie und geben ihr Bestes, was – wie später herauskommt – tatsächlich nur ein Aufwärmen für das sein sollte, was noch folgt. Dennoch: Applaus! Um 21 Uhr strömt die Menge zum Bierholen nach Draußen.

Setlist: Celestial Wrath / Bulletstorm / Desolation Paradise / The Greater Counterfeit / The Operation / Insidious Depravity / The Shore / Revenant / Afte The Dream / Epitome / Paragon

Die Geschwindigkeit zieht deutlich an, als Pequod mit „Flaying Demon“ auf die Bühne stürmen – ein Riff-Gewitter ereilt das Werk und schleudert einen Breakdown nach dem anderen dem Publikum entgegen. Zwar wird der Abstand auf der Bühne hier und da etwas locker genommen, aber bei diesem Feuerwerk an Death Metal stört das weniger – viel zu sehr ist man mit Am-Platz-Headbangen und Solo-Circle-Pits-Mit-Dem-Kopf-Machen beschäftigt. Songs aus EP und Debüt-Album stehen auf dem Plan genauso wie einige Premieren aus dem kommenden Zweitling „Spineless“, welches am 11. Dezember erscheinen soll. Ob es dann wieder ein Release-Konzert unter Standard-Umständen gibt oder die Herren uns noch einmal mit einer Abstandspartie beehren? Egal wie, der Besuch dürfte sich lohnen.

Zu allem gibt es auch einen Cover-Song, dieses Mal „Crystal Mountain“ von der Kult-Band Death. Dafür kommen einige Jungs von Commander auf die Bühne, um es Pequod gleichzutun, die bei deren Abstandskonzert auch auf der Bühne beiwohnten. Eine schöne Abwechslung im Set, die allerdings auch bewies: ihre eigenen Songs klingen dann doch irgendwie passender und, ja, besser! Dementsprechend ruppig folgt „Pursuit“ und „Death 52“, bevor die Zielgeraden mit drei abschließenden Nummern erreicht ist und sich sogar einige Metal-Heads von ihrem Platz erheben, um zwar genau dort stehen zu bleiben, aber: sie stehen. Ein größeres Kompliment ist aktuell wohl kaum machbar. Hut ab, das war in dieser Zeit das bisher mit Abstand stärkste Metal-Konzert!

Setlist: Flaying Demon / False Divinity / Spineless / Hell Within / Crystal Mountain (Death cover) / Pursuit / Death 52 / Forgotten / Pride Of Creation / A Hunter’s Tale

Bericht: Ludwig Stadler